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Gegen Ehrenkodex verstoßen

Presserat rügt "Krone" für Foto von Seisenbacher in Unterwäsche

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Zwar wurde Seisenbachers Gesicht verpixelt, doch sei er auf den Fotos eindeutig erkennbar, so der Presserat. Die Veeröffentlichung bediene "den Voyeurismus und die Neugierde gewisser Leser".

Die Veröffentlichung einer Aufnahme des ehemaligen Judokas Peter Seisenbacher in Unterwäsche verletzt den Ehrenkodex für die österreichische Presse. Die "Kronen Zeitung" habe mit der Veröffentlichung des Fotos im vergangenen September gegen die Punkte 5 (Persönlichkeitsschutz) und 6 (Intimsphäre) des Ehrenkodex verstoßen, stellte der Presserat in einer aktuellen Entscheidung fest.

Im Artikel wird über die Verhaftung Seisenbachers an der polnisch-ukrainischen Grenze im September 2019 berichtet. Dem Bericht sind zwei Fotos Seisenbachers beigefügt. Eines davon zeigt ihn, wie er nur mit Unterhose bekleidet und mit hinter dem Rücken gefesselten Händen auf einem Sessel sitzt. Die Aufnahme stammt von seiner Verhaftung in Kiew 2017, sein Gesicht ist verpixelt.

Die Berichterstattung über das Strafverfahren gegen Seisenbacher sei zwar von öffentlichem Interesse, hielt der Presserat fest. Denn zum einen handle es sich beim Beschuldigten um einen Spitzensportler, der grundsätzlich weniger Persönlichkeitsschutz als eine Privatperson genieße, zum anderen war Seisenbacher bei der Veröffentlichung des Artikels wegen schweren sexuellen Missbrauchs Minderjähriger angeklagt. Die Berichterstattung über Sexualstraftaten diene in gewisser Weise auch der Abschreckung potenzieller anderer Täter und der Prävention, so das Gremium.

Daraus ergebe sich aber nicht, dass Fotos veröffentlicht werden dürften, die den Betroffenen in einer kompromittierenden Situation zeigen, so der Presserat. Auch die Verpixelung des Gesichts ändere daran nichts, weil der Abgebildete für die Leser auf dem Foto ohne weiteres identifizierbar bleibe. Die Veröffentlichung des Fotos diene vor allem dazu, "den Voyeurismus und die Neugierde gewisser Leser zu bedienen", kritisiert der Presserat.

(APA)