Der Machtfaktor der „Krone“

Das Verhältnis zwischen der Familie Dichand und der WAZ erinnert an manches Ehepaar...

Man hält es miteinander nicht aus, streitet um Macht und Einfluss – eine Trennung kommt aber aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage. Jeder der Partner hält genau die Hälfte an der „Kronen Zeitung“ – die mit über 2,8 Millionen Lesern den heimischen Markt in einer Intensität beherrscht, die international ihresgleichen sucht. Und wenn das Blatt auch mit dem Tod Hans Dichands seinen einflussreichen Herausgeber verloren hat – die Politik wird vor so viel Marktmacht weiter in die Knie gehen. Und sei's nur vorsichtshalber.

Wer wird also in der „Krone“ die Krone aufhaben? Es ist nicht zu erwarten, dass eine der beiden Seiten ihre Anteile verkauft. Sowohl die WAZ als auch die Dichands wollen nicht verkaufen. Ein Patt, das den Streit der Eigentümer prolongieren wird. Etwa, wenn es um Personalentscheidungen geht. Dem noch vom Vater als Chefredakteur installierten Christoph Dichand werden Ambitionen auf die Herausgeberschaft nachgesagt. Die WAZ will einen geschäftsführenden Chefredakteur bestellen.


Die Gerüchtebörse handelt Ex-„Krone“-Mann Hans Mahr als Chefredakteur. Auch Stellvertreter Georg Wailand soll Chancen haben. Eva Dichand, die mit „Heute“ eine erfolgreiche Gratiszeitung aus dem zuvor als gesättigt angesehenen Wiener Markt stampfte, könnte der Mediaprint (an der „Krone“ und „Kurier“ je die Hälfte halten) gut tun. Dort wird auch News-Boss Oliver Voigt als Kandidat gehandelt.

Zu tun gibt's genug im Klub der alten Kolumnisten. Die „Krone“ krankt an einer überalterten Leserschaft. Hans Dichand wird keiner ersetzen können, auch wenn sein Gespür für den Willen des Volkes zuletzt unter seinem Altersstarrsinn gelitten hat. Die Verflechtung der „Krone“ mit der Mediaprint bringt vor allem dem „Kurier“ Vorteile. Der Jahresgewinn der „Krone“ fiel zuletzt mit 13 Millionen Euro für ein so dominierendes Blatt eher enttäuschend aus. Es geht aber nicht nur um finanzielle Fragen. Denn auch ohne Übervater Hans Dichand wird die „Krone“ ein Machtfaktor bleiben. Mächtiger, als sie es eigentlich verdient hätte. Aber das war ja schon immer so.


isabella.wallnoefer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2010)

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