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Cholera-Erreger

Durchfallkeime verwandeln sich bei Infektion

(c) REUTERS (Khaled Abdullah)
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Abschnürung der Außenhaut verschafft Vorteile.

Cholera-Erreger verursachen gefährliche Brechdurchfälle, jährlich sterben in Ländern mit Mangel an sauberem Trinkwasser Tausende Menschen an den hoch infektiösen Bakterien. Warum die Einzeller so effizient zwischen verschiedenen Lebensräumen – vom Tümpeln, Pfützen und Brackwasser in den menschlichen Körper – wechseln können, haben Grazer Forscher in der Februarausgabe der Fachzeitschrift Cell Host & Microbe geklärt. „Der Erreger wechselt seine Oberfläche je nach Anforderung – alles, was er gerade nicht brauchen kann, stößt er ab“, fasst Studienleiter Stefan Schild die Ergebnisse der Publikation zusammen.

Die Krankheitserreger produzieren an ihrer Außenmembran Ausstülpungen, sog. Vesikel, die sie abschnüren können. Beim Eintritt in den Menschen werden etwa große Mengen an Vesikeln entsorgt, die das Protein Porin OmpT enthalten. In der freien Umwelt erleichtert es die Nährstoffaufnahme, nach der Infektion würden damit jedoch für die Mikroben tödliche Gallensalze und Proteine aufgenommen.

 

Eisenmangel als Auslöser

Weiters zeigte sich, dass im Menschen auch neue Fett-Zucker-Verbindungen, die sog. Lipopolysaccharide, an der Bakterienoberfläche nötig sind, um sich vor der Immunabwehr zu schützen – die alten werden ebenfalls kurzerhand abgeschnürt. Den Auslöser für diese Prozesse haben Schild und sein Team ebenfalls ausmachen können: Eisenmangel. Dieser tritt nach dem Eintritt in den Wirt ein und führt zur Veränderung der Bakterienoberfläche.

Doch auch der Kontakt zu Desinfektionsmitteln oder Antibiotika in niedrigen Dosen löst die Verwandlung aus, gibt Schild zu bedenken. Rückstände in Wasser oder Nahrung könnten den Erregern einen Vorteil verschaffen. (APA/däu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.01.2020)