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Klimawandel

FCKW-Verbot lindert Klimanot

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Die Maßnahmen zur Erhaltung der Ozonschicht reduzieren auch die Erderwärmung, zeigen mehrere Studien.

Als leuchtendes Vorbild für eine Lösung des planetarischen Problems Klimawandel gilt es schon länger: das Montreal-Protokoll von 1987, das den Ausstieg aus Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) besiegelte und so die Ozonschicht rettete. Aber jetzt entdeckt die Wissenschaft, dass diese Treibgase auch stark zum Treibhauseffekt beigetragen haben – und ihr Auslaufen daher den Klimawandel bremst. Ein Drittel der Erderwärmung und die Hälfte der Eisschmelze in Polargebieten zwischen 1955 und 2005 sei auf die „Ozon-Killer“ in Sprays, Kühlschränken und Feuerlöschern zurückzuführen, ergeben Modellrechnungen von Forschern der Columbia University (Nature Climate Change, 20.1.). Im Dezember kamen australische Forscher zu ähnlichen Ergebnissen. Sie projizieren in die Zukunft: Ohne den Stopp für FCKW würden die globalen Durchschnittstemperaturen bis 2050 um zusätzlich ein Grad Celsius steigen. Die Maßnahmen von Montreal dämpfen demnach die Erderwärmung um ein Viertel.

Das ist natürlich eine gute Nachricht. Aber sie wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet. Was bedeutet es für die Qualität der Klimamodelle, wenn ein so wichtiger Effekt bisher übersehen wurde? Und wie steht es um die FCKW-Ersatzstoffe, die fluorierten Kohlenwasserstoffe? Auch sie sind Treibhausgase (wie bei den FCKW gilt: Die Mengen sind im Vergleich zu CO2 gering, aber die Wirkung ist rund 20.000-mal so groß). Auch sie werden nun ersetzt, aber nur langsam. Hat man ihre klimaschädliche Wirkung unterschätzt? (gau)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2020)