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Geschichte der Krankenpflege

Am Anfang war der Pflegekräftemangel

(c) Marin Goleminov, Presse
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Die Geburtsstunde der modernen Krankenpflege war im England des 19. Jahrhunderts. Österreich beeinflusste das kaum. Hier sollte die Pflege lang ein Beruf ohne Ausbildung bleiben – und eigenwillige Pfade durchlaufen. (Von Evangelista Sie)

Es ist das Jahr 1854. In Österreich und England grassieren Krankheiten. Ausgebildete Pflegekräfte sind Mangelware. Aus London brechen zwei sehr unterschiedliche Frauen in den Krimkrieg auf – und prägen die Versorgung der Soldaten. Die eine ist die Engländerin Florence Nightingale, Wegbereiterin der modernen Krankenpflege. Die andere ist Nightingales Zeitgenossin Mary Seacole, eine jamaikanische Krankenpflegerin und Heldin des Krimkrieges.

Florence Nightingale: Pionierin der Krankenpflege und Statistikerin

Der Krimkrieg zwischen den Alliierten England, Frankreich, Sardinien und Osmanisches Reich gegen Russland tobt. In der britischen Tageszeitung „The Times“ schreiben die Kriegskorrespondenten William Howard Russell und Thomas William Chenery 1854 über die schlechte Versorgung der britischen Soldaten im Krieg. Daraufhin beauftragt der Staatssekretär im britischen Kriegsministerium, Sidney Herbert, die Krankenpflegerin Florence Nightingale, mit einer Gruppe von 38 Pflegerinnen in Scutari (heute Üsküdar bei Istanbul) die Versorgung der Soldaten aufzunehmen.

Florence Nightingale
Florence NightingaleBildarchiv Austria

Die Zustände im Barrack Hospital in Scutari sind katastrophal, die Böden und Kleidungen der Erkrankten verdreckt. Die meisten Soldaten sterben an Infektionskrankheiten, nicht im Kampf. Nightingale unterweist als Generaloberin ihre Gruppe in die Pflege und organisiert Kleidung, Betten, Zinnwannen zum Waschen der Erkrankten, Sanitätsmittel sowie Nahrung. Nachts besucht sie mit einer Lampe die Kranken, die sie fortan „the lady with the lamp“ („die Dame mit der Lampe“) nennen. Die Berichterstattungen von Nightingales Wirken an der Front erreichen England, bevor Nightingale nach dem Krimkrieg nach London zurückkehrt. Bei ihrer Rückkehr ist Florence Nightingale eine Nationalheldin geworden.

Seit dem Krimkrieg war Nightingale chronisch erkrankt. Dennoch nutzte sie ihre Erfahrungen aus dem Krieg, um das Krankenhauswesen und die Krankenpflege zu verbessern: Dazu gründete sie die Florence-Nightingale-Stiftung, die 1860 am St. Thomas’ Hospital in England die Krankenpflegeschule Nightingale School of Nursing einrichtete, und legte Standards für die Krankenpflegeausbildung fest. Nightingales Bekanntheit hatte das Ansehen der Krankenpflege verbessert. Auch höher gestellte Frauen besuchten die Krankenpflegeschule und trugen das moderne Wissen über Krankenpflege, teilweise als Leiterinnen, in andere Krankenhäuser in England.

Nightingale beschrieb und analysierte in einem über 800 Seiten starken Erfahrungsbericht für das Kriegsministerium die Zustände in Scutari, veranschaulichte die Daten mit dem von ihr erfundenen Polar-Area-Diagramm, einem Kreisdiagramm zur Darstellung von Phänomenen, und gab Empfehlungen zur Hygiene, zur Einrichtung zentraler Militärkrankenhäuser, der Ausbildung der Militärärzte und weiteren Verbesserung der Bedingungen der britischen Soldaten ab. Schließlich regte Nightingale als Beraterin des britischen Gesundheitswesens Reformen an, inspirierte den Humanisten Henri Dunant zur Gründung des Roten Kreuzes und verfasste über 200 Bücher.

Am 13. August 1910 verstarb Nightingale 90-jährig in London. Der internationale Tag der Krankenpflege an Nightingales Geburtstag am 12. Mai erinnert an ihr Wirken.

