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Als der „Heiland“ erschien

„Bild“, Deutschlands Antwort auf die „Sun“, ist außer Rand und Band.

Nicht wegen des „Megxit“ wie drüben auf der Insel. Weihnachten ist zwar vier Wochen vorbei, doch im Ruhrpott ist der „Heiland“ – so „Bild“ – erst am Samstagnachmittag erschienen. Quasi aus heiterem Himmel, obendrein im Stadion im bayerischen Augsburg und mit nachbarschaftlicher Unterstützung aus Salzburg.

Die Wolkendecke tat sich auf, Sonnenstrahlen blitzten hervor, und ein blonder Jüngling, ein Riesenbaby von 19 Jahren, betrat die Bildfläche. 183 Sekunden war Erling Håland auf dem Platz, und schon zappelte der Ball im Netz. Zwei weitere Treffer sollten den Hattrick komplettieren, die das kleine Wunder perfekt machen: Dortmund hatte das Spiel gegen Augsburg gedreht. Zum Auftakt der Bundesliga-Rückrunde nach der Weihnachtspause drehten die „Bild“-Dichter durch: „Hammer-Håland“, als Steigerung „Heiland“.

„Braut“, der zweite Vorname des norwegischen Neo-Messias, der in der Herbstsaison in Salzburg für Furore gesorgt hatte, gab eine Steilvorlage ab. „Braut“ nimmt den Ball ins Bett: So oder so ähnlich lauteten die Schlagzeilen. Was erst, wenn er Dortmund zum Titel schießen sollte? In den „schwarz-gelben“ Himmel. Die Håland-Orgie könnte sogar Dortmunds Exil-Messias in Liverpool, Jürgen Klopp alias „Kloppo“, vergessen lassen. (vier)

Reaktionen an: thomas.vieregge@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2020)