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Kasino des Burgtheaters

Saumäßige »Hamletmaschine«: Das Publikum macht nicht mit

(c) Matthias Horn
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Regisseur Oliver Frljić hat Heiner Müllers zynischen, dichten, verzweifelten Text der Ohnmacht ziemlich aufgeblasen. Es sollte vielleicht provoziert werden.

Ecke Ringstraße/Schwarzenbergplatz, vorm ehemaligen Kasino für Kakaniens Offiziere. Zwei steinalte Herren:

No, was hat's den heute gegeben in unserm Burgtheater-Kasino?

„Die Hamletmaschine“ von dem Kommunisten aus der DDR, der a schon lang tot ist. A Bosnier hat das inszeniert.

Wie war's?

Frech. A nackerter Deutscher hat so getan, als ob er mit an gewaltigen Gummischwein kopuliert, Fellatio, a tergo, das ganze Programm halt. Er hat sich auch ein Papierl mit dem Foto von am Männerkopf, wahrscheinlich dem vom Regisseur, in den After g'steckt und später wieder raus druckt. G'schwitzt hat er. Sein Schlussmonolog aber: kolossal! A kleine Ungarin hat so tan, als ob sie sich a Küchenmesser in die Scham einführt, bis sie geblutet hat. Leid hat's ma tan, die arme Kreatur, wie sie so traurig g'sessen ist mit der Krone auf an Thron. Dem Publikum is g'sagt worden, man kann sie losschneiden, von so an Faden, mit dem sie sich unten zugenäht und dann verwickelt hat. Aber keiner hat sich traut. Sie hat ja no irgendwo das Messer g'habt. A Ukrainerin hat mittendrin g'sagt, übrigens in perfektem Piefke-Deutsch, man kann von ihr die Handynummer vom neuen Burgtheater-Direktor haben. Amüsant! Ein Luxemburger Schauspieler, hat sie g'sagt, sei – anders. Und der Branko Samarovski – der einzige Österreicher auf der Bühne! – hat die Ophelia gespielt. Grandios! Er hat auch viel geblutet, in seinem weißen Kleid. Berührend. Der kann das. Und sonst, fragst du? Saumäßig fad war's. Wie's no unser Kasino war, unterm Kaiser, ist's lustiger gewesen.