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Als Galerist zu Gast in Londoner Galerien

Die Wiener Galerie Sophie Tappeiner wurde von The Sunday Painter eingeladen. Sie zeigt Fotoarbeiten von Sophie Thun und Sandskulpturen von Angelika Loderer.
Die Wiener Galerie Sophie Tappeiner wurde von The Sunday Painter eingeladen. Sie zeigt Fotoarbeiten von Sophie Thun und Sandskulpturen von Angelika Loderer.(c) Installation view, Condo 2020, hosted by The Sunday Painter showing works by Patrick H Jones, London, UK, January 2020.
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„Gallery Sharing“ ist eine günstige Möglichkeit für Kunsthändler, sich im Ausland zu präsentieren. Die Wiener Galeristin Sophie Tappeiner ist bei Condo London dabei.

Was vertreibt den Winterblues besser als ein Galerienbummel im Herzen Londons! In der Kunstmetropole findet dieser Tage nämlich die Condo London statt, ein „Gallery Sharing“-Projekt, bei dem 17 ansässige Galerien einen Monat lang internationale Kolleginnen und Kollegen zu gemeinsamen Präsentationen einladen. Heuer ist auch die Wiener Galeristin Sophie Tappeiner mit dabei.

Kostengünstig. Gegründet wurde Condo 2016 von der englischen Galeristin Vanessa Carlos. Sie suchte nach einer kostengünstigen Lösung für junge und kleinere Galerien, die Probleme haben, einen Stand auf großen internationalen Messen zu finanzieren. Das Modell der Kooperation mit gemeinsamer Vermarktungsplattform funktioniert so gut, dass sich das Konzept inzwischen über den Globus ausgebreitet hat.

Condo hat schon in Athen, New York, São Paulo, Mexico City und Shanghai Station gemacht. Die Kosten sind sehr überschaubar: Die Teilnahme in London kostet eine Galerie 700 Pfund. Dafür gibt es eine gemeinsame Vermarktung und eine Preview-Party. „Es ist eine tolle Erfahrung für unsere Galerie“, sagt Sophie Tappeiner. Sie wurde von der Galerie The Sunday Painter eingeladen. „Ich war sehr überrascht, weil ich bisher nicht viel mit dieser Galerie zu tun hatte. Aber ihnen hat unser Programm gefallen. Für uns ist das ein tolles Kompliment.“

Neben Tappeiner ist noch die Galerie Lulu aus Mexico City ein Gast von The Sunday Painter. Tappeiner zeigt Sandskulpturen von Angelika Loderer und Fotoarbeiten von Sophie Thun. Die Fotoarbeiten kosten 3100 Euro, die Skulpturen 10.200 Euro. Und sie hat auch schon Fotoarbeiten verkauft. „Die Teilnahme hat sich für mich schon gerechnet. Aber vor allem ist es wertvoll, weil ich hier viele neue Kontakte knüpfen konnte. Wir haben alle unsere Einladungslisten eingebracht und uns gegenseitig Sammler, Kuratoren und Künstler vorgestellt“, so Tappeiner. Sie schätzt an diesem Konzept vor allem die lange Laufzeit (bis 8. Februar). „Die Eröffnung geht über zwei Tage, mit je sechs Stunden. Man hat ganz anders Zeit, sich mit Leuten zu unterhalten und sie kennenzulernen.“ Es gebe nicht diese Hektik, die sonst bei großen zeitgenössischen Messen herrsche.

Aber nicht alle Teilnehmer sind so begeistert wie Tappeiner. Manche Galerien monieren schwache Verkäufe. Bei Condo machen vor allem junge Galerien mit. Doch es gibt auch ein paar alteingesessene Vertreter, wie Sadie Coles. Sie hat die Brüsseler Galerie Dépendance eingeladen, die Porträts des Künstlerpaars Jos De Gruyter & Harald Thys zeigt. Die beiden haben Belgien auf der letzten Biennale von Venedig vertreten. Der zweite Gast kommt aus Shanghai und präsentiert eine Installation der ebenfalls auf der letzten Biennale vertretenen mongolischen Künstlerin Nabuqi. Sadie Coles selbst hat Zeichnungen von Paul Anthony Harford beigesteuert.

Modern Art, ebenfalls schon ein älteres Haus, hat sich mit der New Yorker Team Gallery zusammengetan, die Fotocollagen von Paul Mpagi Sepuya zeigt. Modern Art selbst stellt Katy Moran aus.

Einen Wald aus Telegrafenmasten, auf die das Künstlerduo Lloyd Corporation satirische Ephemera geklebt hat, findet man in der Galerie der Condo-Gründerin Carlos/Ishikawa. Da hängen sogenannte „tart cards“, also Werbung von Prostituierten, die Boris Johnson und Donald Trump zeigen. Im Nebenraum sind Ölbilder von Dickon Drury, die an bunte Kinderbuchbilder erinnern und von der Galerie Koppe Astner gezeigt werden. Ewas Kitschiges an sich haben die Bilder des Australiers Hamishi Farah in der Galerie Arcadia Missa. Sie hat Lomex aus New York eingeladen, die sich mit Skulpturen von Danica Barboza und Gemälden von Justin Caguiat präsentieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.01.2020)