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Think Austria: Was Kurz' Vordenker liefern wollen

Dr. Antonella Mei-Pochtler
Antonella Mei-Pochtler (Archivbild)Die Presse/Katharina Roßboth
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Seit einer Woche ist die Denkfabrik des Bundeskanzlers unter der Leitung von Antonella Mei-Pochtler wieder im Amt. Der Fokus unter Türkis-Grün ist ein anderer: Es geht nun auch um die „ökosoziale Transformation“.

Wien. Vor einer Woche hat Think Austria, die Denkfabrik von Sebastian Kurz, ihre Arbeit wieder aufgenommen – nachdem Brigitte Bierlein zwischenzeitlich auf ihre Dienste verzichtet hatte. Verärgert oder gar gekränkt sei sie deshalb nicht gewesen, versichert die Unternehmensberaterin Antonella Mei-Pochtler, die Think Austria wieder leiten wird, am Dienstag vor Journalisten. „Auch wenn das in den Medien teils missverständlich dargestellt wurde.“ Von einer Regierung, die angetreten war, um zu verwalten, sei nichts anderes zu erwarten gewesen. Und nun, unter dem Kabinett Kurz II, sei man gewissermaßen „aus dem Sommer- und Herbstschlaf erwacht“.

Der Fokus unter Türkis-Grün ist ein wenig anders als unter Türkis-Blau. Die Denkfabrik des Kanzlers wird sich zwar weiterhin mit den Folgen der geopolitischen Verschiebungen in Richtung Asien/China beschäftigen, aber auch mit der „ökosozialen Transformation“ zu einer „postfossilen Welt“, wie Mei-Pochtler das formuliert. Was das konkret bedeutet? Man werde sich ansehen, welche Maßnahmen andere Staaten gesetzt haben. Etwa die Wasserstoffstrategie in Japan. Daneben versteht sich Think Austria als „Zukunftsradar“, das auch Themen abseits des Mainstreams auf dem Schirm hat: künstliche Intelligenz etwa. Oder politische Partizipationsprozesse.

Unterstützt wird Mei-Pochtler, die ihren Job weiter ehrenamtlich macht, von vier Mitarbeitern und einem Expertenbeirat. Dazu gehörten in der ersten Periode unter anderem Ex-UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler, Wirecard-Chef Markus Braun, Runtastic-Gründer Florian Gschwandtner, der Molekularbiologe Josef Penninger und die Direktorin des Jüdischen Museums in Wien, Danielle Spera. Das Team soll im Wesentlichen erhalten bleiben. „Aber wir werden sicher Neue dazunehmen“, sagt Mei-Pochtler. Namen nennt sie vorerst keine. Man versuche, „die Besten der Besten aus allen Bereichen“ einzubinden, um das Urteilsvermögen zu schärfen.

„Think Austria versteht sich als Zukunftsradar. Wir sind die Vorhut.“

Antonella Mei-Pochtler, Unternehmensberaterin und Leiterin von „Think Austria“

Denn Think Austria versteht sich als Vernetzungsplattform zwischen Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Zwischen 2018 und Juni 2019 wurden weltweit Kontakte mit 50 Organisationen geknüpft. Man hat zwei Masterpläne entworfen, einen für Digitalisierung in der Bildung, einen zweiten für Forschung und Technologie. Und man hat darauf geachtet, dass sich Österreich in internationalen Rankings (wie dem „Ease of Doing Business Index“ der Weltbank) verbessert, die für Investment-Entscheidungen und die Standortwahl großer Unternehmen relevant sind.

Im Grunde ist die Arbeit aber langfristig angelegt. Gesetze, die von Think Austria beeinflusst wurden, seien eher erst am Ende der Legislaturperiode zu erwarten, sagt Mei-Pochtler. „Wir sind die Vorhut.“ Die dem Kanzler offenbar einiges wert ist: Laut einer parlamentarischen Anfragebeantwortung fielen 2018 Personalkosten von 247.000 Euro für die Denkfabrik an. Hinzu kamen – bis März 2019 – 21.530 Euro für Mei-Pochtlers 19 Dienstreisen, die sie viermal nach China, zweimal in die USA und quer durch Europa führten.

„Budget unterschritten“

Dabei habe Think Austria das Budget „erheblich unterschritten“, versichert Mei-Pochtler „Wir wollten im zweiten Halbjahr 2019 einige Studien machen. Aber das ist sich nicht mehr ausgegangen.“ Brigitte Bierlein war ihr dazwischengekommen. Unter Sebastian Kurz soll das nun nachgeholt werden.[Q4VPA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2020)