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2019-nCoV

Die erste Mensch-zu-Mensch-Ansteckung mit dem Corona-Virus außerhalb Asiens

Auf Flügen von und nach Asien wird derzeit intensiv desinfiziert.
Auf Flügen von und nach Asien wird derzeit intensiv desinfiziert.REUTERS
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Eine Chinesin dürfte das Virus in die Firma Webasto in Bayern gebracht haben, wo ein deutscher Mitarbeiter in der Folge am Coronavirus erkrankt ist. Hongkong will seine Grenze zu China schließen.

Die internationale Ausbreitung der jüngsten Coronavirus-Variation schreitet voran. Der erste bestätigte Coronavirus-Patient in Deutschland hat sich bei einem chinesischen Gast seiner Firma angesteckt. Die Frau aus China sei zu einer Fortbildung bei der Firma Webasto im Landkreis Starnberg in Oberbayern gewesen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag aus Kreisen der Gesundheitsbehörden. Der Infizierte liegt demnach im Münchner Klinikum Schwabing. "Wir nehmen die Lage sehr ernst", sagte die bayerische Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Melanie Huml. "Aber wir sind gut vorbereitet."

Das Virus kann eine Lungenkrankheit auslösen, an der im Hauptverbreitungsland China bereits mehr als 100 Menschen gestorben sind - die meisten davon waren ältere Patienten mit schweren Vorerkrankungen. Der Landkreis Starnberg liegt rund 80 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt. Die Frau, die den Virus offenbar übertragen hat, ist inzwischen wieder in China.

Die bayerischen Behörden prüfen nun 40 Kontaktpersonen in der Firma und der Familie. Das sagte der Leiter der Taskforce Infektiologie, Martin Hoch, am Dienstag in München. "Die Zahl kann noch steigen."

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Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat als Reaktion auf die erste bestätigte Infektion eine verschärfte Informationspflichten im Flugverkehr angeordnet. Piloten von Flügen aus China müssen bei einer Landung in Deutschland den Tower über den Gesundheitszustand ihrer Passagiere informieren, wie Spahn am Dienstag in Berlin sagte.

Reisende werden außerdem verpflichtet, Formulare zu ihrem Gesundheitszustand auszufüllen. Fluggesellschaften müssen die Informationen an die Behörden weiter geben. Es müssen auch Sitzpläne aus den Flugzeugen weitergegeben werden, damit nachvollziehbar ist, wer neben wem saß. Spahn widersprach zugleich Forderungen, an Flughäfen Fiebermessstellen einzurichten. Dies bringe nichts.

Neben der Anordnung für den Flugverkehr verpflichtete Spahn per Eilverordnung außerdem Krankenhäuser, auch Verdachtsfälle auf den Coronavirus zu melden.

Der Webasto-Standort in Stockdorf bei München.
Der Webasto-Standort in Stockdorf bei München.(c) REUTERS (STRINGER)

Weltweit erste Ansteckung zwischen nicht eng Verwandten

Besonders an dem Fall in Bayern ist, dass damit wohl erstmals weltweit eine Ansteckung zwischen nicht eng Verwandten in einem Land außerhalb Chinas nachgewiesen wurde. Bisher handelte es sich bei fast allen der rund 50 erfassten Infektionen in Frankreich, den USA, Thailand und anderen asiatischen Ländern um importierte Fälle. Die Betroffenen hatten sich bei einer Reise nach China infiziert. Lediglich ganz vereinzelte Fälle von Ansteckungen zwischen engen Familienangehörigen wurden bekannt, aber keine Übertragungen etwa auf Klinikpersonal, Arbeitskollegen oder Zufallskontakte.

Der Patient in Bayern befindet sich nach Angaben der "Task Force Infektiologie" des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) klinisch in einem guten Zustand, wie es in einer Mitteilung vom späten Montagabend hieß. "Er wird medizinisch überwacht und ist isoliert."

In Europa waren zuvor drei Infektionen mit dem neuartigen Virus nachgewiesen worden. Alle drei betrafen Menschen in Frankreich, die zuvor in China gewesen waren.

