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Alkoholverbot am Praterstern: Ludwig war Umfrage egal, geschönt oder nicht

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2018 wurde am Wiener Praterstern ein Alkoholverbot eingeführt. Hat sich das Sicherheitsermpfinden dadurch verbessert? Dazu gibt es unterschiedliche Zahlen.APA/HERBERT NEUBAUER
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Aus 51,1 Prozent Zustimmung wird 67,8: Die Stadt Wien wandte bei der Evaluierung des umstrittenen Alkoholverbots Zahlentricks an. Für Bürgermeister Ludwig waren die Ergebnisse unerheblich für seine Entscheidung zum Verbot.

Die Stadt Wien soll das Ergebnis einer Evaluierung zum Alkoholverbot am Praterstern geschönt haben: Am 2. Juli 2019 präsentierte die Stadt Presseunterlagen, die zeigen sollten, dass sich das Sicherheitsempfinden der Menschen im Wiener Bahnhofsareal seit der Einführung der Maßnahme im April 2018 verbessert habe. Die vollständige Evaluierung veröffentlichte die Stadt aber nicht, berichtet der „Standard“, dem das Dokument vorliegt. Es zeige: Die Umfrage wurde für die Presseunterlagen geschönt. Die SPÖ Wien rechtfertigt das Zahlenspiel - und Bürgermeister Ludwig hätte das Alkoholverbot ohnehin durchgesetzt.

Konkret wurde bei den Ergebnissen zur Frage, ob sich das Sicherheitsgefühl nach Einführung des Alkoholverbots gesteigert habe, die Berechnung manipuliert: Ursprünglich antworteten darauf von 2560 Befragten 51,1 Prozent, dass sich ihr Empfunden etwas oder sehr verbessert habe. 24,2 Prozent berichteten keine Verbesserung, 0,1 Prozent gar eine Verschlechterung - und 24,6 Prozent, also fast ein Viertel der Befragten, antworteten mit „Weiß nicht“.

Zahlenspiel: Die Unentschlossenen verschwinden

In den Presseunterlagen ließ man dieses unentschlossene Viertel einfach unter den Tisch fallen, die Werte der anderen Antworten wurden neu hochgerechnet. Damit präsentierte die Stadt neue Zahlen: Plötzlich hätten 67,8 Prozent der Befragten eine Verbesserung der Sicherheitsgefühls erlebt.

Dass die Antworten aller Unentschlossenen weggelassen wurden, wurde laut „Standard“ zwar an einer Stelle in Klammern angemerkt, nicht allerdings, dass sie fast ein Viertel des Ergebnisses ausmachten. Als Grundmenge für die Prozentwerte seien dennoch die ursprünglich befragten 2560 Personen angegeben worden. „Konkret schönt der Bericht den tatsächlichen Wert um 16,7 Prozentpunkte“, berichtet der Standard.

„Kernaussage hat sich nicht verändert"

In der Magistratsdirektion und im Büro des Sozialstadtrats Peter Hacker (SPÖ) rechtfertigte man das Zahlenspiel: "Es ging darum, die konkreten Meinungen als Handlungsanleitung zu nehmen, die Kernaussage der Umfrage hat sich nicht verändert“, wird Andrea Leitner, Pressesprecherin der Magistratsdirektion, im „Standard“ zitiert.

Das Alkoholverbot, eine Verordnung von Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), stieß bei seiner Einführung 2018 auch auf Kritik. Die Maßnahme sei eine „populistische Scheinlösung", hieß es etwa vom Wiener Koalitionspartner, den Grünen. Ludwig führte es dennoch ein, versprach aber, die Maßnahme nach einem Jahr zu evaluieren. Im Juli 2019 wurde dann - auf Basis der präsentierten Ergebnisse - verkündet: Das Alkoholverbot bleibt aufrecht.

Für Ludwig Umfrage egal

Ludwig - am Rande einer Pressekonferenz am Dienstag darauf angesprochen - konnte die Debatte nicht nachvollziehen. Die Sache sei "sehr transparent" ausgewiesen worden: "Das ist überhaupt kein Geheimnis gewesen." Dann ließ er aber aufhorchen - denn dem Stadtchef waren die Umfrageergebnisse offenbar egal: „Ich sage ganz offen: Selbst wenn keine Mehrheit dafür gewesen wäre bei der Befragung, wäre ich dafür gewesen, diese Maßnahme zu setzen“, sagte Ludwig.

Denn er habe in der Debatte zum Alkoholverbot wiederholt betont, "dass ich - wenn ich eine politische Entscheidung zu treffen habe - auf der Seite jener Frauen und Mädchen stehe, die sich belästigt gefühlt haben, und nicht auf der Seite der aggressiven Alkoholiker". Außerdem sei die betreffende Befragung nur ein Aspekt im Entscheidungsprozess gewesen. Man habe sich auch ein Meinungsbild von der Polizei, den Sicherheitsdiensten von ÖBB und Wiener Linien sowie von Sozialeinrichtungen eingeholt, betonte der Bürgermeister.

>>> Bericht im „Standard“.

(Red./APA)