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#HGMneudenken

Wenn die Zivilgesellschaft zum HGM pilgert

Heeresgeschichtliches Museum
Heeresgeschichtliches Museum(c) Clemens Fabry
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Erstmals wird der wissenschaftlichen Kritik am Heeresgeschichtlichen Museum ein breites Forum geboten.

Es sei „Teil ihres künstlerischen Konzepts, die Kritik zum Museum zu tragen, und zwar direkt vor die Haustüre“, erklären Elena Messner und Nils Olger. Morgen, Freitag, laden die Schriftstellerin und Kulturwissenschaftlerin sowie der Filmer und Künstler zur Tagung und Ausstellung „#HGMneudenken“ – in einer privaten, ehemaligen Offizierswohnung genau gegenüber dem Heeresgeschichtlichen Museum (HGM).

Die beiden beschäftigen sich seit Jahren mit dem Geschichtsverständnis des HGM, mit den zu findenden Leerstellen, der Rückwärtsgewandtheit, überhaupt der „Frage, wie sich in einem Museum wie diesem Österreich immer wieder selbst in seinen Widersprüchen verfängt“, so Messner. 2014 erschien dazu auch ihr Roman „Das lange Echo“.

Anlässlich der jüngsten Kritik an der Führung des Hauses, angesichts einer Rechnungshofprüfung und mehrerer aktiver Kommissionen, die eingesetzt wurden, um diverse Missstände zu untersuchen, habe man jetzt in wenigen Wochen und ohne Förderungen diese Veranstaltung aufgesetzt, so die Organisatoren zur „Presse“. Erstmals wolle man dadurch eine breite Plattform zur Vernetzung schaffen. Denn: „Es gab und gibt in der Wissenschaft viele Diskussionen über dieses Museum, aber nie einen gemeinsamen Auftritt“, so Messner.

 

Trauttenberg, Öllinger, Maderthaner

Jedenfalls waren die Reaktionen auf ihren „Call“ „unglaublich rasch und positiv“: Von elf bis 22 Uhr sprechen und diskutieren daher u. a. der ehemalige Generaldirektor des Österreichischen Staatsarchivs, Wolfgang Maderthaner, der Bundesheer-Offizier Hubertus Trauttenberg, der Historiker Peter Pirker (über die „Wehrmacht und die Wiederkehr des Heroismus nach 1955“) oder der ehemalige Grünen-Abgeordnete Karl Öllinger. Begleitet wird alles von einer „Pop-Up“-Ausstellung etwa 20 Künstlerinnen und Künstler, darunter Ernst Logar oder Tomash und Johann Schoiswohl.

Es ist „ein Auftakt“, so Messner. Man werde sehen, wie es weitergehe. Wichtig sei ihnen dabei, dass weder eine Institution noch eine Partei hinter ihnen stehe: „Es ist eine rein zivilgesellschaftliche Initiative.“ Mit zentralen Anliegen: Dass Kritik nicht mehr wie bisher „schnell vom Tisch gewischt“ oder „ausgesessen“ werden könne. Und dass vor der Bestellung eines neuen Direktors (im Frühjahr wird neu ausgeschrieben) die Veröffentlichung des Rechnungshofberichts abgewartet werde. (sp)

www.textfeldsuedost.com/hgm-neudenken

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2020)