Großbritannien: Wuhan-Rückkehrer sollen in Wohnung bleiben

In Großbritannien weitet man die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus aus. Rückkehrer aus der chinesischen Metropole Wuhan sollen 14 Tage lang ihre Wohnung nicht verlassen - auch wenn sie keine Symptome einer Infektion mit dem neuen Coronavirus zeigen. Die Betroffenen sollten vorsichtshalber nicht zur Arbeit oder Schule gehen und keine öffentlichen Verkehrsmittel und Taxen nutzen, teilte die Gesundheitsbehörde Public Health England mit.

Experten suchen etwa 2000 Menschen, die seit Ausbruch der Lungenkrankheit aus der chinesischen Region nach Großbritannien geflogen sind. Noch sind zwar keine Infektionen nachgewiesen worden, doch gelten Ansteckungen als wahrscheinlich.

Verkehrsminister Grant Shapps berichtete am Dienstag dem Sender BBC, dass man weiter an Plänen arbeite, Briten aus Wuhan herauszuholen. Sie sollten sich beim Konsulat melden. Die britischen Behörden gehen von etwa 200 Landsleuten aus, die nach Großbritannien zurück wollen.

4500 Infizierte weltweit, Hongkong schließt Grenze

Die Gesamtzahl der weltweit bekannten Erkrankungen ist auf mehr als 4500 gestiegen, nachdem das chinesische Staatsfernsehen am Dienstag einen Sprung um mehr als 1700 Fälle im Vergleich zum Vortag meldete. Allein in der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei habe es auch 24 weitere Todesopfer gegeben, so dass landesweit mindestens 106 Menschen an der Lungenkrankheit gestorben seien.

Angesichts der rasanten Ausbreitung hat Staatschef Xi Jinping einen transparenten Umgang mit der Epidemie zugesagt. "Die Epidemie ist ein Dämon, und wir können es nicht zulassen, dass dieser Dämon sich versteckt", sagte Xi am Dienstag bei einem Treffen mit dem Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, in Peking.

Aus Angst vor einer Einschleppung will Hongkong seine Grenze für Chinesen aus der Volksrepublik weitgehend dichtmachen. Alle Zug- und Fährverbindungen werden von Donnerstag um Mitternacht an gekappt, wie Regierungschefin Carrie Lam am Dienstag berichtete.

Nachdem bereits keine Pauschalreisen aus China mehr erlaubt sind, sei mit den Behörden der Volksrepublik vereinbart worden, auch alle Individualreisen chinesischer Staatsbürger auszusetzen. Hongkong halbiere auch die Zahl der Flüge aus China, sagte Lam, die mit einem Mundschutz vor die Presse trat.

Krankheitsverlauf meist mild

Das neue Virus 2019-nCoV stammt ursprünglich vermutlich von einem Markt in der chinesischen Millionenstadt Wuhan, wo es wohl von dort gehandelten Wildtieren auf den Menschen übersprang. Eine schützende Impfung oder eine spezielle Therapie zur Behandlung der Erkrankung gibt es nicht. Die Symptome - darunter trockener Husten, Fieber und Atemnot - können aber mit Medikamenten abgemildert werden.

Nach derzeitiger Einschätzung von Experten verläuft die neuartige Lungenkrankheit offenbar in den meisten Fällen mild, möglicherweise sogar ohne Symptome. Von den in China registrierten Todesfällen gehen die meisten nach bisherigen Erkenntnissen auf ältere und ohnehin schon stark geschwächte Patienten zurück.

Der neue Erreger ist dem Virus hinter der Sars-Epidemie 2002/2003 sehr ähnlich. Damals hatte es nach Daten der Weltgesundheitsorganisation zwischen November 2002 und Juli 2003 neun Nachweise in Deutschland gegeben. Todesfälle gab es hier nicht.

Anschober: „Kein Grund für Panik"

Die beiden Coronavirus-Verdachtsfälle in Wien haben sich als negativ herausgestellt. Wie es aus dem Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) hieß, haben sich weder der behandelte Mann noch die Frau mit dem neuen Virus infiziert. Derzeit gibt es keinen weiteren Verdachtsfall in der Bundeshauptstadt.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sagte am Montagabend nach einer Sitzung des Einsatzstabs im Innenministeriums, die Ankunft des Virus in Europa sei "kein Grund für Panik". Österreich könne "nicht besser vorbereitet sein", betonte er.

(APA/AFP/dpa/Reuters)

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