Schnellauswahl
Glosse

Coronavirus: Ernst nehmen, aber bitte ohne Panik

Seit Samstag gilt in Österreich eine Anzeigepflicht für das Corona-Virus, am Sonntag tauchte in Wien der erste Verdachtsfall auf.

Die ersten drei bestätigten Fälle des neuartigen Coronavirus in Europa (konkret in Frankreich) haben am Samstag auch die österreichische Verwaltung zum Handeln veranlasst. Sozialminister Rudi Anschober (Grüne) erließ gemäß Epidemiegesetz eine Verordnung, nach der das Virus nun einer Anzeigepflicht unterliegt. Anzeigepflichtig sind somit Verdachts-, Erkrankungs- und Todesfälle. Nur wenige Stunden später wurde dieser Anzeigepflicht erstmals Folge geleistet. Seit den frühen Sonntagmorgenstunden ist bekannt, dass es auch einen ersten Verdachtsfall in Wien gibt. Zu Mittag informierte das ärztliche Team des Kaiser-Franz-Josef-Krankenhauses über den Gesundheitszustand der „jungen Frau“ (eine genaue Altersangabe wollte man nicht machen), die sich als Flugbegleiterin für kurze Zeit im chinesischen Wuhan aufgehalten hatte. Der Frau gehe es „objektiv und subjektiv gut“, bestätigte die behandelnde Ärztin vor laufenden Kameras. Sie sei mittlerweile fieberfrei, werde aber weiterhin in einem eigenen Raum isoliert. Konkrete Ergebnisse der virologischen Untersuchungen werden für Montag erwartet. Ein Influenzatest war bei der Wiener Patienten negativ.

Die von Rudi Anschober tags zuvor verordnete Anzeigepflicht ist ein ziemlich unspektakulärer bürokratischer Vorgang, der niemanden in Panik versetzen sollte und - im Gegenteil - beim konkreten Verdachtsfall schon die entsprechende Wirkung zeigte. Vielleicht können durch Maßnahmen wie Anzeigepflicht und eine möglichst lückenlose Transparenz auch all jene beruhigt werden, die angesichts der steigenden Meldungen über Erkrankungen (bei 56 Menschen in China bisher mit tödlichem Ausgang) durch ein unbekanntes Virus durchaus nervös werden.

In den sozialen Netzwerken beginnt sich nämlich rasant Kritik an den Behörden in China, den USA und Frankreich breitzumachen. Da ist etwa die Rede davon, dass das Virus, dessen Name an eine Biermarke erinnert und dass in manchen Medien bereits pauschal „zum Todesvirus“ erklärt wird, unterschätzt und heruntergespielt werde. Die Sorge ist verständlich, aber unbegründet. Kein Land der Welt hat Interesse daran, nicht über eine offenbar ansteckende, im Einzelfall tödliche Virusinfektion zu berichten. Auch Österreich nicht. Genauso wenig wie an Panikmache.

>> Mehr zum Thema: Wie man sich im Ernstfall verhalten soll