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Architektur-Aufreger: Im Kino

Großes Kino: kleine Architektur(c) � Cineplexx (Marcel Koehler)
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Wenn's draußen trüb ist, kann man sich gleich ins Dunkle setzen. Und viel mehr als möglichst schwarz wollen Kinos architektonisch ohnehin heute nicht mehr sein. So schade.

Mehr Zeremonie bitte. Sonst hat man ja das Gefühl, als wäre es nichts Besonderes: das Kino zum Beispiel. Der Tag ist voller Ereignisse, die ungefeiert vorbei gehen. Aufstehen, Zähne putzen, nach Hause kommen, Netflix schauen. Die einzig mögliche Zeremonie dabei wäre, wenn man dann schon den Pyjama anhat. Früher hat man sich zum Film schauen ja alles, was nach Pyjama aussah, extra ausgezogen, sich noch fein rausgeputzt, extra fein gekämmt. Man hätte ja beim Film schauen auch gesehen werden können – ein gesellschaftliches Ereignis war es, das hatte man sich vom Theater abgeschaut. Aber inzwischen feiert man die üblichen Anlässe von Geburtstag und Goldener Hochzeit abwärts, dafür sucht man sich manchmal sogar Plätze, die sich architektonisch von dem, was man von zuhause kennt, unterscheiden. Doch den Film als kulturelles Format, den feiert man nicht mehr. Zumindest nicht architektonisch. Denn man feiert ihn in den großen Kinos nur mehr auf eine Weise: mit technischen Innovationen. Kinos leisten sich technisch das, was man sich normalerweise zuhause nicht leisten kann. Inzwischen projiziert man den Film manchmal gar nicht mal mehr, sondern stellt Bildschirme auf, riesige. Schärfer, kontrastreicher soll das Bild dadurch werden, durch Millionen von Dioden, schwarz ist dann endlich richtig schwarz.