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Coronavirus

China schottet 40 Millionen Menschen von der Außenwelt ab

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Eine Frau in Wuhan mit Atemmaske(c) APA/AFP/HECTOR RETAMAL (HECTOR RETAMAL)
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Mindestens 41 Menschen sind an dem Coronavirus bisher gestorben. Unter den Toten soll ein Arzt sein, der Infizierte behandelt hatte. Auch in Europa gibt es drei bestätigte Krankheitsfälle.

Das aus China stammende Coronavirus, eine neue Lungenkrankheit, breitet sich aus. Das chinesische Staats-TV berichtete am Samstag über mittlerweile 41 Todesopfer. Sprunghaft stieg die Zahl der Infizierten in einem Tag um mehr als 400 auf mehr als 1300 an. Außer Tibet sind alle Regionen des Landes betroffen. Dem chinesischen Fernsehsender CGTN zufolge ist unter denToten auch ein Arzt. Der 62-jährige Liang Wudong sei gestorben, nachdem er in einem Krankenhaus in Wuhan Infizierte hatte und sich sich dabei selbst angesteckt hatte.

Um eine Ausbreitung des neuartigen Virus zu verhindern, hat China drastische Maßnahmen ergriffen. Mehr als 40 Millionen Menschen in gut einem Dutzend Städten im Herzen des Landes wurden weitgehend von der Außenwelt abgeschottet, indem der Verkehr gestoppt wurde.

Die zentralchinesische Metropole Wuhan ist derzeit am schwersten betroffen. Der öffentliche Nahverkehr, die Fernbusse sowie Zug- und Flugverbindungen in andere Städte gestoppt, nun wird auch der Autoverkehr verboten. Wie das Staatsfernsehen am Samstag unter Hinweis auf die Krisenzentrale in Wuhan berichtete, werden die größeren Bezirke der Elf-Millionen-Stadt von Sonntag an für Fahrzeuge geschlossen. Ausnahmen gebe es nur für Autos mit besonderen Genehmigungen, für Behördenfahrzeuge und Versorgungstransporte.

Hongkong ruft Notstand aus

Hongkong hat den Notstand und damit die höchste Warnstufe der Stadt ausgerufen. "Bisher haben wir keine schweren und weitverbreiteten Infektionen. Aber wir nehmen das ernst und hoffen, der Epidemie einen Schritt voraus zu sein", sagte Regierungschefin Carrie Lam am Samstag. Von fünf Menschen, die in Hongkong positiv auf das Virus getestet wurden, kamen vier mit einem neuen Hochgeschwindigkeitszug aus Festland-China.

Alle Flüge und Zugverbindungen aus Wuhan, dem Zentrum des Virenausbruchs, würden vorerst eingestellt. Für Reisende aus anderen chinesischen Städten verhängten die Hongkonger Behörden keine Einschränkungen. Allerdings müssen alle Passagiere bei ihrer Ankunft in der chinesischen Sonderverwaltungszone ein Gesundheitsformular ausfüllen. Lam zufolge werden zudem mehrere öffentliche Veranstaltungen, darunter eine Neujahrsgala und ein Marathon, abgesagt. Die Neujahrsferien an Schulen und Universitäten wurden bis zum 17. Februar verlängert.

Drei Menschen in Frankreich unter Quarantäne

Inzwischen gibt es auch in Frankreich als erstem Land der EU drei bestätigte Infektionen. Die Patienten befinden unter Quarantäne im Krankenhaus. Die EU-Präventionsbehörde ECDC geht von weiteren Fällen auf dem europäischen Kontinent aus. "Zu diesem Zeitpunkt ist es wahrscheinlich, dass es mehr importierte Fälle in Europa geben wird", teilte die im schwedischen Solna ansässige Behörde am Samstag mit.

Auch wenn viele Dinge über das Virus weiter unbekannt seien, hätten die europäischen Länder die nötigen Kapazitäten, um einen Ausbruch direkt nach dem Entdecken von Fällen zu verhindern und zu kontrollieren.

