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Skispringen

15-jähriger Wiener schreibt Skisprung-Geschichte

Louis Obersteiner
Louis Obersteiner bei einem seiner Siegersprünge.Wiener Stadtadler
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Louis Obersteiner, 15-jähriger Stadtadler aus Wien Donaustadt, ist beim Austria-Cup seit dem Wochenende uneinholbar in Führung.

Das gab es noch nie in der österreichischen Skisprung-Geschichte. Zum ersten Mal gewinnt ein Wiener die höchste nationale Wettkampfserie für Nachwuchs-Skispringer. Der 15-jährige Louis Obersteiner aus Wien Donaustadt ist seit dem Wochenende uneinholbar in Führung – und das, obwohl die Saison noch lang nicht vorbei ist. Obersteiner ist damit der erste Wiener Gesamtsieger des Austria Cups. Für seinen Skisprungklub, die Wiener Stadtadler, ist das der größte sportliche Erfolg in der knapp 15-jährigen Vereinsgeschichte.

Obersteiner holte sich in diesem Winter zum dritten Mal in Folge einen Doppelsieg im Austria Cup. Wenn man den Sommer dazurechnet, ist es sogar sein vierter Doppelsieg in Serie. Nach Villach auf Matten sowie im Winter Ramsau und noch einmal Villach auf Schnee holte sich Obersteiner in Saalfelden die nächsten zwei Siegerpokale.

Einziger Springer mit mehr als 90 Metern

Besonders sein zweiter Sprung im Sonntagsbewerb auf 97 Meter zeigt, in welch blendender Form er sich befindet. Gemeinsam mit seinem ersten Satz von 89,5 Metern flog er eindeutig auf Platz eins. Schon am Samstag lief es ähnlich gut: Mit 91 Metern war er hier der einzige in seiner Klasse, der die 90-Meter-Marke durchbrach – kombiniert mit den 86,5 Metern im zweiten Durchgang ergab das wieder eindeutig den Sieg.

„Es macht so richtig Spaß auf der Schanze, und ich kann derzeit meine Zeit in der Luft extrem genießen. Von mir aus darf das gern lang so weitergehen“, sagt Obersteiner. In der Austria-Cup-Gesamtwertung führt er nach acht von elf Bewerben mit 316 Punkten Vorsprung. Damit kann ihn in dieser Saison keiner mehr einholen, und er steht als Gesamtsieger des Austria Cups 2019/2020 in seiner Altersklasse lang vor Saisonende fest.

Größter Erfolg für Wiener Stadtadler

Für die Wiener Stadtadler, den einzigen aktiven Skisprungklub in Wien und Niederösterreich, bedeutet der Sieg den größten sportlichen Erfolg in der knapp 15-jährigen Vereinsgeschichte. „Wir hatten fünf Gesamtsiegerinnen und drei Gesamtsieger bei der Kindervierschanzentournee – also bei unseren Kleinsten. Und auch einige Einzelsiege im Austria Cup. Aber einen Gesamtsieger im Jugend-Austria-Cup, das ist schon eine andere Größenordnung. Wir alle im Verein ziehen den Skihelm vor unserem Louis“, sagt Stadtadler-Sportvorstand Bernhard Wadsak, der in seiner Zeit als Trainer selbst mit Obersteiner gearbeitet hat. Der Verein trainiert Kinder zwischen sechs und 14 Jahren – vor gut einem Jahr ist Obersteiner ans Skigymnasium Saalfelden gegangen und arbeitet seither dort an seiner Skispringerkarriere.

Keine Schanze in Wien und Niederösterreich

Dieser außergewöhnliche Erfolg eines Wieners ist auch deswegen beachtlich, weil weder Wien noch Niederösterreich eine eigene Skisprungschanze haben. Die Wiener Stadtadler kämpfen seit Jahren um eine Trainingsmöglichkeit in der Bundeshauptstadt oder im Wiener Umland. Derzeit fahren die Trainer mit den etwa 30 Kindern und Jugendlichen jedes Wochenende zu den nächstgelegenen Schanzen zum Beispiel in Mürzzuschlag oder Eisenerz in der Steiermark, Hinzenbach oder Höhnhart in Oberösterreich, nach Villach in Kärnten oder Planica in Slowenien.

Die Konditionstrainings absolvieren die jungen Skispringer wochentags in einer Turnhalle in Wien Leopoldstadt. Insgesamt ist der Verein mit seinen etwa 130 Mitgliedern auch ohne eigene Trainingsschanze einer der größten Skisprungklubs Österreichs.