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Wirkt gelöst

Prinz Harrys erster Auftritt nach dem Rückzug

Prinz Harry scheint wieder gute Laune zu haben.
Prinz Harry scheint wieder gute Laune zu haben.(c) REUTERS (POOL)
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Der 35-jährige gab sich bei der Auslosung der Spiele für die Rugby-Weltmeisterschaft 2021 entspannt und zu Scherzen aufgelegt.

Eine Woche nach der überraschenden Rückzugsankündigung von Prinz Harry und seiner Frau Meghan ist der 35-Jährige erstmals wieder in der Öffentlichkeit aufgetreten. Der Prinz wirkte am Donnerstag bei der Auslosung der Spiele für die Rugby-Weltmeisterschaft 2021 entspannt und zu Scherzen aufgelegt. Die Veranstaltung im Buckingham-Palast war schon lange vor der Rückzugsankündigung geplant worden.

"Das ist keine Koch-Sendung", sagte Harry lächelnd, nachdem er die Bälle mit den Namen der Teilnehmer-Mannschaften in einer Schüssel gemischt hatte. Zuvor hatte er Kinder, die im Garten des Palastes Rugby spielen durften, scherzhaft gewarnt: "Passt auf den Rasen auf, okay? Sonst bekomme ich Ärger."

Vor der Auslosung der Rugby-Spiele scherzte der Prinz mit Schulkindern.
Vor der Auslosung der Rugby-Spiele scherzte der Prinz mit Schulkindern.(c) APA/AFP/POOL/JEREMY SELWYN (JEREMY SELWYN)

Der Auftritt am Donnerstag könnte Harrys letzter öffentlicher Termin in Großbritannien sein, bevor er zu seiner Frau und Sohn Archie nach Kanada fliegt. In den kommenden Tagen sind laut britischen Presseberichten weitere Beratungen zur Zukunft von Harry und Meghan geplant.

Das Paar hatte am Mittwoch vergangener Woche überraschend verkündet, dass es sich weitgehend von seinen royalen Verpflichtungen zurückziehen und finanziell unabhängig werden wolle. Ihre Zeit wollen die beiden künftig zwischen dem Vereinigten Königreich und Kanada aufteilen. Am Montag fand dazu ein Krisengipfel der britischen Königsfamilie auf dem Landsitz Sandringham statt.

Die Queen erklärte anschließend, sie unterstütze "voll und ganz" den Wunsch des Paares, "ein neues Leben als junge Familie aufzubauen". Sie verwies aber auf die noch notwendige Klärung "komplexer" Fragen in den kommenden Tagen.

Rassismus als mögliche Ursache?

Die plötzliche Rückzugsankündigung von Prinz Harry und seiner Frau Meghan hat in Großbritannien eine Diskussion über die Gründe ausgelöst - und nicht zuletzt über Rassismus als eine der möglichen Ursachen. Tatsache ist, dass die britischen Medien und die Öffentlichkeit Meghans Wurzeln - ihr Vater ist weiß, ihre Mutter Afroamerikanerin - immer wieder thematisierten.

Quasi unmittelbar, nachdem die Liebesbeziehung zwischen den beiden im Herbst 2016 bekannt wurde, gab es erste Rassismusvorwürfe gegen britische Medien. Die "Daily Mail" überschrieb ihre "Exklusivmeldung" über die Romanze damals mit "Harrys Mädchen kommt (fast) direkt aus Compton" - in Anspielung auf einen für seine hohe Kriminalitätsrate und Armut berüchtigten Vorort von Los Angeles. In Wirklichkeit wuchs Meghan in behüteten Verhältnissen im Zentrum von LA auf und besuchte Privatschulen.

Rachel Johnson, Schwester des heutigen Premierministers Boris Johnson, schrieb seinerzeit in der "Mail on Sunday" von Markles "reicher und exotischer DNA", die den "blassen" Windsors guttun könne. Angesichts der Häufung derartiger Äußerungen reagierte Harry mit einer Erklärung, in der er "die rassistischen Untertöne" bestimmter Kommentare und den "Sexismus und Rassismus von Trollen in den sozialen Medien" brandmarkte.

Damit konnte er die Welle unsensibler oder gar offen beleidigender Äußerungen jedoch nicht stoppen. 2017 grub die "Daily Mail" Meghans Stammbaum aus und kommentierte diesen mit den Worten, ihre Familie habe sich in 150 Jahren von Baumwoll-Plantagen ins Königshaus "hochgearbeitet".

Ungerechte Berichterstattung

Nach der Geburt des Sohnes von Meghan und Harry im vergangenen Mai veröffentlichte ein BBC-Sportmoderator unter der Überschrift "Das royale Baby verlässt das Krankenhaus" das Bild eines Paares, das einen bekleideten Schimpansen an den Händen hält. Später bezeichnete der Moderator die Aktion als "dummen Scherz", dennoch wurde er gefeuert.

Selbst innerhalb der königlichen Familie kam es zu Zwischenfällen - beispielsweise, als Prinzessin Michael of Kent bei einem Familientreffen im Buckingham-Palast in Meghans Gegenwart eine antike Brosche mit dem Konterfei eines "Mohren" trug. Die Prinzessin, die mit einem Cousin von Queen Elizabeth II. verheiratet ist, entschuldigte sich später.

Die britische Innenministerin Priti Patel - selbst Tochter von Einwanderern - weist den Verdacht zurück, Rassismus könne eine Rolle bei Meghans und Harrys Entscheidung gespielt haben. "Ich glaube, dass wir in einem großartigen Land, einer großartigen Gesellschaft voller Möglichkeiten leben, wo Leute jeglichen Hintergrunds im Leben vorankommen können", sagte sie.

Meghan-Anhänger weisen auch auf die ungerechte Berichterstattung über die Herzogin im Vergleich zu anderen Mitgliedern des Königshauses hin. Von der britischen Presse mit dem Stempel "Herzogin Schwierig" und "kapriziös" versehen, wurde Meghan mehrfach für Dinge kritisiert, die andere Royals unbehelligt tun konnten. Dazu gehört beispielsweise die Gast-Herausgeberschaft einer Frauenzeitschrift, das Streicheln ihres Babybauches und der Verzehr von Avocados. "Wie Meghans Lieblings-Avocadosnack Menschenrechtsvergehen, Dürre und Mord anheizt", schrieb die "Daily Mail" zu letzterem Thema.

(APA/AFP)