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Isabel dos Santos

Wie Afrikas reichste Frau zu ihrem Geld kam

Isabel dos Santos pflegte sorgfältig ihr Image als Afrikas Vorzeigefrau und Selfmade-Milliardärin. Rechtliche Ermittlungen und journalistische Enthüllungen zeichnen nun ein anderes Bild.
Isabel dos Santos pflegte sorgfältig ihr Image als Afrikas Vorzeigefrau und Selfmade-Milliardärin. Rechtliche Ermittlungen und journalistische Enthüllungen zeichnen nun ein anderes Bild.(c) REUTERS (TOBY MELVILLE)
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Isabel dos Santos, Tochter von Angolas Ex-Präsident, gab sich gerne als Selfmade-Milliardärin. Enthüllungen zeigen: Sie profitierte von Korruption.

Luanda/Wien. Isabel dos Santos gab sich stets bescheiden. Meist im schlichten Businesskostüm gekleidet, pflegte die heute 46-Jährige das Image der Selfmade-Milliardärin. „Ich habe einfach hart gearbeitet“, zählte zu ihren Standardsätzen, wenn sie an einer US-Universität einen Vortrag über ihren Erfolg als reichste Frau Afrikas hielt. Jede Vermutung, ihr Vermögen von geschätzten 2,2 Milliarden US-Dollar könne vielleicht doch etwas mit der Tatsache zu tun haben, dass ihr Vater 38 Jahre lang Afrikas Ölstaat Angola regierte, wies sie weit von sich. Jetzt aber hat das Bild tiefe Risse bekommen. Und dos Santos steht im Zentrum von Afrikas derzeit größtem Korruptionsskandal.

Seit Monaten schon ermittelt die angolanische Justiz wegen Korruptionsverdachts gegen dos Santos; um den Jahreswechsel fror ein Gericht in Luanda ihre gesamten Vermögenswerte ein. Die Regierung von Präsident João Lourenço, der dos Santos' Vater, José Eduardo, 2017 nachfolgte, hat sie aufgefordert, mehr als 1,1 Milliarden Dollar zurückzuzahlen. Nun erhärten Enthüllungen des internationalen Journalistenverbunds ICIJ den Verdacht, dass sich dos Santos und eine kleine Elite aus Politik, Wirtschaft und Militär schamlos in Angola bereicherten und Millionen anhäuften, während zwei Drittel der Bevölkerung bis heute von weniger als zwei Dollar am Tag leben müssen.

 

Mehr als 400 Firmen gegründet

LuandaLeaks – das sind rund 715.000 Unterlagen aus dem Dos-Santos-Firmenimperium, die zunächst der afrikanischen Journalistengruppe PPLAAF zugespielt worden sind und nun von rund 120 Journalisten aus 20 Ländern ausgewertet wurden. Alles in allem sollen dos Santos und ihr Umfeld in den vergangenen Jahren mehr als 400 Firmen in 41 Jurisdiktionen gegründet haben, fast 100 davon in Steueroasen wie Malta, Mauritius und Hongkong. Immer wieder seien diese in den Genuss von öffentlichen Aufträgen in Angola gekommen, hätten von Beratertätigkeiten und von Darlehen profitiert. „Dos Santos hat Angola wie seine persönliche Farm behandelt“, sagte der angolanische Menschenrechtsanwalt Salvadore de Freire dem Journalistenverbund ICIJ.

Isabel dos Santos wurde 1973 in Baku, der Hauptstadt von Aserbaidschan, geboren, wo sich ihre Eltern kennengelernt hatten. Als die portugiesische Kolonialherrschaft in Angola 1975 zusammenbrach und ihr Vater vier Jahre später vom Freiheitskämpfer zum Staatschef aufstieg, zog die Familie nach Luanda. Die Ehe scheiterte, der Bürgerkrieg begann, und Isabel dos Santos' Mutter zog mit der Tochter nach London. Dort ging das Mädchen zur Schule und studierte Elektrotechnik. Erst gegen Ende des Krieges kehrte dos Santos nach Angola zurück.

Dort gründete die Präsidententochter Unternehmen, die von ihrer Verwandtschaft zur Macht profitierten. So teilte die Regierung ihrem Telekomunternehmen die erste Mobilfunklizenz zu; Unitel ist heute der größte Mobilfunkanbieter des Landes. Dos Santos' Firmenimperium umfasst Beteiligungen an Banken und Einkaufszentren, in der Zement- und Diamantenbranche. Ihr gehört die Supermarktkette Candano. Auch in Portugal hat sie Beteiligungen.

2016 wurde sie zur Chefin des staatlichen Ölkonzerns Sonangol ernannt. Ihr Aufstieg nahm ein jähes Ende, als ihr Vater 2017 aus dem Amt schied. Nachfolger Lourenço, ein ehemaliger Weggefährte ihres Vaters, entließ dos Santos kurz nach der Amtsübergabe. Ermittler wurden auf dubiose Zahlungen aufmerksam. Noch am Tag ihrer Entlassung flossen rund 38 Millionen US-Dollar von Sonangol auf ein Bankkonto in Dubai.

Die angolanische Justiz schätzt die Summe, um die sich dos Santos an Staatskonzernen bereichert haben soll, auf mehr als eine Milliarde US-Dollar. Von den Ermittlungen soll auch ihr Ehemann, Sindika Dokolo, ein kongolesischer Geschäftsmann und Kunstsammler, sowie ein Geschäftspartner des Paares betroffen sein. Ihrem Halbbruder José Filomeno wird ebenfalls wegen Korruption der Prozess gemacht.

Isabel dos Santos, die zwischen ihren Residenzen in London, Lissabon und Johannesburg pendelt, weist alle Vorwürfe von sich und sieht sich als Opfer einer „politisch motivierten Hexenjagd“. Sie erwägt, bei der Präsidentenwahl 2022 ins Rennen zu gehen. In Angola aber hat sie sich seit 2018 nicht mehr blicken lassen. Der „Guardian“ zitiert sie mit den Worten: „Angola befindet sich heute in einer Situation der Unsicherheit. Das Verbrechen blüht, es gibt viele Überfälle, viele Morde. Es ist kein sicherer Ort.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2020)

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