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Interview

Soziologe Kenan Güngör „In der Schule sollte Raum sein, sich entfalten zu können“

Kenan Güngör.
Kenan Güngör.(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Soziologe Kenan Güngör würde eine Ausweitung des Kopftuchverbots in der Schule befürworten – für Kinder bis 14 Jahre, aber auch für Lehrerinnen in der Pflichtschule. In der Diskussion gehe es oft nicht um das Kindeswohl, sondern um eigene Weltanschauungen.

Wie viele der Musliminnen tragen Kopftuch?

Kenan Güngör: Studien und Einschätzungen gehen davon aus, dass es 25 bis 30 Prozent der Musliminnen sind. Je älter muslimische Mädchen werden, umso höher wird auch der Anteil derer, die Kopftuch tragen. Wir müssen wissen, dass die Befürworter des Kopftuches nur einen Teil der Muslime abbilden. Es ist ein Minderheitsprogramm der stark Religiösen. Mit diesen und ähnlichen Themen repräsentieren sie nicht die Anliegen der Mehrheit der Menschen mit muslimischer Prägung. Auch wenn sie gerne so tun.

Wieso beschäftigt ein Thema, das nur wenige direkt betrifft, jahrelang die Politik?

Die Religion hat in unserer säkularisierten Gesellschaft ihre dominante Stellung verloren. Die höhere Religiosität bei eingewanderten Muslimen, gepaart mit symbolischen Bekundungen wie dem Kopftuch, löst Irritation aus und wird als Rückschritt empfunden. Daher müssen wir über diese Themen mit der gebotenen Redlichkeit diskutieren und abwägen. Ich glaube, dass es den Rechten und den muslimischen Interessenvertretern nicht um das Wohlbefinden der Mädchen geht.

Worum geht es in der Diskussion, wenn nicht um das Kindeswohl?