Schnellauswahl
Handball-EM

Österreichs Handballer unterliegen Deutschland: Eine Frage der Qualität

Men's 2020 EHF European Handball Championship - Main Round - Group 1 - Austria v Germany
Österreich verliert gegen Deutschland 22:34REUTERS
  • Drucken
  • Kommentieren

Österreich schlitterte gegen Deutschland in eine empfindliche 22:34-Niederlage, die Gründe dafür sind mannigfaltig. Einer davon war Deutschlands Torhüter Johannes Bitter, der 54 Prozent der Würfe hielt.

Österreich hat das vorletzte Hauptrundenspiel der Handball-Europameisterschaft in Wien gegen Deutschland deutlich mit 22:34 (13:16) verloren. Es war nicht nur die Höhe der Niederlage, die besonders schmerzte. Mit einem Sieg hätten die ÖHB-Herren noch die historische Chance auf das Spiel um Platz fünf bei dieser EM gehabt, die nun nicht mehr intakt ist. Am Mittwoch wartet zum Abschluss Weißrussland (18.15 Uhr, live ORF 1).

Duelle zwischen Österreich und Deutschland wecken immer besondere Emotionen, auf dem Feld wie auch auf den Tribünen. Dementsprechend elektrisierend war die Stimmung in der mit 9000 Zuschauern sehr gut besuchten Stadthalle. Bereits vor exakt zwei Wochen waren sich beide Mannschaften an Ort und Stelle beim letzten EM-Test gegenübergestanden, Deutschland hatte den Vergleich mit 32:28 für sich entschieden. Diesmal war der Klassenunterschied ein sehr viel größerer.

Österreichs fehlende Kader-Breite

Dabei hatte die Begegnung aus österreichischer Sicht verheißungsvoll begonnen. Es war zunächst ein Spiel auf Augenhöhe mit Vorteilen für die Mannschaft von Aleš Pajovič. In der zwölften Minute führte die ÖHB-Auswahl mit 7:5, als sich just in dieser Phase technische Fehler ins Spiel der Gastgeber einschlichen. Leichtfertige Ballverluste ermöglichten Deutschland etliche Gegenstöße und einfache Tore, Zwei-Minuten-Strafen gegen Lukas Herburger, Nikola Bilyk und Sebastian Frimmel erschwerten die Aufgabe zusätzlich. Innerhalb von zehn Minuten wurde aus dem Zwei-Tore-Vorsprung ein Zwei-Tore-Rückstand.

Es waren Unkonzentriertheiten wie schon in den vorangegangenen Partien gegen die Weltklasse-Teams aus Kroatien und Spanien, die Österreich um den möglichen Lohn der harten Arbeit brachten. „Am Ende des Tages ist es auch fehlende Qualität“, sagte Kreisläufer Tobias Wagner selbstkritisch. Zudem machte sich im sechsten Spiel innerhalb von elf Tagen erstmals deutlich der außergewöhnliche Kräfteverschleiß bemerkbar. Damit einher geht die Tatsache, dass Österreichs Kader nicht über die Breite verfügt wie sie eben Kroatien, Spanien oder Deutschland besitzt. „Je länger das Turnier dauert, desto mehr fällt diese Tatsache ins Gewicht“, erklärte Pajovič. In Halbzeit zwei brach das ÖHB-Team ein. Wagner: „Dafür können wir uns nur entschuldigen.“

„Bilyk ist kein Roboter“

Österreichs bester Werfer an diesem Abend war abermals Nikola Bilyk, den Teamchef Pajovič allerdings schon in Halbzeit eins 9:17 Minuten zuschauen ließ. Ausgerechnet in jener Phase, in der Deutschland das Spiel an sich riss. Seine Personalentscheidung rechtfertigte Pajovič nach dem Spiel: „Niko ist kein Roboter, ich kann ihn nicht kaputt machen und jedes Mal 60 Minuten durchspielen lassen. Ich muss ihm Pausen geben.“

Deutschland konnte sich an diesem Abend auf ein treffsicheres Kollektiv (76 % Wurfquote gegenüber 48 Prozent bei Österreich) und einen herausragenden Torhüter verlassen. Johannes Bitter hielt 15 der 28 Würfe, das macht eine Quote von 54 (!) Prozent. „Bitter war ihr Schlüssel zum Erfolg“, meinte Pajovič. Die rot-weiß-rote EM-Entdeckung im Tor der Österreicher, Thomas Eicherger, hielt 22 Prozent der Würfe.

Österreichs Handballer verließen die Wiener Stadthalle am späten Montagabend mit hängenden Köpfen, im Spiel gegen Weißrussland am Mittwoch geht es aber immer noch um das historisch beste Ergebnis bei einer EM-Endrunde. Bei der letzten Heim-EM 2010 belegte man Rang neun.

("Die Presse", Printausgabe 21.01.2020)