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Leserstimmen

Zwölf Leser, zwölf Meinungen zur Klima-Debatte

Der Klimawandel sorgt für viel Diskussionsstoff, auch bei den „Presse"-Lesern. Wir präsentieren eine Auswahl an Leserbriefen.

Die Kritik an den Staatsspitzen von Brasilien und Australien, die in den vergangenen Wochen in österreichischen und deutschen Medien zu lesen war, finde ich hoch spannend. Diese Regierungen werden dafür kritisiert, dass sie die Ursache der Brände in ihren Ländern nicht erkennen wollen. Uns ist mittlerweile klar, dass der Klimawandel schuld daran ist. Heute steht eine Fläche, die größer als Österreich ist, in Vollbrand bzw. ist nur noch verbrannte Erde übrig. Komischerweise erkennen dieselben Medien nicht, dass für diese Feuerinfernos alle Länder (vor allem die westlichen) die Verantwortung tragen. Also, liebe Journalistinnen und Journalisten, wann kommt der Aufschrei, weil unsere Politiker nicht imstande sind, die Klimaziele von Paris auch nur annähernd zu erreichen?
Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen zu handeln, alle, in jedem noch so kleinen Land. Nicht in homöopathischen Dosen, sondern in Riesenschritten. Konsequent, in allen Bereichen, fokussiert auf ein Ziel: den Klimawandel mittels Vollbremsung zu stoppen.
Jürgen Hutsteiner, Steyr

Die Brände in Australien zu verharmlosen, erscheint mir angesichts der Diskussion zur Erreichung der Klimaziele kontraproduktiv. Auch wenn Christian Ortners Beitrag wissenschaftlich korrekt sein mag. Zu sagen, „tatsächlich gehören Buschfeuer zu Australien wie Kängurus“, tut mir in der Seele weh. Ich habe voriges Jahr dieses wunderbare Land bereist und mich über jedes Känguru, das ich gesehen habe, gefreut. Es ist für mich sehr schmerzhaft, Australien in Flammen zu sehen. Ich denke, es ist uns allen klar, dass wir keine Zeit zu verlieren haben. Lassen Sie uns in diese Richtung Anstrengungen unternehmen, und nicht über Beweise für die gewaltigen Brände in Australien diskutieren.
Gerti Lachmann, 1220 Wien

Es wäre an der Zeit, dass das Schlamassel des milden Wetters im Jänner und die verbrannten Buschwälder Australiens in den Wettervorhersagen ein paar semantische Spuren hinterlassen. Ab jetzt: „Schönes Wetter“ ist nicht mehr Sonnenschein, sondern Regen!
Dies gilt für die Südsteiermark, wo die Regentage des Novembers in letzter Minute die Grundwasserspeicher aufgefüllt haben, wie für Australien, wo Regen mit einem Schlag das schauerliche Inferno verbrannter Landschaften, Tiere und Menschen beenden würde.
Dr. Franz Zeder, 8430 Leibnitz

Ein Brief an die Jugend

Es ist bemerkenswert, wie sehr Ihr Euch für die Umwelt einsetzt. Meine Stimme habt Ihr. Keine Autos, zu Fuß zur Schule, kein Fernsehen, keine Handys, kein Internet mit Cloud, sparen beim Heizen – ein Raum genügt ja –, Fleisch einmal die Woche, aus biologischer Haltung.
Ihr wollt also wieder so leben, wie wir vor 65 Jahren gelebt haben. Gern. Nur lasst uns als Oma und Opa so leben, wie wir wollen. Wie gesagt: Was Ihr heute fordert, hatten wir schon vor 65 Jahren, wir haben Euch etwas voraus. Trotzdem: Meine Stimme habt Ihr.
Helmut Angerer, 3433 Königstetten

Fundamentalistische Bewegung?

Die Vorkommnisse um Siemens und Roger Federer zeigen, dass die FFF-Bewegung bzw. einzelne Protagonisten langsam ins Fundamentalistische abgleiten. Das ist insofern schade, als bei allem berechtigten Interesse und im Lichte der Erkenntnis, dass es so nicht weitergehen kann, die Alternative wohl nicht die Rückkehr zu den Lebensumständen des 18. Jh. ist!
Ing. Richard Rammler, 1140 Wien


