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Internes BP-Papier: 16 Mio. Liter Öl strömen täglich aus

Internes BPPapier Liter stroemen
(c) EPA (ERIK S. LESSER)
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Das Ausmaß der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko ist noch größer als angenommen. Bisher ging man von 9,5 Millionen Litern aus. Die Ölpest hat BP bisher zwei Milliarden Dollar gekostet.

Aus dem defekten Bohrloch im Golf von Mexiko könnte nach BP-Angaben deutlich mehr Öl austreten als bisher angenommen. Im schlimmsten Fall müsse von bis zu 15,9 Millionen Litern (100.000 Barrel) pro Tag ausgegangen werden, heißt es in einem internen BP-Dokument, das der US-Kongressabgeordnete Ed Markey am Sonntag veröffentlichte. Bislang wurde die maximal mögliche Menge von der US-Regierung auf 9,54 Millionen Liter (65.000 Barrel) geschätzt. BP hat die bisherigen Kosten mit zwei Milliarden Dollar (1,6 Mrd. Euro) beziffert. In der vergangenen Woche hatte sich BP bereit erklärt, 20 Milliarden Dollar in einen Entschädigungsfonds für die Opfer zu zahlen.

Ständig neue Schätzungen

Im TV-Sender NBC warf der US-Demokrat Markey dem britischen Konzern vor, "entweder zu lügen oder schlicht inkompetent" zu sein: "Erst sprechen sie von 1000 Barrel, dann von 5000 Barrel, jetzt sind es schon bis zu 100.000 Barrel", sagte er. "Es war ihre Technologie, ihr Leck, sie hätten es von Anfang an wissen müssen", sagte er.

BP wies die Vorwürfe umgehend zurück. Der Bericht werde "völlig falsch interpretiert", sagte Sprecher Robert Wine der Nachrichtenagentur AFP. Er wies darauf hin, dass die Schätzungen auf Bedingungen beruhten, die nie eingetreten seien. So werde das Sicherheitsventil erst dann entfernt, "wenn wir garantieren können, dass das Bohrloch keine Gefahr mehr darstellt", sagte er. Nach seinen Angaben haben die damaligen Schätzungen nichts damit zu tun, "wieviel Öl derzeit tatsächlich" aus dem Leck fließe. 

Menge kaum zu bestimmen

Außenstehende Experten hatten wiederholt erklärt, es sei kaum möglich, die genaue Menge des ausströmenden Öls zu bestimmen. Hierzu müssten Gegebenheiten wie etwa der Druck in der Ölquelle und geologische Verhältnisse bekannt sein. Auch der Umstand, dass zusammen mit dem Öl auch Erdgas aus dem Loch austrete, erschwere exakte Bestimmungen.

Sicherheitsmängel auf Bohrinsel?

Während die genaue Ursache für das Unglück weiterhin unklar ist, hat ein ehemaliger Mitarbeiter von Sicherheitsproblemen auf der explodierten Bohrinsel gesprochen. Er habe einen Fehler an einer Dichtungsvorrichtung festgestellt und die zuständigen Vorgesetzten informiert, erläuterte Tyrone Benton der BBC. Statt den wichtigen Teil zu reparieren habe man ihn aber einfach abgeschaltet und sich auf eine zweite Sicherheitsdichtung verlassen, berichtete der britische Sender am Montag.

BP verwies darauf, dass der Plattform-Besitzer Transocean für die Instandhaltung der betroffenen Vorrichtung zuständig gewesen sein. Transocean wiederum gab an, man habe den Teil noch kurz vor der Explosion überprüft und für fehlerfrei befunden.

Die Ölpest hat sich zur größten Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA entwickelt, die Strände, Flora und Fauna, Tourismus und die Fischerei massiv beschädigt hat.

(Ag.)