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Neues Eminem-Album: Im Kopf des Amokläufers

April 16 2012 Indio California U S Eminem makes a guest appearance during the 2012 Coachella
Eminem auf einem Archivfoto(c) imago/ZUMA Press (imago stock&people)
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„Music to Be Murdered By“ heißt das neue Album des Rappers. Das Video zur ersten Single „Darkness“ ist drastisch.

Überraschend hat Rapper Eminem ein neues Album veröffentlicht, „Music to Be Murdered By“ heißt dieses. Auf dem Cover dazu sieht man ihn mit Schaufel und Filzhut, aber in die sozialen Medien hat er eine alternative Version gestellt. Darauf hält er sich eine Axt und einen Revolver an den Kopf – eine Reminiszenz an Regisseur Alfred Hitchcock. „Inspiriert vom Meister, Onkel Alfred“, twitterte Eminem dazu. Als Gäste sind unter anderem Ed Sheeran und der kürzlich gestorbene Rapper Juice Wrld zu hören.

Auch ein erstes Video zum Album gibt es bereits, zur Single „Darkness“. Textlich beschäftigt er sich darin vordergründig mit seinem schwindenden Erfolg als Künstler. Zwar bringt Eminem konstant Alben heraus, an die großen Erfolge rund um die Jahrtausendwende kann er damit nicht anschließen. Das Video zu „Darkess“ dürfte aber für Debatten sorgen. Anfangs ist Eminem darin allein in einem kahlen, beigen Hotelzimmer in Las Vegas zu sehen. Er rappt – wie schon oft – über Tabletten und Alkohol, rund um ihn sind Flaschen zu sehen, Stamperl werden eingeschenkt.

Betrunken und geladen

„I don't wanna be alone, I don't wanna be“, heißt es im Refrain. Doch der Text wird immer doppeldeutiger. „If I pop any caps, it better be off of vodka, Round after round after round, I'm gettin' loaded“, heißt es in einer Zeile. Betrunken ja, und geladen. Immer mehr Waffen tauchen in dem Hotelzimmer auf. In der dritten Strophe ändert sich dann eindeutig die Perspektive: „Darkness“ führt den Hörer in den Kopf eines Amokläufers, eines bestimmen: Es geht um jenen Mann, der im Oktober 2017 aus einem Hotelzimmer in Las Vegas 58 Besucher eines Country-Musik-Festivals erschoss und ungefähr 869 weitere verletzte. Eminem schildert die Tat auch während der Tat aus Sicht des Schützen: „Got 'em hopping over walls and climbing fences“, rappt Eminem. „Some of them John Travolta, staying alive by inches.“ Wie die potentiellen Opfer den Kugeln zu entgehen versuchen, das erinnert ihn an den Schauspieler beim Tanz.

Das Video führt ebenfalls in den Kopf dieses Mannes: Aus Ego-Shooter-Perspektive sieht man zu, wie er eine Waffe lädt. Blut spritzt und die Kamera fällt auf den Boden, während Polizisten das Hotelzimmer stürmen. Drastisch. „ You'll never find a motive, truth is I have no idea“, heißt es dazu im Text. „Just tryin' to show ya the reason why we're so fucked. 'Cause by the time it's over, won't make the slightest difference.“

„Wann wird das enden?"

Was sich nicht geändert habe, wird gegen Ende des Videos deutlich. Altmodische Fernseh-Bildschirme zeigen Berichte über andere Amokläufe, ehe auf die US-Flagge geblendet wird. Ein Schriftzug erscheint: „Wann wird das enden? Wenn sich genügend Leute darum kümmern“. Am Schluss werden die (US-)Zuschauer aufgefordert, sich registrieren zu lassen, um – wohl bei der Präsidentschaftswahl im Herbst – wählen zu können. „Hilf mit, die Waffengesetze in den USA zu ändern“, lautet der eingeblendete Schriftzug.

(her)