Was für eine Woche. Voller Nachrufe und Abschiede

Auf dem Weg nach München, Salzburg und wieder zurück nach Wien hat mich diese Woche der Tod eingeholt, mehrmals. Den Oberhuber-Nachruf musste ich im Zug schreiben. Die Nachricht vom Tod Adolf Holls bekam ich wenige Minuten vor einem Interview. Es trifft einen immer unvorbereitet. Es reißt einem jedes Mal den professionellen Panzer auf.

Meine Reisen plane ich generalstabsmäßig, wenn ich schon einmal raus darf, muss soviel rein wie möglich. In mich, meine Augen, mein Hirn, ich mag das ja. Manchmal aber kommt alles anders. Wie es in dieser Woche war.

Am Weg zurück von München, wo ich das erste Mal im großartig gemachten NS-Dokumentationszentrum war, kam das erste Mal der Tod. Oswald Oberhuber war gestorben. Ich kannte ihn persönlich nur von zwei, drei Interviews und Treffen, aber seine Kunst und seine Funktionen und viele Geschichten über ihn umso besser. Rund um mich tobte die Hölle in einem überfüllten Zug, aber ich schrieb. Seltsames Gefühl, wenn einem Leute dabei über die Schultern schauen, während man um letzte Worte für einen Menschen ringt.

Eigentlich hätte ich erst drei, vier Züge später fahren wollen. Und mir die Ausstellung von Matthias Herrmann anschauen wollen. Im Traklhaus stellt er noch bis Samstag 25. 1. aus (um 11 Uhr gibt es eine Buchpräsentation). Ich solle es nicht mehr schaffen, obwohl es super geklungen hat: Ein neues Kapitel in seinem fotografischen Werk, das bisher vor allem von Selbstinszenierungen geprägt war. Mochte ich immer gerne, hätte ich gerne gesehen - er hat in einem jahrelangen Projekt die Kunstsammlung der Gonzagas in Mantua fotografisch verfolgt und nachrecherchiert. Leider.

Noch dazu: Es ist die letzte große Ausstellung von Dietgard Grimmer, die seit unglaublichen 35 Jahren die Landesgalerie im Traklhaus leitet. Mit 62,5 Jahren wurde sie jetzt in Pension geschickt, was sie ziemlich grämt, gerne wäre sie noch bis 65 geblieben. Finde ich schon ziemlich hart, eine derartige Kulturarbeiterin (376 Ausstellungen, zuständig zusätzlich für alle Kunstförderungen des Landes) so zu verabschieden. Auch traurig. Aber es gibt schlimmeres, meinte auch sie.

Am Ende der Woche passierte dieses Schlimmere dann wieder. Es erwischte mich so heftig wie selten. Adolf Holl ist gestorben, ich habe ihn sehr geliebt. Den Nachruf schrieb mein großartiger Kollege Harald Klauhs, ich hätte das nie geschafft, er musste, er kannte ihn am besten von allen Journalisten, hat die Biografie dieses wunderbaren Menschen schreiben dürfen.

Das Interview mit Herbert Brandl, das ich nur wenige Minuten nach der Todesnachricht führte, führen musste, begann dementsprechend gedämpft. Vielleicht wurde es deswegen eines der schönsten, intensivsten Gespräche, das ich mit einem Interviewpartner je hatte. Über die teils schon obsessive Beschäftigung mit dem Vergehen. Dem Tod. Und die Scheißangst davor. Demnächst.