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Mein Freitag

Der Jänner hat zwei Gesichter und drei Seiten

Für den Jänner Gerechtigkeit einzufordern ist nicht leicht.
Für den Jänner Gerechtigkeit einzufordern ist nicht leicht.APA/dpa-Zentralbild/Matthias Bein
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Für den Jänner Gerechtigkeit einzufordern ist nicht leicht. Er ist entweder zu kalt oder zu warm.

Viele müssen sparen, weil der teure Dezember einen Krater geschlagen hat, der erst bemerkt wird, wenn sich Staubzucker und Glitzer in der Luft wieder gesetzt haben. Andere haben sich der Askese verschrieben, um Alkoholsünden und Schweinsbraten zu büßen. Die Lokale sind halb leer. Die Wintermode wird schon hinausgeschleudert, was das unklare Gefühl hervorruft, irgendetwas versäumt zu haben. Was, der Winter war schon?

Er ist der einzige Monat, der außerhalb Österreichs beharrlich anders genannt wird, abgesehen davon, dass Deutsche auch Juno oder Julei sagen, aber das ist wenigstens nicht amtlich. Januar macht ihn noch strenger, als er ist. Dafür lässt sich die Herkunft besser erahnen, benannt ist der erste Monat des Jahres nach dem römischen Gott Janus – der mit den zwei Gesichtern, der Gott des Anfangs und des Endes. Wenn man bedenkt, dass im Jänner sowohl die vernünftigen Steinböcke, die gern Chefs werden, als auch die chaotischen Wassermänner, die hundert Ideen haben, aber nur zwei davon umsetzen, Geburtstag feiern, kommt das ganz gut hin.

Es hat ja alles zwei Seiten. Manchmal auch drei. Das hat auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen verwirrt, als er beim Empfang des österreichischen Handball-Teams ins Philosophieren über die Ähnlichkeiten mit Eishockey kam (beide Sportarten werden in einer Halle gespielt und im Fernsehen übertragen, meinte er) und für einen der lustigsten Fernsehmomente des Jahres sorgte – nach den Telenovela-Untertiteln bei der Angelobung des Bundesregierung.

„2020, du musst aufhören, wenn es am schönsten ist“, hat jemand getwittert, als Anfang der Woche zauberhafte Fotos von Brad Pitt und Jennifer Aniston erschienen – und für einen fulminanten Start des Jahres in die Klatschsaison sorgten. So lustig soll es das ganze Jahr sein, wie dieser Jänner war. Das müssen ihm die anderen Monate bitte erst einmal nachmachen.

E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.01.2020)