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Hongkong

Pfefferspray gegen Journalisten? „Das ist normal geworden“

An dem friedlichen Protest am 16. Juni 2019 nahmen in Hongkong zwei Millionen Menschen teil. Das Foto ist Teil der Ausstellung „Stand with Hong Kong Journalists“, bis 4. Februar im Kunstraum Nestroyhof in Wien.Yu Wai Kin 余偉建 /"Stand with Hong Kong Journalists"
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In der chinesischen Sonderzone geraten Reporter zwischen die Fronten. Angesichts der Polizeigewalt sei es schwer, journalistische Neutralität zu wahren, erzählen zwei Betroffene der „Presse“. Eine Fotoausstellung in Wien widmet sich nun den Gefahren für die Presse in der Stadt.

Wien. Das Zischen der Gummipatronen, das Explodieren der Tränengasbomben, das Schreien der Polizisten – zwei Wochen habe sie nach dem Vorfall im September nicht schlafen können, erzählt Kwan Lin Mok. „Was mache ich noch in diesem Job?“ Das fragte sich die Videojournalistin der Hongkonger Wochenzeitung „Ming Pao Weekly“, nachdem sie miterlebt hatte, wie die Polizei Dutzende Demonstranten im Zentrum der chinesischen Sonderverwaltungszone eingekreist hatte. Es seien keine Radikalen gewesen, sie hatten Pech, sagt die 29-Jährige.

In solchen Situationen sei es schwer, die Rolle als neutraler Beobachter zu wahren. „Enttäuschung“, „Hoffnungslosigkeit“ empfindet auch Hoi Kin Fung, Fotojournalist beim Blatt „Ming Pao“: „Journalisten sind nicht so einflussreich, wie sie es sollten, um Behörden und Regierung zu kontrollieren.“ Nur einmal brach er seinen Berufsethos: Als sich Studenten und Polizisten im November am Campus der Polytechnischen Universität erbitterte Schlachten lieferten, habe er einem Jugendlichen, der erschöpft zu Boden sackte, aufgeholfen. „Die Polizisten zogen schon ihre Waffen. Damals fand ich es wichtiger, menschlich zu sein, als ein Journalist.“