Anzeigepflicht in Österreich

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) erlässt heute, Samstag, gemäß Österreichischem Epidemiegesetz eine Verordnung, wonach das neuartige Coronavirus einer Anzeigepflicht unterworfen wird. Anzeigepflichtig sind Verdachts-, Erkrankungs-, und Todesfälle. "Das ist kein Grund zur Panik, aber für verstärkte Vorsorge, Information und Aufmerksamkeit", so der Minister. Österreichs Gesundheitsbehörden sind dem Minister zufolge mit den relevanten Gremien im Rahmen der WHO- und der EU- Mitgliedschaft "ausgezeichnet vernetzt und in permanenter Abstimmung". Die internationalen Behörden beobachten die aktuelle Entwicklung genau und wenden sich mit Empfehlungen an die Mitgliedsländer.

China halten sich laut dem Außenministerium derzeit rund 3.000 Österreicher auf - sowohl Auslandsösterreicher als auch Touristen."Zum jetzigen Zeitpunkt sind keine Erkrankungen von Österreichern bekannt", sagte Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP). "Die österreichische Botschaft in Peking hat alle Auslandsösterreicher und alle österreichischen Reisenden per SMS und Email über das Coronavirus und entsprechende Schutzmaßnahmen informiert. Darüber hinaus wurden alle österreichischen Reisenden in China kontaktiert, die von der Reiseregistrierung Gebrauch gemacht haben.“ Das Außenministerium rät von nicht notwendigen Reisen in die besonders betroffene Provinz Hubei ab.

Auch Australien hat das Virus erreicht

Bestätigte Fälle wurden zuletzt auch aus anderen Ländern wie Japan, Thailand, Vietnam, Singapur, Taiwan, den USA und am Samstag auch Australien gemeldet.

In Großbritannien wollen Behörden etwa 2000 Fluggäste aus China aufspüren. Gesucht werden Reisende aus der zentralchinesischen Millionen-Stadt Wuhan, die in den vergangenen zwei Wochen ins Vereinigte Königreich geflogen sind. Das britische Gesundheitsministerium will "so viele Passagiere wie möglich" finden.Mediziner halten es für wahrscheinlich, dass sich Infizierte bereits in Großbritannien aufhalten. 14 Verdachtsfälle hatten sich kürzlich aber nicht bestätigt.

Nach Medienberichten vom Samstag wurden am Londoner Großflughafen Heathrow die Sicherheitsmaßnahmen ausgebaut. Dort wird medizinisches Personal nun in sieben Schichten arbeiten, um Fluggästen zu helfen. Fiebermessen bei allen ankommenden Passagieren ist aber wegen der mehrtägigen Inkubationszeit - also dem Zeitraum zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Krankheit - nicht vorgesehen.

Dritter Fall in Japan

Japan hat einen dritten Fall der neuen Lungenkrankheit aus China bestätigt. Die Frau in ihren 30ern lebe in Wuhan, gab das Gesundheitsministerium in Tokio bekannt. Die Frau war am 18. Jänner mit drei Angehörigen in Japan angekommen. Zu dem Zeitpunkt habe sie keine Symptome gehabt, später jedoch Fieber und Husten bekommen. Sie sei in eine Klinik in Tokio gegangen und dort positiv auf den Erreger getestet worden, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf das Ministerium.

Sie habe jedoch nicht ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen, da sie nur leichte Symptome zeige. Sie halte sich stattdessen in ihrem Hotelzimmer auf, hieß es weiter. Ihre mitgereisten Angehörigen wiesen keine Symptome auf. Die Zahl der Verdachtsfälle sei derzeit nicht rasant am Steigen. Wieviele Menschen in Japan derzeit unter Beobachtung hinsichtlich der neuen Lungenkrankheit stehen und wieviele negativ getestet wurden, wollte ein Sprecher nicht sagen.

Tokio ist in einem halben Jahr Gastgeber der Olympischen Spiele und hat seine Vorsichtsmaßnahmen gegen das neuartige Virus verstärkt. "Wir werden unser Äußerstes tun, um eine Ausbreitung der Infektionen zu verhindern", erklärte Ministerpräsident Shinzo Abe. Firmen, die in Wuhan tätig sind, forderten die Mitarbeiter auf, zu Hause zu bleiben.

 

(APA/dpa/Reuters)