Florence Nightingales Werden

Florence Nightingale wurde am 12. Mai 1820 auf einer Europareise ihrer Familie in Florenz geboren. Ihr Vater William Edward Nightingale war ein wohlhabender Grundbesitzer und ihre Mutter Fanny hatte mütterlicherseits einen Politiker als Großvater. Nightingale begleitete schon als Kind ihre Mutter bei Krankenbesuchen in den Dörfern bei Lea Hurst, Derbyshire. Als Kind aus der gehobenen Gesellschaftsschicht genoss Nightingale eine hohe Bildung und vertiefte sich in Mathematik. Sie reiste mit ihren Eltern und Freunden ihrer Eltern nach Europa, wo sie Krankenhäuser in Paris und an anderen Orten besuchte, und traf Persönlichkeiten aus den höchsten gesellschaftlichen Kreisen Englands wie Sidney Herbert, der ein guter Freund von Nightingale werden sollte.

Dementsprechend reagierten Nightingales Eltern auf ihren Wunsch, Krankenpflegerin zu werden, mit Widerstand.

Denn Krankenpflege war im viktorianischen England ein Beruf mit dem ehemalige Dienstboten, Witwen und anderen Menschen aus der gesellschaftlichen Unterschicht ihr Einkommen bestritten. Den Bedenken ihrer Eltern zum Trotz konnte Nightingale 1851 in Kaiserswerth bei Düsseldorf die Diakonissenanstalt, eine Bildungsanstalt für evangelische Pflegerinnen, des Pastors Theodor Fliedner besuchen und dort in einem dreimonatigen Aufenthalt das Versorgen von Wunden, Herstellen von Medikamenten, assistieren bei Operationen erlernen. In Paris erlernte Nightingale weitere Pflegemethoden. Nach ihrer Rückkehr in England leitete Nightingale ein Pflegeheim für Gouvernanten und versorgte danach Cholerakranke im Middlesex-Hospital bis zu ihrer Abreise ins Kriegsgebiet in die Krim.

 

Mary Seacole: Krankenpflegerin und Unternehmerin

Weit weniger in Erinnerung als Nightingale blieb Mary Seacole. Über die Gründe dafür streiten der Zusammenschluss der Vertreter Nightingales, The Nightingale Society, mit Biografen und Forschern Seacoles bis heute: Gab Seacole den Soldaten im Krimkrieg nur Tee und Trost, ohne einen nennenswerten Beitrag zur Krankenpflege zu leisten? Oder vergaß die Nachwelt Seacole, weil sie als ältere jamaikanische Krankenpflegerin mit traditioneller Medizin im Gepäck nicht in die Geschichte der Krankenpflege des viktorianischen Englands passte?

Mary Seacole
Mary Seacole(c) imago/i Images

Mary Seacole wurde am 23. November 1805 in Kingston, Jamaika, als Tochter des schottischen Soldaten James Grant und einer jamaikanischen Pensionsbesitzerin in die Mittelschicht geboren. Ihre Mutter behandelte in der Pension Blundell Hall invalide Soldaten mit traditioneller jamaikanischer Medizin und war in Kingston als „Ärztin“ bekannt. Von ihrer Mutter erwarb Seacole ihr Wissen über Krankenpflege, Hygiene und pflanzliche Heilmittel. Seacole reiste nach England, Kuba und Haiti und pflegte später mit ihrer Mutter Kranke in Blundell Hall, bis die Pension 1843 im Feuer von Kingston zerstört wurde.

Seacole baute die Pension wieder auf und setzte ihre Krankenpflege-Arbeit auch nach dem Tod ihrer Mutter fort. Sie versorgte Kranke während der Cholera-Epidemie 1850. Der Cholera-Epidemie begegnete Seacole abermals 1851 beim Besuch ihres Bruders in Panama. Wieder versorgte Seacole Cholerakranke: die Wohlhabenden gegen Entgelt, die Armen kostenlos. Mit den Einnahmen eröffnete Seacole in Panama eine Pension an der Goldgräber-Route Las Cruces und stieg später in das Goldabbau-Unternehmen New Granada Mining Gold Company ein.

