Nina Poxleitner eröffnet mit ihrem Team schwer vermittelbaren Zielgruppen Chancen am Arbeitsmarkt.
Sonderpreis: Social Entrepreneurship

Gemeinsam neue Perspektiven für die Arbeitswelt schaffen

Die Siegerin beim Sonderpreis Social Entrepreneurship bringt geflüchtete Menschen und potenzielle Arbeitgeber zusammen.

More Than One Perspective (MTOP): Der Name des von Nina Poxleitner gegründeten Unternehmens ist Programm. MTOP bringt Unternehmer und Flüchtlinge zusammen – mit Erfolg, denn rund drei Viertel der Associates (Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund) von MTOP sind seit dem Start des Unternehmens auf dem Arbeitsmarkt angekommen. „Unternehmerin wollte ich schon zuvor, seit meinem Studium an der WU, werden“, erzählt Poxleitner über die Anfänge ihres Unternehmens: „Beim Austauschsemester in Stockholm habe ich das erste Mal Einblicke in den Bereich Social Entrepreneurship bekommen. Zurück in Österreich ist das nicht gleich Realität geworden. Über Umwege – ein Praktikum bei einer Beratungsfirma und einige internationale Start-ups – bin ich bei Teach For Austria gelandet.“ Dort hat die Gründerin ihre Mitstreiter Lisa-Maria Sommer und Julian Richter kennengelernt. Zunächst haben die drei gemeinsam an Neuen Mittelschulen in Wien unterrichtet – dann kam es zur gemeinsamen Gründung von MTOP. „Daraus ist unsere Selbstständigkeit entstanden: Wir wollten unseren kleinen Beitrag zu einer besseren Welt leisten. Gemeinsam können wir anpacken, und dabei haben wir auch einfach Spaß.“

Das war vor rund vier Jahren. Inzwischen ist MTOP Realität – und ein erfolgreiches Unternehmen mit einem starken Wachstum. Doch geradlinig war die Erfolgsstory nicht: „Ein Unternehmen zu gründen ist nicht immer einfach, und bei dieser Achterbahnfahrt ist es das Team, das einem den Rücken stärkt“, so die Unternehmerin. „Bei MTOP ist es uns wichtig, gern in die Arbeit zu gehen. Hürden gehören zum Leben und sind von Anfang an Teil unserer Reise. Sei es, von einer Idee zur Realität zu kommen, ein nachhaltiges Geschäftsmodell aufzubauen, das Team zu vergrößern, Co-Finanzierungen mit der öffentlichen Hand verstehen und leben zu lernen, den richtigen Umgang und Angebote mit und für Unternehmen zu finden, die Associates richtig abzuholen und ihnen die Basis für effektive Weiterentwicklung zu bieten oder die eigene Vision zu schärfen. Hürden gibt es natürlich immer, bei uns steht jedoch das gemeinsame Überwinden und Wachsen daran im Fokus.“

 

Neue Zielgruppen im Visier

Die Zukunft steht bei MTOP im Zeichen der Zielgruppen-Erweiterung: „Wir sehen sehr viel Potenzial darin, andere Gruppen von Menschen, die es schwer haben, auf dem Arbeitsmarkt (wieder) anzukommen, mit unseren Ansätzen zu begleiten“, so Poxleitner. Dazu braucht es auf der einen Seite Recruitingprozesse, die inklusiver gestaltet sind. Zudem ist es aber auch wichtig, dass sich das Leadership in den Führungsebenen der eigenen Verantwortung bewusst ist. „Aktives Schubladenaufmachen, bestehende Stereotypen wahrnehmen und ihnen entgegenwirken, um Diversität als Chance zu sehen, das wollen wir erreichen“, so die Geschäftsführerin.

 

Nützliche Tipps für Gründerinnen

Dank einer breiten Medienöffentlichkeit und mit der Schützenhilfe von namhaften Unterstützern wie dem früheren Royal-Dutch-Shell-Topmanager Josef Waltl und der Katharina-Turnauer-Privatstiftung, hinter der eine von Österreichs angesehensten Industriellenfamilien steht, hat es MTOP bereits sehr weit gebracht. Poxleitner hat auch für andere Gründerinnen Tipps parat, wie sie den Sprung in die Selbstständigkeit schaffen und ihre Ideen verwirklichen können: „Such dir das richtige Team – einerseits sollten sich die Fähigkeiten gut ergänzen, insbesondere ist aber wichtig, dass ihr gut zusammenarbeiten könnt. Zweitens: reden, reden, reden! Durch Feedback lernt man ungemein viel dazu. Ein weiterer Tipp: Trau dich. Gründen bringt Unsicherheiten mit sich, vor allem aber auch Abenteuer, wertvolle Lernerfahrungen und eine Menge Spaß. Ebenfalls wesentlich ist, dass du so schnell wie möglich mit deiner Kundengruppe zu arbeiten beginnst. Und: Finde einen Ausgleich – wir haben auch lernen müssen abzuschalten.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2020)