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Klimaforschung

Holzhäuser bauen für den Klimaschutz

(c) imago images/Greatstock (via www.imago-images.de)
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Stahl und Beton haben eine verheerende CO2-Bilanz. Holz als Baumaterial wäre dagegen nicht nur in der Verarbeitung umweltfreundlicher, es würde auch als langfristige Kohlenstoffsenke dienen.

Bäume beherrschen seit jeher einen Trick, der in der derzeitigen Klimakrise sehr gefragt ist ist: Sie saugen Kohlendioxid aus der Atmosphäre und fixieren den darin enthaltenen Kohlenstoff in ihrem Gewebe. Begraben unter Sedimenten und über Jahrmillionen von der Erdkruste gewalkt, wurde daraus Kohle, die – hätte der Mensch sie nicht ausgegraben und verfeuert – bis heute das Treibhausgas in der Erde gespeichert hätte.

Doch der Geist ist aus der Flasche, und nun gilt es, ihn wieder einzufangen. 420 Gigatonnen CO2 waren bereits 2017 das vom Weltklimarat IPCC genannte Maximum, das noch in die Atmosphäre gelangen darf, um die Erderwärmung unter 1,5 Grad Celsius zu halten: bei einem weltweiten jährlichen Ausstoß von rund 42 Gigatonnen kein besonders üppiges Budget. Ein neuer Ansatz, um CO2 aus der Luft zu holen, kommt nun von Forschern der Universität Yale (Nature Sustainability, 27.1.). Sie wollen den rasant wachsenden Bedarf an Wohnraum in Städten – bis 2050 sollen 2,3 Milliarden mehr Menschen in urbanen Gebieten leben – durch Holzgebäude decken.

 

Nur mit nachhaltiger Bewirtschaftung

Dadurch würden zunächst die klimaschädlichen Baustoffe Beton und Stahl ersetzt (selbst wenn man die für ihre Produktion nötigen hohen Temperaturen klimaneutral erzielt, setzen sie durch chemische Prozesse große Mengen an CO2 frei). Aber es geht noch um mehr: Das beim Wachsen der Bäume gebundene CO2 würde in den Städten eine neue „Senke“ finden, in der es über lange Zeiträume gespeichert bliebe. In mehreren Szenarios rechnen die Forscher vor, wie viel CO2 durch den Holzbau eingelagert werden könnte. Bestünde etwa die Hälfte der Neubauten aus Holz (derzeit sind es nur 0,5 Prozent), wäre man in 30 Jahren bei einer bis elf Gigatonnen (je nachdem, wie groß die mittlere Wohnfläche pro Einwohner bemessen ist); bei 90 Prozent Holzhäusern könnten zwischen zwei und 20 Gigatonnen gebunden werden. Gleichzeitig würden die Emissionen der Baubranche durch den reduzierten Einsatz von Stahl und Beton sinken.

Natürlich, betonen die Wissenschaftler, müsste parallel für nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder gesorgt werden, aus denen das Bauholz stammt. In diesem Fall könnten die wachsenden Städte als langfristige Kohlenstoffsenke dienen – und damit einen wichtigen Beitrag leisten, um die Pariser Klimaziele zu erreichen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2020)