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Naturschutz oder mehr Lifte?

Der Pitztaler Gletscher soll weiter verbaut werden.
Der Pitztaler Gletscher soll weiter verbaut werden.(c) APA/EXPA/JOHANN GRODER
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Das größte Gletscherskigebiet Europas soll in Tirol entstehen. Doch dafür sind massive Eingriffe in die Alpen nötig.

Ein umstrittenes Projekt ist in den Tiroler Alpen geplant: Das „größte zusammenhängende Gletscherskigebiet in Europa“ soll dort entstehen. Die Pitztaler und die Ötztaler Gletscherbahnen wollen die beiden Skigebiete zusammenlegen und verbinden. 132 Millionen Euro kostet das Vorhaben, das vor allem den Fremdenverkehr stärken soll. Denn dessen Erfolg hängt immer mehr von der Größe des Skigebiets ab. „Damit können wir ein neues Angebot schaffen, das zu einer touristischen und wirtschaftlichen Aufwertung beider Täler führen wird“, sagen Eberhard Schultes, Geschäftsführer der Pitztaler Gletscherbahn und Jakob Falkner, Geschäftsführer der Bergbahnen Sölden.

Letzte Wildnis. Umweltschützer kritisieren das Projekt. Denn dafür müsste ein ganzer Berggrat des Gletschers weggesprengt werden. Außerdem sind drei neue Seilbahnen geplant, ein asphaltierter Speicherteich, ein 600 Meter langer Skitunnel, ein dreistöckiges Seilbahnzentrum sowie Restaurants und Bars. 72 Hektar von seit der Eiszeit gewachsenem Gletscher würden so zerstört werden. „Unter dem Eis ist reines Urland, das noch nie exponiert war“, meint Josef Pichler von der Abteilung Raumplanung und Naturschutz des Österreichischen Alpenvereins. „Wir wissen gar nicht, was alles zum Vorschein kommt.“ Das Gletschergebiet werde sich in den kommenden Jahrzehnten massiv verändern. Eine aktuelle Studie der Universität Innsbruck sagt: Selbst bei der optimistischsten Klimaprognose verschwinden etwa zwei Drittel des Gletschereises im umstrittenen Projektgebiet bis 2050. Im Extremfall könnten die Gletscher um den Linken Fernerkogel in den nächsten 30 Jahren sogar zur Gänze verschwinden. Josef Pichler meint: „Es geht einfach nur darum, was schwerer wiegt: der Naturschutz oder der Ausbau der Skilifte?“ Auch der WWF Österreich will das Projekt stoppen. „Der Rückgang der Gletscher gibt Gelände frei, das seit der letzten Eiszeit vor rund 10.000 Jahren vollkommen unbeeinflusst geblieben ist. Das ist die letzte echte Wildnis, die wir in Zentraleuropa haben. Die heutigen Gletschergebiete werden in Zukunft zu wichtigen Rückzugsräumen für kälteangepasste Tier- und Pflanzenarten, die aufgrund des Temperaturanstiegs in höhere Regionen ausweichen müssen,“ warnt Josef Schrank vom WWF. Ab Mittwoch verhandelt die Tiroler Landesregierung über die Umweltverträglichkeit des Projekts.

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2020)