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Konzerthaus

So seriös sind diese Schweizer

Klarinettist Martin Fröst
Klarinettist Martin Fröst(c) imago images / TT (Anette Nantell/DN/TT)
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Das Tonhalle-Orchester klang bei Bartók oberflächlich, Klarinettist Martin Fröst glänzte mit einem Aaron-Copland-Konzert.

Ganz schön mutig, ein Tourneeprogramm mit Werken aus dem 20. Jahrhundert, die sonst kaum im hiesigen Repertoire verankert sind. Bartóks „Tanzsuite“ (1923) mit in Stilen verschiedener Nationalitäten erfundenen Volksweisen appelliert an Freundschaft und Lebensfreude, klang aber in der um Flottheit bemühten Aufbereitung der Zürcher oberflächlich, als ginge es um einen halblustigen Jahrmarkt. Wie so oft ist es „nur“ eine Frage, wie man Stil und Jargon einer Musik trifft, umgekehrt gedacht: Ungarn vergreifen sich selten an Schwizerdütsch. Die Schweizer Präzision beschränkte sich auf Exekution vertrackter Rhythmen, Atmosphäre und Farben blieben sicherheitshalber draußen, die Musiker müssten dann doch etwas von ihrem Innenleben investieren, das steht wohl nicht im Dienstvertrag eines seriösen Mittelklasse-Ensembles. Das Tonhalle-Orchester scheint seit Ende der Ära David Zinmans auf der Suche nach Identität. Seit Herbst 2019 bemüht sich Paavo Järvi als Chef in Zürich um Profil. Vom Erfolg seiner Bremer Beethoven-Aufnahmen gefördert, gilt der quirlige Este als Postensammler, Orchestererzieher und Zuchtmeister.