Es ist sicher zutreffend, dass die Klimaschutzbewegung religionshafte, irrationale Züge annimmt. Den UNO-Bericht zum Klimaschutz und die Erkenntnisse der Wissenschaft einfach vom Tisch zu wischen und als irrational abzutun, ist aber genauso irrational – wodurch unterscheidet sich da der Klimagegner vom Impfgegner?
Kommentare wie jener von Christian Ortner erhellen die Sache nicht. Es bedarf einer unter die Oberfläche gehenden Auseinandersetzung mit der Sache, um die Spreu vom Weizen zu trennen. Hier sind die Journalisten aufgerufen, nicht nur die Meldungen der Presseagenturen abzuschreiben, sondern Berichte von Wissenschaftlern auch tatsächlich zu lesen, Aussagen und Annahmen vielleicht zu hinterfragen, aber auch Überzeugendes zur Kenntnis zu nehmen und die von Mainstream und Politik vorgeschlagenen Maßnahmen vor diesem Hintergrund kritisch zu beurteilen. So könnte man beispielsweise das Theater um das Fliegen mit dem Hinweis, dass der Anteil des Luftverkehrs am weltweiten menschenverursachten CO2-Ausstoß nur ca. 2,5 % beträgt, dann tatsächlich als irrational entlarven. Die Medien versagen hier jedoch und leisten durch allzu oberflächliche und in der Sache unkritische Berichterstattung dem Religionshaften letztendlich Vorschub.
MMag. Christian Germuth, 1010 Wien

Verlogenes Norwegen

Ich kenne den ganzen Vortrag von Hans-Werner Sinn zu diesem irrwitzigen Thema („Der große E-Auto-Schwindel“,), der an Deutlichkeit und vor allem wissenschaftlicher Fundiertheit an nichts mangeln lässt. Daneben sei nur an die Studie des Joanneum Research verwiesen, die eindrucksvoll den Nachweis erbringt, dass ein VW e-Golf erst nach 219.000 km den Diesel Golf bei der CO2-Emission einholt, nur dass auch dieser Wert illusorisch ist, da bis dahin der besagte e-Golf schon längst das Zeitliche gesegnet hat und somit mehr CO2 verursacht als sein Dieselverwandter! Zudem ist die ganze CO2- Debatte längst aus dem Ruder gelaufen und dient ganz offensichtlich völlig anderen Interessen.
Denn es ist schon interessant, wie Prof. Sinn sagt, dass es wenig Sinn hat, CO2-Emittenten wie Dieselautos praktisch zu verbieten, aber die weltweite Förderung von Kohlenwasserstoffen nicht einzustellen! Das beste Beispiel an Verlogenheit ist Norwegen, wie Hans Werner Sinn im Vortrag darlegt.
Man kann nur hoffen, dass dieser Beitrag die richtigen Adressen findet und vielleicht einen Politiker, dem die Augen aufgehen, bevor sie uns allen zugehen!
Herbert Matl, 5452 Pfarrwerfen


Die Amazonas-Urwälder brennen: Macht nix, Holz ist CO2-neutral! Buschfeuer in ganz Australien, der Rauch umrundet den Erdball: Macht nix, Holz ist CO2-neutral! Scheit- und Pelletsheizungen blasen Rauch und Feinstaub in die Luft: Macht nix, ist ja CO2-neutral! Gas wird verheizt, fast kein CO2, ist böööse! Wo bleibt da die Vernunft? Aber die ist bei diesen Debatten schon längst ausgeschaltet!
Ing. Heinz Ertl, 8692 Neuberg/Mürz


Es wäre wirklich wirtschaftlich ein Schuss ins Knie, österreichische Betriebe (und Konsumenten, v. a. Pendler) mit einer CO2-Steuer zu belasten, die es im übrigen Europa (und der Welt) nicht gibt. Warum aber nicht das Gegenteil? Wer an einem solchen System teilnehmen will, vor allem Unternehmen, weist seinen CO2-Ausstoß (Kilometerleistung/Treibstoff- oder Mineralölverbrauch) der vergangenen drei Jahre nach. In der Folge wird deren Senkung unter den Durchschnitt dieser Jahre mit einer Gutschrift auf Steuern belohnt, ergibt sich ein negativer Wert, wird dieser ausgezahlt, eine Erhöhung eventuell (fürs System nicht unbedingt erforderlich) mit einem Zuschlag „belohnt“. Das wäre ein Anreiz, CO2 einzusparen, ohne die Konkurrenzsituation zu belasten, ja diese sogar potenziell zu verbessern! Pendler, die Nachteile (Zeitaufwand, Bequemlichkeit, Flexibilität) eines Umstiegs auf öffentliche Verkehrsmittel oder Fahrgemeinschaften auf sich nehmen, werden belohnt, Unternehmen, die innovativ ihren Ausstoß verringern, gewinnen an Konkurrenzfähigkeit – und der CO2-Ausstoß sinkt, hinreichende Spürbarkeit der Belohnung vorausgesetzt.
Dr. Martin Nagiller, 6330 Kufstein