1854 reiste Seacole erneut nach England, der Nightingale Society zufolge, um sich um ihre Goldbestände zu kümmern. In London erfuhr Seacole von dem Bedarf an Pflegekräften im Krimkrieg. So meldete sie sich persönlich beim Kriegsministerium als Pflegerin. Doch Seacole kam nicht bis zum Staatssekretär des Kriegsministeriums, Sidney Herbert. Das Ministerium wies sie ab, die Organisation von Nightingale ebenso.

Darauf fuhr Seacole auf eigene Kosten als Krankenpflegerin nach Balaklawa auf die Krim. Auf dem Weg dorthin übernachtete sie in Scutari im Barrack Hospital, wo sie Nightingale begegnete. In Balaklawa angekommen, errichtete Seacole in der Nähe des Militärcamps bei Kadikoi die Pension The British Hotel. Dort bot sie den Soldaten im Restaurant und im Laden Champagner, Schmorgerichte, Luxuswaren wie auch Sachen für den Alltag – und behandelte die Kranken. Weitere Soldaten versorgte Seacole nach den Kämpfen auf dem Schlachtfeld in Tschernaya und in der Kriegszone Sevastopol. Unter ihnen wurde sie als „Mother Seacole“ bekannt.

Schlacht bei Balaklawa
Schlacht bei Balaklawa(c) Bildarchiv Austria

Nach dem Krieg besuchte Seacole als Hauptehrengast das Festessen für 2000 Soldaten in der Music Hall in den Royal Surrey Gardens in London und schrieb eine Autobiografie. Sie starb am 14. Mai 1881.

Mary Seacoles Schulden nach dem Krimkrieg

Nach Ende des Krimkriegs konnte Seacole die Güter in ihrem „British Hotel“ nicht gewinnbringend verkaufen. So kehrte Seacole im August 1856 nicht nur krank, sondern auch mit Schulden nach London zurück.

Das Gesetzesblatt von der britischen Regierung, „London Gazette“, veröffentlichte am 28. Oktober 1856 Seacoles Insolvenzmeldung. Darauf erschien am 24. November 1856 ein anonymer Brief in der Tagezeitung „The Times“, der auf Seacoles Not hinwies: „Sind die bescheidenen Tagen von Frau Seacole gänzlich vergessen und wird nun niemand wesentlich den Wert der Dienste der späteren Herrin des Spring-Hills bezeugen, während die großzügigen von Florence Nightingale der Nachwelt mit Segen und unvergänglichem Ruhm überliefert werden?“. Dem Brief waren 20 Pfund zur Gründung eines Fonds für Seacole beigelegt, schreibt die Autorin Jane Robinson in dem Buch „Mary Seacole“.

In den Folgetagen erschienen weitere Briefe und Spendenaufrufe für Seacole in der Presse. Der Feldherr im Krimkrieg und späterer General in der britischen Armee, Henry Robinson-Montague (Lord Rokeby), der Offizier Hussey Fane Keane und andere Persönlichkeiten des Militärs und öffentlichen Lebens unterstützten die Spendenaktion. Die Spendengelder ermöglichen Seacole ihre Schulden zurückzuzahlen. Anfang 1857 war Seacole von der Insolvenz befreit.

 

Berufliche Krankenpflege in Österreich

In Österreich sperrte erst 1913 die erste öffentliche Krankenpflegeschule auf, und zwar im Allgemeinen Krankenhaus in Wien (AKH). Der Weg bis zu diesem Moment reicht fast 130 Jahre zurück.

Die Wärterinnen und Wärter des 19. Jahrhunderts

Im Jahr 1784 gründete Kaiser Joseph II. das Allgemeine Krankenhaus in Wien (AKH) und setzte damit erste Schritte in die Richtung der beruflichen Krankenpflege in Österreich. Bis dahin erhielten Kranke vor allem in Pilgerunterkünften von geistlichen Orden, den späteren Hospitälern, zusammen mit Obdachlosen, Invaliden und anderen Bedürftigen Versorgung. Mit dem 2000 Betten umfassenden AKH gab es erstmals eine Anstalt, die sich nur Kranken widmete.

