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Filmkritik

Erst schießen, dann denken: Polizei-Blödsinn in Miami

Mike (Will Smith) und Marcus (Martin Lawrence) sind immer noch postpubertäre Deppen.
Mike (Will Smith) und Marcus (Martin Lawrence) sind immer noch postpubertäre Deppen.(c) Sony Pictures
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Die schwarzen Cops Marcus und Mike sind im dritten Teil der „Bad Boys“-Serie immer noch postpubertäre Deppen und zerlegen das Stadtbild von Miami. Actiontheater mit viel Gaudi, das leider kritische Themen wie Polizeigewalt und Rassismus nicht einmal streift. Anachronistisch.

Irgendwo in Miami gellen „White Power“-Schreie durch die Luft, ein mehrere Meter hohes brennendes Kreuz wirft warmes Licht und tanzende Schatten. Gestalten in Ku-Klux-Klan-Roben warten auf eine Drogenlieferung, unbemerkt von ihnen nähert sich die schwer bewaffnete Polizei. Zwei aus der Gruppe reißen sich plötzlich die Kapuzen vom Kopf, darunter kommen die schwarzen Cops Marcus (Martin Lawrence) und Mike (Will Smith) zum Vorschein, die zeternd, feixend das Feuer auf die Rassisten eröffnen.

Das wäre angesichts des gesellschaftlichen Klimas im gegenwärtigen Trumpistan eine pointierte Einstiegssequenz für einen Actionthriller mit zwei afroamerikanischen Hauptfiguren, sie stammt aber aus dem Vorgängerfilm „Bad Boys II“ (2003). Der neue Teil kommt komplett ohne kritische Themen wie Polizeigewalt oder Rassismus aus, ist derart abgerückt von jeder außerfilmischen Wirklichkeit, dass man ihn unbedingt der Fantasy zuschreiben muss. Das liegt wohl auch an der vermaledeiten Produktionsgeschichte von „Bad Boys For Life“: Die Arbeit daran begann vor über einem Jahrzehnt, hat diverse Drehbuchautoren verschlissen, zwei profilierte Regisseure, Joe Carnahan und Michael Bay, sind wieder ausgestiegen.

 

Michael Bay hat nur einen Gastauftritt

Über die Ziellinie geschupft haben die Actionkomödie zwei kaum bekannte, wohl auch kostengünstige belgische Filmemacher: Adil El Arbi und Bilall Fallah werkten in ihrer Heimat erfolgreich an tiefer gelegten und fetzig inszenierten Krachbummfilmen. In ihrem Hollywood-Debüt servieren sie, zuweilen erfolgreich, Hirnfasching in Proll-Ästhetik als Hommage an die filmischen Testosteron-Schleudern von Michael Bay. Der hat die ersten beiden „Bad Boys“-Filme inszeniert, begnügt sich diesmal mit einem erheiternden Gastauftritt als Moderator auf einer Hochzeit. Marcus und Mike hingegen sind immer noch postpubertäre Deppen, befeuern einander mit mal mehr, mal weniger guten Wuchteln und delektieren sich daran, ihr Umfeld mit unendlichem Kalauer-Strom und chauvinistischem Blödsinn in den Wahnsinn zu treiben. Als Polizisten schießen sie, bevor sie denken, und zerlegen bei ihren Einsätzen gewohnheitsmäßig das Stadtbild, was bei ihrem Chef (herrlich: Joe Pantoliano) nach wie vor zu cholerischen Anfällen führt. Als ein unbekannter Schütze all jene tötet, die vor Jahren für die Verurteilung eines mexikanischen Kartellbosses verantwortlich waren, treten die „Bad Boys“ abermals an, um den Verbrechern das Handwerk zu legen.

Stilistisch emuliert das Regie-Duo die enthirnten Ausschweifungen des Hochglanz-Blockbusters, wie er in den Mittneunzigern vom Produzenten-Gespann Jerry Bruckheimer und Don Simpson ersonnen und u. a. von Michael Bay realisiert wurde: Wie „The Rock“ oder „Con Air“ damals setzt jetzt auch „Bad Boys For Life“ auf eine publikumswirksame Mischkulanz aus simpler Schmähführung und großem Actiontheater, gewürzt mit Telenovela-Melodramatik, getragen von einem gut aufgelegten und passgenauen, wenn auch teilweise etwas aus dem Leim gegangenen Schauspiel-Ensemble.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.01.2020)