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Migranten in Libyen

Libysche Konfliktparteien rekrutieren Migranten als Kämpfer

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UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR)  warnt, dass Migranten nicht nur erpresst und als Zwangsarbeiter ausgebeutet, sondern auch von beiden Seiten zum Kampf gedrängt werden.

Im Libyen-Krieg werden Migranten nach Informationen des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR) nicht nur erpresst und als Zwangsarbeiter ausgebeutet, sondern auch von beiden Seiten zum Kampf gedrängt.

"Menschen, die in Internierungslagern waren, berichten, dass sie vor die Wahl gestellt wurden, dort für unbestimmte Zeit zu bleiben oder an der Front zu kämpfen", sagte der Sonderbeauftragte des UNHCR für das zentrale Mittelmeer, Vincent Cochetel, der dpa in Berlin.

"Wir haben festgestellt, dass diese Rekrutierungsbemühungen vor allem auf Sudanesen abzielten. Wir vermuten, dass es daran liegt, dass sie Arabisch sprechen können. Sie werden von beiden Seiten rekrutiert", führte Cochetel aus. "Wenn sie sich dafür entschieden, wurden sie mit Uniform und Gewehr ausgestattet und direkt in diesem städtischen Guerilla-Krieg eingesetzt." Um wie viele Menschen es gehen könnte, konnte er nicht sagen.

Das UNHCR ist als eine von wenigen internationalen Organisationen in Libyen präsent und erhält auch gelegentlich Zugang zu Internierungslagern. Aus Sicherheitsgründen hat das UNHCR zuletzt Mitarbeiter reduziert.

650.000 Migranten und 43.000 Flüchtlinge in Libyen

Nach UNHCR-Angaben gibt es in Libyen 650.000 Migranten und 43.000 Flüchtlinge. Ungefähr 3000 Menschen befänden sich derzeit in Internierungslagern. Die Zustände dort variierten von schlecht bis furchtbar, so Cochetel. In besseren Lagern gebe es Probleme mit sanitärer Versorgung, es grassierten Krankheiten wie Tuberkulose. In den schlimmeren Lagern gebe es Folter, Menschenhandel, Zwangsarbeit und Vergewaltigungen. Dennoch kommen weiter Menschen freiwillig in das Bürgerkriegsland. "Ausländer aus Nachbarländern Libyens kommen in der Regel nach Libyen, weil es dort Arbeitsmöglichkeiten in allen Wirtschaftsbereichen gibt, selbst während des Krieges." Menschen aus entfernteren Ländern meiden hingegen Libyen inzwischen eher als Transitland - auch weil Rückkehrer ihnen von der Lage berichteten.

Die Schlepper könnten derzeit nur schwer verhaftet werden, müssten aber zur Verantwortung gezogen werden. "Es wäre wichtig, ihre Namen auf UNO-Sanktionslisten zu setzen, Reisesperren zu verhängen und Vermögen einzufrieren", sagte Cochetel. "Wir müssen diesen Leuten das Leben schwer machen. Wenn sie sich heute keiner Strafverfolgung stellen müssen, dann gibt es doch vielleicht Möglichkeiten, sie für ihre Verbrechen vor Gericht zu bringen, wenn der Frieden nach Libyen zurückgekehrt ist." Migranten berichten beispielsweise von Zwangsprostitution durch Schleppernetzwerke. Manche Schlepper halten Menschen gefangen, um Lösegeld von ihren Familien zu erpressen.

 

(APA/ dpa)