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Epidemie

Coronavirus: Zweifel an offiziellen Opferzahlen

Patientin mit Coronavireninfektion in einem Wuhaner Spital.imago images/Xinhua
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Ärzte in Wuhan meinen, die Angaben der chinesischen Behörden seien kräftig untertrieben, wollen aber keine Schätzungen abgeben.

In China werden Zweifel laut, ob die offiziellen Angaben das wahre Ausmaß der Infektionswelle im Land wiedergeben. Ärzte in der bisher angeblich hauptbetroffenen Stadt Wuhan äußerten, dass sich ihrer Meinung nach schon wesentlich mehr Menschen mit dem neuen Coronavirus angesteckt haben könnten als offiziell zugegeben. Auch sei weitaus mehr Krankenhauspersonal als die offiziell bekannten 15 Mitarbeiter betroffen.

"Es lassen sich infizierte Krankenhausmitarbeiter in fast allen größeren Krankenhäusern in Wuhan finden", sagte ein Arzt der Hongkonger Zeitung "South China Morning Post". Den chinesischen Behörden zufolge liegt die Zahl nachgewiesener Infektionen im Land derzeit bei rund 900. Mehr als 25 Patienten sind gestorben, zumeist ältere Menschen mit Vorerkrankungen. Da Dutzende schwer Erkrankte in den Kliniken liegen, sind weitere Todesfälle zu erwarten.

Viren-Nachweise wurden bisher auch aus mindestens sieben anderen Ländern gemeldet: In Taiwan, Thailand, Japan, Südkorea, den USA sowie den chinesischen Sonderverwaltungszonen Macau und Hongkong hatten die Erkrankten durchwegs einen Reisebezug zur Millionen-Metropole Wuhan. In Europa ist bisher keine Infektion bekannt.

Die USA kündigten an, das Personal ihres Generalkonsulats und deren Familien aus Wuhan abzuziehen. Die Anordnung erfolge wegen des Virus, logistischer Probleme durch das eingeschränkte Transportwesen und der "überwältigten Krankenhäuser" der Stadt, sagte ein Botschaftssprecher. Staatsmedien berichteten, in der 11-Millionen-Metropole werde ein neues Krankenhaus mit 1000 Betten errichtet - innerhalb von nur rund einer Woche. Der Gebäudekomplex wird aus vorproduzierten Bauteilen zusammengesetzt.

Pauschalreisenverkäufe verboten

Direktflüge aus Wuhan ins Ausland gibt es kaum noch. Zudem untersagte die Regierung in einer beispiellosen Aktion den Verkauf von Pauschalreisen von China ins Ausland und innerhalb des Landes.

In der schwer betroffenen Provinz Hubei wurden der Nah- und Fernverkehr gestoppt, Ausfallstraßen gesperrt. Zudem sollen in der Öffentlichkeit Schutzmasken getragen werden. Etliche Besucher konnten die Stadt vorerst nicht mehr verlassen. Zumindest in Wuhan ist inzwischen auch das Militär im Einsatz - es leite die "gemeinsame Kontrollarbeit", berichtete das Staatsfernsehen. Auch werde medizinisches Personal des Militärs mobilisiert. Details etwa zur Zahl der eingesetzten Soldaten wurden nicht genannt.

Gesperrt wurden am Freitag auch Teile der Großen Mauer. Betroffen ist der beliebte Abschnitt Badaling im Norden von Peking. Zuvor hatten die Behörden angekündigt, dass in Peking Großveranstaltungen auf unbestimmte Zeit gestrichen werden, darunter die traditionellen Tempeljahrmärkte, die als zentraler Teil der Neujahrsfeiern gelten. Die Verbotene Stadt, das Palastmuseum in der Hauptstadt, wird ab Samstag vorerst schließen, ebsno wie Disneyland in Schanghai.

(APA/DPA)