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Schwindler im Himmel wie auf Erden: So gut sind die neuen Serien

Avenue 5
Hugh Laurie gibt in "Avenue 5" einen Captain, dessen Hauptaufgabe es ist, gut auszusehen. Als das Luxusraumschiff aus der Bahn geworfen wird, hat er keine Ahnung, was zu tun ist...HBO
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John Goodman spielt einen gar nicht heiligen Star-Prediger, Hugh Laurie einen Fake-Kapitän auf Weltraumkreuzfahrt – und Gwyneth Paltrow verbreitet dubiose Heilmethoden auf Netflix.

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The Righteous Gemstones

Dysfunktionale Prediger-Familie
Zu sehen auf Sky

Die Gläubigen stehen Schlange, weiß gekleidet, in einem überdimensionierten Schwimmbecken. 5000 Chinesen lassen sich hier taufen, begleitet von kitschiger Musik und lila Licht, da beginnen zwei der Täufer über das richtige Untertauchen zu streiten. So wie dieser schwankt jeder geschwisterliche Konflikt, den man bei den Gemstones sieht, zwischen kindisch und hässlich. Heilig ist sie wahrlich nicht, diese Dynastie von evangelikalen Predigern, die ihre Betpaläste als überdimensionierten Klingelbeutel nutzt. Aber um Glauben geht es in dieser temporeichen HBO–Serie sowieso kaum jemandem. Nicht den jungen Gemstones, nicht den mit ihnen konkurrierenden Pastoren. Und schon gar nicht dem Patriarchen Eli, gespielt von einem fast schlanken John Goodman, der langsam die Kontrolle über die dysfunktionale Familie verliert.

Ihm entgeht etwa auch, dass sein ältester Sohn mit einem Drogenvideo erpresst wird. Jesse, reaktionär, selbstherrlich und unreif, tritt bei seiner Suche nach den Erpressern eine Spirale der Gewalt los, die in ihrer Absurdität wirklich komisch ist. Genauso wie die Serie insgesamt, die bitterbösen Humor mit hoch erhobenem Stinkefinger zelebriert, untermalt von Chorälen und Gospels. (rovi)

 

The Goop Lab

Spiritueller Selbsterfahrungstrip
Zu sehen auf Netflix

Gruppenumarmungen folgen auf Weinkrämpfe, während sogenannte therapeutische Begleiter einen anfeuern: „Bleib dran!“ Netflix zeigt in Zusammenarbeit mit Gwyneth Paltrow, der Gründerin des umstrittenen Lifestyle-Unternehmens Goop, eine sechsteilige Doku-Serie über pseudowissenschaftliche Gesundheitspraktiken zur (Selbst-)Heilung. Zu sehen sind etwa eine „angeleitete Therapie“ mit Psychedelika, ein Medium, das mit Verstorbenen spricht, oder auch „Snowga“ (Yoga im Schnee). Eine auffällig unkritische und unseriöse – wenn auch unterhaltsame – Serie, aus der eine Folge besonders hervorsticht: Das Kapitel über weibliche Sexualität ist tatsächlich informativ. (mel)

 

Spinning Out

Eislauf- und Psychodrama
Zu sehen auf Netflix

„Mit Eislaufen ist Schluss“, sagt Kat (Kaya Scodelario; „Maze Runner“). Seit einem Unfall fährt die Angst immer mit. Doch ein Leben als Kellnerin ist für die ehrgeizige Sportlerin auch nichts. Also kämpft sie – zusammen mit dem hochnäsigen Justin (Ex-Eishockey-Spieler Evan Roderick) – um ein Comeback. So weit ist „Spinning Out“ ein Sportlerdrama nach üblichem Muster. Es gibt aber noch einen Erzählstrang: Die ehrgeizige Eislauf-Mom hat psychische Probleme, sie fördert nur Kats ebenfalls talentierte Schwester (Willow Shields; „Die Tribute von Panem“). Kat wiederum leidet nicht nur an Flashbacks, weshalb sie jeden Sprung verpatzt, sondern hat eine bipolare Störung. Offenbar hat man sich von „Black Swan“ inspirieren lassen . . . (i. w.)

 

Ares

Mystery aus den Niederlanden
Zu sehen auf Netflix

Was hat es auf sich mit dieser Geheimgesellschaft, die ihren Novizen Säcke über den Kopf stülpt und Brandmale auf den Arm drückt, die sich in Amsterdamer Herrenhäusern versammelt und nachts im Rijksmuseum Abendessen veranstaltet? Deren Mitglieder ihre Ahnen auf Rembrandts „Nachtwache“ benennen, schwarzen Schleim speien und ständig von „Potenzial“ sprechen? Die Mystery-Serie „Ares“ baut – mit bewährten Horrorbildern und dauerhaften gespenstischen Klängen – eine okkulte Aura um Amsterdams Elite. Es geht um altes Geld, um Schuld, Unterdrückung und eine Mittelklasse-Studentin, die Aufstiegschancen wittert. Düster und berückend, trotz narrativer Schwächen. (kanu)

 

Avenue 5

Raumfahrt-Parodie mit Hugh Laurie
Zu sehen auf Sky

Ein Traumschiff im All. Das ist die „Avenue 5“. Ein Luxusdampfer in der Schwerelosigkeit, auf dem es Meeresfrüchte bis zum Abwinken, ein schickes Spa, Yogaklassen mit Blick ins Universum und einen Kapitän (Hugh Laurie) gibt, dessen Hauptaufgabe es ist, gut auszusehen. Denn Ryan Clark ist kein Captain, sondern ein für diesen Part engagierter Schauspieler, der keine Ahnung hat, was zu tun ist, als das Schiff durch eine Kollision aus der Bahn geworfen wird . . .

Vergnügt lässt Serien-Erfinder Armando Iannucci („Veep“) die „Avenue 5“ ins Chaos schlittern. Die Passagiere kleben wegen eines Gravitationsfehlers plötzlich an der Wand. Der einzige, der das Schiff lenken konnte, stirbt bei einem Unfall und umkreist nach der Weltraumbestattung als makabrer Sputnik das Schiff. Schauspieler-Kapitän Clark versucht, die bröckelnde Fassade zu bewahren und hat den größenwahnsinnigen Herman Judd (Josh Gad) im Nacken: Der Besitzer der „Avenue 5“ haust in einer Walnussholz-Suite und sagt Dinge wie: „Ich bin das Alpha und das Beta. Ich weiß so viel . . .“ Auch grandios: Zach Woods, der als sarkastischer Guest Relation Manager Öl ins Feuer gießt. Nur die Frauen behalten kühlen Kopf in diesem Albtraumschiff im All. (i. w.)

 

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