AKH um 1900
AKH um 1900(c) Bildarchiv Austria

Zur Krankenversorgung stellte das AKH Wärterinnen und Wärter gegen Entlohnung ein. 214 Wärterinnen und 24 Wärter arbeiteten 1853/54 im AKH, schreibt die Pflegewissenschaftlerin Ilsemarie Walter 2004 in ihrem Buch „Pflege als Beruf oder aus Nächstenliebe?“. Die Wärter lüfteten und beheizten die Krankenzimmer, gaben Patienten Mahlzeiten ein, holten Arzneien aus der Apotheke und verrichteten Reinigungsarbeiten. Für diese Aufgaben erhielten Wärterinnen rund 120 bis 170 Gulden im Jahr, Wärter bekamen rund 370 bis 510 Gulden. Obwohl Mittagessen und ein Schlafplatz zu diesem Lohn dazukamen, sei der Wärterlohn deutlich unter den Verbrauchsausgaben eines ledigen Arbeiters 1869 mit rund 370 bis 510 Gulden jährlich gewesen, erklärt Walter. Dazu war die Arbeit gesundheitsgefährdend mit einem hohen Risiko, sich mit „Cholera, Typhus oder Fleckfieber – oder auch mit Tuberkulose anzustecken“, schreibt Walter. Angesichts des niedrigen Lohns und der schlechten Arbeitsbedingungen war ein Personalmangel programmiert.

Nachdem Frauen weniger Arbeitsmöglichkeiten als Männer hatten und, gemäß Walter, die Weiblichkeitsideologie von einer „besonderen Eignung der Frau“ als Pflegerin ausging, dominierten auch in den Folgejahren Frauen den Pflegebereich. Der Pflegeberuf wurde ein Frauenberuf.

Arbeitslos in der Zwischenkriegszeit

In den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg erfasste eine Welle der Arbeitslosigkeit das ehemalige Österreich-Ungarn. Und mit der Weltwirtschaftskriese 1929 stieg die Zahl der sogenannten Ausgesteuerten in Österreich, die keine Arbeitslosenunterstützung erhielten, von rund 220.000 Menschen im Jahr 1925 auf rund 600.000 Menschen im Jahr 1933, hält Professor und Autor Walter Kleindel 1978 in seinem Buch „Österreich: Daten zur Geschichte und Kultur“ fest. Davon waren über 180.000 Menschen in Wien betroffen.

Arbeitslose im Arbeitsamt
Arbeitslose im Arbeitsamt(c) Bildarchiv Austria

„Die hohe Arbeitslosigkeit dieser Zeit erfasste auch die Krankenpflege und erreichte 1933/34 einen Höhepunkt, der Streichungen von Taschengeld und Schulschließungen zur Folge hatte“, schreibt der Fachhochschul-Lektor der Krankenpflegeschule in St. Pölten Gerhard Fürstler 2013 im Buch „Berufsethik, Berufsgeschichte und Berufskunde für Pflegeberufe“. Der seit 1930 anhaltende Massenabbau des Pflegepersonals verstärkte sich. So vermutet der Historiker Felix Czeike in einem Bericht in der Datenbank Wien-Geschichte-Wiki bezüglich Wien: „Die Arbeitslosigkeit darf als einer der Gründe für die politische Radikalisierung weiter Bevölkerungsschichten gelten.“

Krankenmorde im Nationalsozialismus

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich wurden angesichts des Zweiten Weltkriegs und aufgrund des Personalmangels Krankenpflegeschulen gegründet und Nachschullehrgänge eingerichtet, „die sehr viel dürftig ausgebildetes Personal in die Krankenpflege einschleusten“, schreibt Fürstler. Die Absolventinnen dieser Ausbildungen wurden in Kranken-, Heil- und Pflegeanstalten eingestellt sowie in der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) und in anderen Organisationen der NSDAP. Zahlreiche dort eingesetzte Pflegekräfte waren teils indirekt, teils direkt an der Tötung von KZ-Häftlingen beteiligt, indem sie zum Beispiel Ärzten dabei assistierten, Patienten mit Tabletten, Injektionen oder Starkstrom zu ermorden.

