Schnellauswahl
Kolumne zum Tag

Telefongespräche

(c) imago/Ikon Images (imago stock&people)
  • Drucken
  • Kommentieren

Manchmal fühlt sich das Leben tatsächlich so an, als wären wir vom ORF falsch untertitelt worden.

Ich mache ein telefonisches Gespräch mit einem Experten zu einem Thema aus, trage es mir aber selbstverständlich falsch in den Kalender ein. So wird es auch höchst seltsam, als etwa eine Viertelstunde nach dem ausgemachten Zeitpunkt das Telefon klingelt und ein Mann, ohne sich vorgestellt zu haben, weil wir haben ja einen Termin, zu mir sagt: „Entschuldigen Sie bitte, ich musste zum Zug rennen.“ „Ah, äh, ja?“ „Ja, alles gut gegangen. Wie geht es Ihnen?“ „Gut, danke . . . Und Ihnen?“ „Ich bin müde.“ „Aha. Vielleicht trinken Sie einen Espresso?“ „Lieber nicht, ich hatte schon 14.“ Zwei, drei weitere Sätze lang rede ich dümmlich vor mich hin, ehe der Groschen fällt. Himmel, wie geht man mit einer derart peinlichen Situation um? Antwort: Man macht alles noch schlimmer. Man wird wirr. Man sagt Sätze wie: „14 Espresso! [sic!] Wollen Sie einen Herzinfarkt?“

Manchmal fühlt sich das Leben tatsächlich so an, als wären wir vom ORF falsch untertitelt worden. Einmal rufe ich gedankenverloren bei einer Firma an, und anstatt meinen Namen zu nennen, stelle ich mich mit dem Namen der Firma vor – es ist, als würde die eigene Firma sich selbst anrufen –, dann muss ich so laut über meinen Fehler lachen, dass die Dame einfach auflegt.

Am besten ist aber jene Anruferin, die mich in der Redaktion kontaktiert, um sich zu vergewissern, dass ich eine E-Mail von ihr erhalten habe. Ich stöbere im Outlook herum, aber da ist nichts. Wir beraten uns noch eine Weile (Spam-Ordner? Gelöscht-Ordner?), bis ich sage: „Sie haben vielleicht meine E-Mail-Adresse falsch geschrieben? Können Sie mal buchstabieren?“ Den Namen einer anderen Person nach dem gängigen Alphabet schnell zu buchstabieren ist eine harte Nuss. Sie sagt: O wie Otto (das ist richtig), dann folgt eine kurze Denkpause, dann sagt sie E wie Erdbeben (was?), dann wieder Denkpause, dann Z wie Zanoni (funktioniert nur in Wien), dann K wie Kerze (witzig), dann A wie Annemarie (Wer ist Annemarie?), wieder Pause, N wie Nasenbär (was?). „Das war unterhaltsam“, sage ich. Sie lacht. Und sagt: „Annemarie heißt meine Mutter, den Rest kann ich auch nicht erklären.“

E-Mails an: duygu.oezkan@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2020)