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Roman

Ismail Kadare zeichnet die Lebenswelt seiner Kindheit

Aus der Perspektive eines Kindes: Der herausragende Autor verschränkt Familien- und Landesgeschichte.

Auch wenn es nicht ausgeschildert ist: Das ganze neue Buch von Ismail Kadare speist sich unmittelbar aus dem Leben des Autors und ist angesichts des langen Zeitraums der Entstehung (1984 bis 2013) erstaunlich homogen. Der Roman ist ebenso autobiografisch wie die „autobiografische Prosa“ von einem Kunstwillen geprägt ist und nicht nur deshalb interessiert, weil Kadare ein Autor von Weltrang ist. Was schon ab dem ersten Text besticht: die Bindung der erzählten Mikroszenen an Räume, die nie reine Kulisse sind, sondern die Lebenswelt geradezu konstituieren. Kadare versteht es meisterlich, diese Räume, die Lebenswelt und die einzelnen Szenen aus der Perspektive eines Kindes zu beschreiben und dabei so zu erzählen, dass er keinen künstlichen Salto rückwärts einlegen muss. Ein weiterer Vorzug der autobiografischen Prosa ist die Verschränkung von Familien- und Landesgeschichte. Die archaische und streng ritualisierte Clangesellschaft in der südalbanischen Stadt Gjirokastra, in der Kadare aufgewachsen ist, kontrastiert mit dem brutal implantierten kommunistischen System unter Enver Hoxha.