Andere Pflegekräfte füllten Meldebögen mit Informationen der Patienten beispielsweise darüber aus, ob diese „deutsch oder artsverwandten Blutes“ waren. Die Meldebögen sandte das Personal nach Berlin. Dort entschieden Gutachter der NS-Euthanasieaktion T4, welche Patienten leben und welche sterben sollten. Die Personen, die getötet werden sollten, verlegte die Anstalt in die Tötungsanstalten Grafeneck, Brandenburg, Hadamar, Bernburg, Sonnenstein Pirna oder Schloss Hartheim. Dort wurden die Patienten in Gaskammern mit Kohlenmonoxid erstickt. Insgesamt wurden mehr als 70.000 Menschen im Rahmen der Aktion T4 getötet.

„T4“

T4 war eine Euthanasieaktion mit Sitz in Berlin in der Tiergartenstraße 4. Sie basierte auf ein Schreiben von Adolf Hitler vom 1. September 1939, wonach „nach menschlichem Ermessen bei unheilbar Kranken […] der Gnadentod gewährt werden kann“.

Ziel der T4 Aktion waren laut FH-Lektor der Krankenpflegeschule in St. Pölten, Gerhard Fürstler, die Umsetzung der Rassenpolitik sowie die Eliminierung von geistig oder körperlich behinderten Menschen als Kostenfaktor. Diese Menschen wurden in Tötungsanstalten transportiert und ermordet.

Die „Todesengel von Lainz“

1989 wurde der Fall der „Todesengel von Lainz“, der größte Mordfall Österreichs seit Ende des Zweiten Weltkrieges, bekannt. Vier Krankenschwestern, Irene Leidolf, Stefanija Meyer, Maria Gruber und Waltraud Wagner, gestanden am 7. April 1989 gegenüber der Wiener Polizei, „allein oder zusammen mehrere alte Menschen im Krankenhaus Lainz mit Schlafmitteln getötet, ihnen Wasser in die Atemwege geleitet und Nichtdiabetikern das Anti-Zucker-Hormon Insulin in tödlichen Dosen verabreicht zu haben“, schrieb das Nachrichtenportal Spiegel Online im Jahr 2014. Ähnlich wie die T4-Gutachter der NS-Zeit entschieden sie zwischen „guten“ Patienten, die leben sollten, und „schlechten“, „mühsamen“ Patienten, die sterben sollten.

Stefanija M., Maria G., Irene L., Waltraud W.
Stefanija M., Maria G., Irene L., Waltraud W.(c) APA, Robert Jäger

Die Krankenschwestern waren Spiegel Online zufolge zum Teil Stationsgehilfinnen gewesen, die dann Hauptdienste und Arbeiten verrichten sollten, für die sie nicht ausgebildet waren. Heute leben alle vier Frauen wieder in Freiheit, an neuen Wohnorten und unter neuen Namen.

Krankenpflege im Österreich der Gegenwart

2019 sei die Stadt Wien wieder vor dem Problem eines Personalmangels gestanden, sagte der Gesundheitsstadtrat, Peter Hacker, im Oktober 2019 dem ORF. Unter Berücksichtigung der Menschen, die in den kommenden Jahren in Pension gehen werden, und im Hinblick auf die länger werdende Lebenserwartung der Bevölkerung und den dadurch steigenden Pflegebedarf der Menschen müssten 2030 über 9000 Pflegekräfte in der Langzeitpflege angestellt werden, um diesen Bedarf zu decken. Österreichweit werden 2030 rund 24.000 Betreuungs- und Pflegepersonen mehr als im Jahr 2016 benötigt, heißt es in einem Bericht des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung im März 2019.

Wie die Geschichte der Krankenpflege zeigt, ist der Pflegekraftmangel nicht nur ein periodisch auftretendes Ereignis in der Geschichte der österreichischen Krankenpflege. Vielmehr ist der Pflegemangel ein Wesensmerkmal, das seit Beginn der beruflichen Krankenpflege in Österreich – gemeinsam mit der historischen und politischen Entwicklung – die Geschichte der österreichischen Krankenpflege essenziell prägte. Anders gesagt: Die Geschichte der beruflichen Krankenpflege ist seit jeher auch eine Geschichte des Pflegekräftemangels in Österreich – und auch in anderen Ländern wie England.