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Glyphosat-Streit beigelegt?

Bayer scheint wieder günstiger Wind entgegenzuschlagen.
Bayer scheint wieder günstiger Wind entgegenzuschlagen.(c) APA/AFP/PATRIK STOLLARZ
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Klägeranwälte verhandeln mit dem Konzern um einen Vergleich, der Bayer billiger kommen dürfte als von Aktionären befürchtet.

Leverkusen. Der Chemie- und Pharmakonzern Bayer könnte den Streit um angebliche Krebsgefahren von Unkrautvernichtern mit dem Wirkstoff Glyphosat in den USA für zehn Mrd. Dollar beilegen. Anwälte einiger Kläger diskutierten mit dem Unternehmen über Vereinbarungen, die zu einer solchen Gesamtsumme führen könnten, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Personen mit direkter Kenntnis der Verhandlungen.

Bayer-Anwälte hätten gesagt, das Unternehmen werde acht Mrd. Dollar für die Lösung der aktuellen Fälle beiseitelegen und zwei Mrd. Dollar für künftige Klagen reservieren. Die Summe könne sich im Zuge der Gespräche ändern. Bayer wollte sich vorerst nicht äußern.

 

Aktie zieht an

Die Bayer-Aktie lag am Freitagnachmittag deutlich im Plus. Zuletzt hatte der im Rechtskonflikt vermittelnde Mediator Ken Feinberg gesagt, er sei „verhalten optimistisch“, dass innerhalb eines Monats eine Einigung zwischen Bayer und den Klägern erzielt werden könne. Zu den Bedingungen wollte der US-Staranwalt, der im Juni als Verhandlungsführer verpflichtet wurde, sich nicht äußern.

Bayer hatte sich 2018 mit dem über 60 Mrd. Dollar teuren Kauf des US-Saatgutriesen Monsanto immense Rechtsrisken ins Haus geholt. Die ersten drei US-Prozesse wegen angeblich krebserregender Unkrautvernichtungsmittel von Monsanto hatte Bayer verloren und hohe Schadenersatzurteile kassiert. Der Konzern hatte die Schuldsprüche jedoch angefochten und erhielt in einem Berufungsverfahren zuletzt Unterstützung von der US-Regierung, deren Umweltbehörde EPA das umstrittene Pflanzengift Glyphosat nicht als krebserregend einstuft.

Analysten erwarten, dass sich das Unternehmen über kurz oder lang auf einen milliardenschweren Vergleich mit den zahlreichen Klägern einigt. Darauf dringen auch die zuständigen Gerichte. Nach dem letzten Prozess im Mai waren alle weiteren geplanten Gerichtsverhandlungen im vergangenen Jahr verschoben worden.

Im Fall einer Einigung sehen Analysten – je nach Höhe der Entschädigungssumme an die Kläger – noch Luft für den Aktienkurs. So schätzte Alistair Campbell vom Investmenthaus Liberum vor einer Woche, dass immer noch eine Belastung von rund 25 Mrd. Euro in den Aktienkurs eingepreist sei, was mehr sein dürfte, als Bayer am Ende wohl zahlen werde. (DPA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.01.2020)