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Morgenglosse

Strache zwischen dem Sein und dem Nichts

Heinz-Christian Strache beim Neujahrstreffen der DAÖ.APA/HANS KLAUS TECHT
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Der Ex-FPÖ-Chef steht für die „Allianz für Österreich“ wieder auf der politischen Bühne. Im schwarzen Rollkragenpullover. Und er genießt es.

Jean-Paul Sartre schrieb „Das Sein und das Nichts“. Platt umgelegt auf den Auftritt Heinz-Christian Straches beim Neujahrstreffen der seinetwegen gegründeten „Allianz für Österreich“ könnte man sagen: Heinz-Christian Strache kann nur Politiker sein. Sonst ist er, gemessen an seiner Rückkehrrede in den Wiener Sofiensälen vor jubelndem Publikum, nichts. „Der HC lebt wieder!“, schreit jemand während der Rede. Strache lebt, wenn er Politiker ist.

Eine Nähe zum Existenzialismus hätte man dem einstigen FPÖ-Chef in der Deutlichkeit vielleicht nicht zugetraut. Am Donnerstagabend berief er sich zumindest optisch eindeutig darauf: schwarzer Rollkragenpullover unter schwarzem Sakko, Uniform eines jeden Existenzialisten, der etwas auf sich hält; inhaltlich beschwor er das Mensch-Sein. Seine Gespräche an jenem Abend 2017 in der Finca auf Ibiza - ein Fehler, den Menschen, so wie sie nun einmal seien, machten. Und Menschen würden auch verzeihen, schickte Strache gleich nach. Wer tue das nicht? Dafür gab es Beifall.

Irgendwo muss Strache aber Sartre missverstanden haben. Wo Sartre argumentiert, dass der Mensch Verantwortung für sein Handeln übernehmen muss, redet Strache nach wie vor von „privaten“ Aussagen, von Videofallen, von einem groß angelegten Komplott gegen ihn. Sieht so Verantwortung aus, zunächst für sich selbst, letztlich auch für andere? Sieht so jemand aus, der Wiens Bürgermeister werden will? 

Strache sieht sich ganz klar als gefallenen Helden von Ibiza, der durch Hilfe seiner „drei Musketiere“ - die „Allianz für Österreich“-Politiker Karl Baron, Dietrich Kops und Klaus Handler - wieder dorthin zurückkehren müsse, wo er schon einmal war, ehe er sich auf Ibiza selbst ins Aus redete. Er beschwört seine Zeit als türkis-blauer Vizekanzler, beschwört die „alte“ FPÖ: „Ich war die FPÖ für 14 Jahre“, sagt er in Wien. Die FPÖ ohne ihn? Nichts. Was nun komme, brauche Menschen „aus dem Volk“, keine Funktionäre, schickt er nach - stattdessen vielleicht Musketiere, möchte man hinzufügen.

Das Sein und das Nichts. Fred Sinowatz sagte einmal: „Ohne die Partei bin ich nichts.“ Strache würde das umkehren: Ohne ihn ist die Partei nichts. Weder die FPÖ noch die „Allianz für Österreich“.