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Krugman: "Weber als EZB-Chef Risiko für den Euro"

Paul Krugman
(c) AP (Heribert Proepper)
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Der renommierte US-Ökonom Paul Krugman attackiert den Chef der Deutschen Bundesbank. Er kritisiert Webers Befürwortung einer straffen Geldpolitik. Ein CDU-Politiker spricht von einer "billigen Anmache" Krugmans.

US-Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman hat eine heftige Diskussion in Deutschland um eine mögliche Benennung des Chefs der Deutschen Bundesbank, Axel Weber, als Nachfolger von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet losgebrochen. Der US-Ökonom griff Weber wegen dessen Befürwortung einer straffen Geldpolitik scharf an. SPD-Politiker unterstützten die Kritik, Abgeordnete aus Union und FDP sowie zahlreiche Wirtschaftsvertreter stellten sich indes hinter den Bundesbank-Chef.

"Weber ist Risiko für Schicksal des Euros"

Krugman erklärte in einem am Montag veröffentlichten Interview des "Handelsblatt", eine Wahl Webers brächte ein beträchtliches Risiko für die Euro-Zone mit sich: "Weber ist ein Risiko für das Schicksal des Euros. Die Gefahr, dass es zu einem Dominoeffekt von Griechenland über Spanien und Portugal bis nach Italien kommt, ist viel größer, wenn die EZB einen so konservativen Präsidenten hat. Das wäre ein Desaster für alle".

"Wenn man jemanden sucht, der auf eine Inflation von null Prozent zielt, während die Arbeitslosigkeit auf 13 Prozent steigt, dann ist Weber sicher der richtige Mann", kritisierte Krugman. Der Wissenschaftler und Autor warnte zugleich vor einem Rückfall in die Rezession. Die Welt brauche nicht weniger, sondern mehr schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme. "Die Deutschen und Franzosen hassen es, auch nur kurzfristig Defizite hinzunehmen, sie hassen eine lockere Geldpolitik, klammern sich an jeden Vorwand, um dagegen zu sein", sagte Krugman.

Vorwurf: "Billige Anmache" Krugmans

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, bezeichnete Krugmans Worte als "billige Anmache", die wenig überzeugen könne. "Axel Weber war einer der wichtigsten Akteure bei der Bewältigung der Finanzkrise, er wäre als EZB-Präsident ein glaubwürdiger Garant für einen stabilen Euro", sagte Zimmermann dem "Handelsblatt Online".

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, reagierte mit Unverständnis auf Krugmans Kritik. Weber repräsentiere eine Stabilitätskultur, die der Euroraum mehr denn brauche. "Ich verstehe nicht, dass das ein Nobelpreisträger in Frage stellen kann".

Schützenhilfe für Bundesbank-Chef Weber

Unterstützung für Weber kam auch aus den Reihen von Union und FDP. CDU-Finanzexperte Leo Dautzenberg sagte mit Blick auf Krugmans Kritik, Vorschläge seien zwar immer willkommen, "ob sie aber stets inhaltlich sinnvoll sind, lässt sich bezweifeln". Krugman sei von einem amerikanischen Konsumdenken geprägt, "uns muss es aber zunächst um eine dauerhafte Stabilisierung unseres Haushalts gehen", erklärte Dautzenberg.

Auch FDP-Finanzexperte Frank Schäffler machte sich für Weber stark. Der Bundesbank-Chef habe sich "dem Irrsinn der Monetarisierung von Staatsschulden durch die EZB immer widersetzt". Weber könne der EZB das Vertrauen an den Märkten zurückgeben, das Trichet "so unendlich zerstört hat", sagte Schäffler.

"Ich teile Krugmans Kritik"

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Carsten Sieling begrüßte Krugmans Worte hingegen. "Ich teile Paul Krugmans Kritik an den ständigen Zwischenrufen von Bundesbankpräsident Weber", sagte der Vize-Chef der Parlamentarischen Linken der SPD. Es sei gut, dass die EZB die Stabilität der Länder und des Euro so aktiv begleite. Darüber hinaus bestehe derzeit eher die Gefahr eine Deflation denn einer Inflation. "Deshalb sei eine "expansivere Geldpolitik des Staates auch kein Teufelszeug", ergänzte der SPD-Politiker.

Krugman wurde 2008 für seine Theorien über Außenhandel und Wirtschaftsgeographie mit dem Nobelpreis für Wirtschaft ausgezeichnet. Er gilt als scharfer Kritiker des ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush.

(APA/Red.)