Weiteren hundert Mitarbeitern wird der Handshake angeboten.
Die Mitarbeiter des ORF sind nicht mehr so gut auf das Management zu sprechen. Man habe, so Betriebsrat Gerhard Moser, in zwei Jahren 13 Prozent des Personals abgebaut, „gleichzeitig sehe ich keine wesentliche Senkung des Sachaufwands“. Weitere Eingriffe bei den Mitarbeitern seien der Belegschaft nicht zumutbar. Der Stiftungsrat wird aber genau das fordern: Der Finanzplan 2010 wird Mittwoch den Gegebenheiten angepasst, die Verwendung des Geldes für strukturverbessernde Maßnahmen – auch im Personalbereich – gefordert. Von insgesamt 160 Mio. Euro Gebührenrefundierung erhält der ORF heuer 50 Mio, 30 Mio. davon fließen in Bereiche, die der Gesetzgeber vorschreibt– allein 25 Mio. Euro werden über neue Aufträge an Filmschaffende weitergereicht, dazu kommen barrierefreie Sendungen, der Erhalt von Sport plus im bisherigen Umfang und die Anfangsinvestitionen für die Einrichtung eines Informations- und Kulturspartenkanals.
Bleiben heuer 20 Mio. Euro aus dem Refundierungstopf, die es laut Finanzausschuss des Stiftungsrats (er tagte am Montag) in zukunftssichernde Maßnahmen zu investieren gilt. Es gehe darum, die Personalkosten in den Griff zu kriegen, hörte man dort. Moser: „Das zweite Handshake-Programm läuft schon. Der Adressatenkreis wurde erweitert – auf Männer bis Jahrgang 1953 und Frauen bis Jahrgang 1958.“ Das seien unter hundert Personen. Nachdem aber das erste Handshake-Angebot von knapp 200 Mitarbeitern angenommen wurde und zusätzlich über drei Jahre weitere 250 abgebaut werden, sei man bereits nah am Limit: „Wir haben innerhalb von zwei Jahren 13 Prozent Personal abgebaut. Und wir hatten eine Nulllohnrunde.“
An einer anderen Front bahnt sich eine Lösung an: Zwar muss ORF on das IT-Portal futurezone Ende September schließen, die Inhalte sollen aber so weit wie möglich erhalten bleiben. Auch die Diskussionsforen sollen sendungsbegleitend weitergeführt werden. Das kündigte ORF-on-Chef Karl Pachner am Dienstag bei einem Studientag des Publikumsrats an. Ein wirtschaftlicher Erfolg seien die Foren für den ORF sowieso nicht: Sie seien werbefrei, würden aber mehrere 100.000 Euro pro Jahr kosten, „weil eine gute Community Personal braucht“.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2010)