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Studie

Rot-weiß-rote Paradoxa beim lebenslangen Lernen

Landauf, landab wird die Notwendigkeit kontinuierlicher
Weiterbildung getrommelt. Die Zahlen sprechen eine andere Sprache.

Oft wurde anhand der galoppierenden Digitalisierung aufgezeigt, wie schnell man den Anschluss verlieren kann. Ebenso oft wurde gewarnt, dass die Verantwortung für das Fitbleiben des Einzelnen längst vom Unternehmen auf den Mitarbeiter überging. Und dann erscheinen Studien wie der österreichische HR-Report 2020 des Personalberaters Hays (in Zusammenarbeit mit dem Institut für Beschäftigung und Employability IBE), die am Durchdringen all dieser Informationen zweifeln lassen.

Etwa am Stellenwert lebenslangen Lernens. Unternehmensseitig ist er relativ hoch angesiedelt (Median 77 Punkte auf einer Skala von 1 bis 100), mitarbeiterseitig deutlich darunter (Median 59 Punkte). Stellenwert ist nicht Verantwortung: Fragt man nach letzterer, liegt sie primär bei den Mitarbeitern, so der Tenor von 60 Prozent. 20 Prozent sehen sie bei den Führungskräften, der Rest ist unentschlossen.

Verantwortung ist nicht Budget: Über das entscheiden primär Geschäftsleitung oder Vorgesetzter. Nur elf Prozent der Mitarbeiter haben ein persönliches Lernbudget. Was wiederum im Widerspruch zur neuerdings so vehementen Forderung des Managements nach agilen, selbstbestimmten Mitarbeitern mit „Intrapreneur-Spirit“ steht, denen man ein Jahresziel gibt und sie dann „machen lässt“. Zielverantwortung ja, Lernbudgetverantwortung nein?

Offline ist tot, es lebe offline

Auch bei der Frage nach der Definition von Lernzeit ist das Bild diffus. Ein Drittel der Unternehmen akzeptiert nur die Teilnahme an Seminaren, ein Viertel lässt die Vorgesetzten entscheiden, ein Viertel gewährt ein frei verwaltetes Zeitbudget. Hier unterscheidet sich die Wahrnehmung der Geschäftsleitung von jener der Mitarbeiter signifikant.

Ebenso bei on- und offline: Lernen findet immer noch mehrheitlich off-the-job über Seminare und Tagungen (54 Prozent) statt. Nur 31 Prozent der Befragten lernen online. Gern propagierte neue Lernformate wie Gamification, Virtual und Blended Learning nutzen nicht einmal fünf Prozent. Doch einmal mehr heißt es, Präsenzseminare wären tot: Die Zukunft, so glauben alle, gehöre Lernvideos und Webinaren.

(al)