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Das Coronavirus beutelt die Märkte

Auch in Malaysia werden Fluggäste mit Thermalscannern gescreent.
Auch in Malaysia werden Fluggäste mit Thermalscannern gescreent.(c) APA/AFP/MOHD RASFAN (MOHD RASFAN)
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Die Angst vor dem Coronavirus hat die Börsen erfasst. Dies umso mehr, als das Neujahrsfest in China eine Pandemie befürchten lässt. Luxus- und Luftfahrtfirmen könnten betroffen sein.

Frankfurt/Wien. Aus Furcht vor einer raschen Ausbreitung des Coronavirus aus China und daraus resultierenden Auswirkungen auf die Weltwirtschaft fassen Anleger Aktien nun nur mit spitzen Fingern an. Nicht nur in China selbst gaben die Börsen gestern deutlich nach, auch in Europa und den USA verlief der Handel deutlich schwächer.

Bei Anlegern gehe das Schreckgespenst einer zweiten Sars-Pandemie um, sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Diese habe das Wirtschaftswachstum Chinas damals um einen Prozentpunkt verlangsamt. 2002/2003 fielen Sars, dessen Erreger dem Coronavirus ähnelt und der ebenfalls in China erstmals nachgewiesen wurde, mehrere Hundert Menschen zum Opfer.

 

Neujahrsfest macht Sorgen

„Der aktuelle Ausbruch kommt zu einer Zeit, da Dutzende Millionen Chinesen anlässlich des dortigen Neujahrsfests durch das Land reisen“, schrieben die Analysten der Rabobank. „Die ultimative Angst ist, dass sich das mit der enormen Reisetätigkeit der Menschen während der Urlaubszeit ausbreiten könnte“, sagte Alex Wong, Direktor beim Finanzdienstleister Ample Finance. Die Behörden haben inzwischen bestätigt, dass das Virus auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Adam Vettese vom Online-Broker eToro zufolge befürchteten Investoren Reise- und Importbeschränkungen, um die Ausbreitung dieses Virus einzudämmen. „Das hat natürlich Auswirkungen auf die Wirtschaft.“

 

Luftfahrt und Luxusgüter

Die Börse Shanghai schloss gestern auf dem niedrigsten Stand des Jahres. Die chinesische Währung geriet ebenfalls unter Druck. Im Gegenzug verteuerte sich der Dollar um 0,5 Prozent auf 6,904 Yuan.

Vor diesem Hintergrund gaben vor allem die US-Aktien chinesischer Firmen nach. Die Titel des Amazon-Rivalen Alibaba fielen vorbörslich um über drei Prozent. Die Aktie des Kurznachrichten-Dienstes Weibo sackte um über 7,5 Prozent ab. Und die Papiere des Online-Reisebüros Trip.com brachen sogar um zwölf Prozent ein.

In China selbst wiederum gaben neben den Papieren von Fluggesellschaften auch die Titel von Kinos oder Casinobetreibern nach. Pharmawerte waren dagegen gefragt.

Die Furcht der Investoren ging aber weit über China hinaus. Vor allem Besitzer von Luftfahrt-Papieren wurden von ihr erfasst. So verloren Lufthansa, Air France-KLM sowie die British-Airways-Mutter IAG jeweils etwa drei Prozent an Wert. Demgegenüber gewannen die Aktien von Easyjet um über fünf Prozent. Der Billigflieger legte Geschäftszahlen über Markterwartungen vor. „EasyJet ist offenbar der Hauptprofiteur des Zusammenbruchs von Thomas Cook“, sagte Markets.com-Experte Wilson.

Opfer der Virusangst waren gestern auch Luxusgüterhersteller. Aktien wie die von LVMH, Kering, Burberry, Swatch oder Richemont verbilligten sich um bis zu 3,3 Prozent. Der Marktwert des gesamten Sektors sank um 15 Milliarden Dollar. China ist ein wichtiger Absatzmarkt für diese Firmen. Bei chinesischen Touristen sind Gucci-Kleidung, Champagner oder teure Uhren sehr begehrt.

 

Auswirkungen bei Rohstoffen

Auf dem Rohstoffmarkt spekulierten Investoren ebenfalls auf eine schwächere China-Nachfrage. Das Industriemetall Kupfer, dessen weltweit wichtigster Abnehmer die Volksrepublik ist, verbilligte sich um 1,2 Prozent auf 6185,50 Dollar je Tonne. Der Preis für die Ölsorte Brent fiel um 1,6 Prozent auf 64,15 Dollar je Barrel (159 Liter). (ag./est)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.01.2020)