Wenn es die Schwächsten trifft

Ich kann nur sagen: Super! Und man kann das Wort Öl einfach durch Gas ersetzen, denn wir werden bei diesem Brennstoff die gleichen Probleme haben. Siehe dazu auch Josef Urschitz' Kolumne vom 8.1.: Wie immer exzellent! Ich habe eine Vision, z. B. für Wien: Man stelle sich die vielen Wohnhäuser vor, und unter jedem zweiten Fenster hängen die Wärmepumpen! Schaut fantastisch aus! Denn in den vielen Wohnungen werden dann Durchlauferhitzer und Gasthermen nicht mehr verwendet werden können. Bravo, das nenne ich vorausschauende Politik, zumal die Wärmepumpen dann mit Strom betrieben werden, den wir z. B. aus dem Osten (Kohlekraftwerke) und Westen (AKW) importieren. Super! Österreich hat kein CO2-Problem!!
Ich bin nicht gegen alternative Energie, betreibe seit 26 Jahren eine Solaranlage für das Warmwasser und habe die Anlage 2019 durch eine neue ersetzt. Also bin ich fast schon ein „Grüner“. Ich war damals überzeugt, und es war gut so, aber: Zwei Tage keine Sonne – und ich bin froh, dass ich mit Gas heizen kann.
Jetzt ist alles hysterisch, es gibt keine Ratio mehr, egal ob Autoverkehr, Heizen, Fliegen, Essen etc. Man soll auf alles Mögliche umsteigen oder ändern, aber die Grundlagen sind nicht vorhanden.
Walter Gattringer, 1130 Wien


Da ab 2035 alle Ölheizungen verboten werden sollen von unserer realwirtschaftlichen grün-türkisen Regierung, bitte ich hiermit um Alternativ-Energieträger-Spenden für vier eng verwandte Familien, alle in Pension, alle betreiben seit ca. 30 Jahren eine schmutzige Ölheizung (es gibt nichts Ökologischeres, als eine funktionierende Heizung zu zerstören!). Da weder Fernwärme vorhanden ist noch kanadische Pellets verheizt werden wollen, kommt also unisono nur eine Flächenheizung infrage.
Hier kann man per Haushalt bei den lokal sehr niedrigen Handwerkerpreisen mit max. 50.000 Euro rechnen, da ja die Häuser nur generalsaniert werden müssen inkl. neuer Böden, Entfernen der alten Wandheizungen, etc. Durch die traditionell sehr niedrige Besteuerung von Einkommen und Arbeit in Österreich haben diese Familien natürlich sehr viel Geld ansparen können (das täglich immer weniger wert wird) bei einem sehr sparsamen Lebensstil, immer bedacht auf das Aushalten der Jungen und Erben.
Bei einer durchschnittlichen Pension dieser Haushalte von 1250 Euro (eine ziemlich fette Pension, würde manch einer sagen!) muss man maximal 40 Monate auf ein Leben verzichten. Ein wenig Erspartes sollte noch übrig bleiben für Banalitäten wie Essen, Pflege, den von oben verordneten E-Pkw oder auch nur für so banale Begehrlichkeiten wie Grundsteuer oder Grab.
Da die Alten aber sowieso nicht mehr wählen gehen sollen (weil eben alt und analog), spart man sich dann ein paar Kilometer zur monatlichen Wahl. Spürt man dann einmal ein Zipperchen, so wird es wohl das beste sein, man geht rasch in den Wald und legt sich zum Sterben nieder.
Ich bitte daher im Namen meiner Familien, für uns zu spenden.
Mag. Stephan Schickl, 5310 Mondsee

Bereits Vorhandenes länger nutzen

Als weitere Alternative zur Verhinderung von CO2-Emissionen möchte ich auf das Thema noch mehr Nachhaltigkeit beim Wohnen hinweisen. Die ideale Form ist die Verwendung von Gegenständen, die schon da sind, also nicht mehr erzeugt werden müssen. In diesem Fall kann man wirklich von 0-Emissionen sprechen.
Ich betreibe seit ca. 40 Jahren Handel mit antiken Möbeln. Diese teilweise bis zu 250 Jahre alten Schränke, Kommoden usw. benötigen lediglich Konsumenten, die sich nicht bedingungslos dem Diktat der jeweiligen Mode unterwerfen und damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können: Klima schützen und individuell, nachhaltig einrichten. Ganz klar gilt der Grundsatz, bereits Vorhandenes länger zu nutzen – eigentlich so lang, wie es eben die jeweilige Funktion erfüllt – nicht nur für antike Möbel, sondern für alles, was in unserem täglichen Leben irgendeine Bedeutung hat: Also Häuser, Autos, Schiffe, Brücken, Bekleidung usw.
Es wäre an der Zeit, umzudenken und Nachhaltigkeit sowie Klimaschutz, auch bei der Einrichtung, mehr Gedanken zu widmen.
Ing. Richard Armstark, 4780 Schärding