Referees als Polit-Kommissäre

Schiedsrichter machen bei Weltmeisterschaften traditionell eine schlechte Figur. Nicht erst einmal erweckte es den Eindruck, dass so mancher Unparteiische nach der Pfeife der Fifa pfeift.

Unter deutschen Fußballexperten kursieren wilde Verschwörungstheorien. Das Spiel gegen Ghana könnte verloren gehen, weil die Fifa ein Interesse hat, dass afrikanische Teams ins Achtelfinale kommen. Auch im gestrigen Spiel des Gastgebers Südafrika sorgte der kolumbianische Schiedsrichter mit einer Roten Karte gegen Frankreich für Nasenrümpfen unter unparteiischen Beobachtern. Südafrika gelang damit zumindest ein achtbarer Abschluss. Fürs Achtelfinale wäre allerdings ein Kantersieg nötig gewesen.

Doch Ghana genügt heute nur ein Unentschieden gegen Deutschland. Und dass Heimmannschaften – in diesem Fall eben eine afrikanische Mannschaft – bei WM-Endrunden protegiert werden, hat im Fußball eine lange Tradition. Zuletzt profitierten übrigens die Deutschen selbst davon. Bei der Heim-WM 2006 kassierte Polen in der Vorrunde und Schweden im Achtelfinale jeweils eine Rote Karte. Beide Male war es ein Schiedsrichtergeschenk. Beide Male wohl mit freundlicher Widmung der Fifa.

Und 2002? Damals erlangte Byron Moreno aus Ecuador traurige Berühmtheit. Im Achtelfinale gab er ein reguläres Tor der Italiener nicht, schloss Spielmacher Francesco Totti aus und führte Gastgeber Südkorea zu einem 2:1-Sieg in der Verlängerung. Im Viertelfinale schlug Südkorea Spanien im Elfmeterschießen. Davor waren den Spaniern sogar zwei Treffer aberkannt worden.

Es hätte also durchaus Tradition, dass Schiedsrichter auch bei dieser Weltmeisterschaft für die Fifa und gegen den Fußball pfeifen.


gerhard.hofer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2010)

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