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Lokalkritik

Testessen im Riva Officina

(c) Carolina M. Frank
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Eine neue neapolitanische Trattoria für Wien. Was heißt durchwachsen auf Italienisch?

Den innenstadtseitig gelegenen Abschnitt der Neumanngasse in Wien Wieden könnte man nun endgültig umbenennen: in Vicolo Riva. Die Betreiber der Riva-Pizzerien, das Ehepaar d’Ambrosio (vermutlich eher für Schuhe bekannt), haben gegenüber einem ihrer Großlokale die Trattoria Riva Officina eröffnet. Die Riva-Verwandtschaft ist optisch deutlich auszumachen, der Speisekartenstil detto, dazu kommen fesche Details wie Zitrusfliesen um einen fast wandfüllenden Spiegel. Es soll hier vor allem um Neapolitanisches gehen. Mag großartig klingen, die Grade der Herzerwärmung dürften aber ziemlich davon abhängen, wie man in der Küche gerade drauf ist. (Was heißt durchwachsen auf Italienisch...?)

Die Riva-Verwandtschaft ist optisch deutlich auszumachen.
Die Riva-Verwandtschaft ist optisch deutlich auszumachen.(c) Carolina M. Frank

Für die Parmigiana di zucchine werden Scheiben von ebendiesen geschichtet, dazwischen kommen Kochschinken und viel Béchamel – wer das durchhält, findet gen Ende noch das eine oder andere Mozzarella-Flankerl (9,80 Euro). Null Punkte im Vergleich mit der Parmigiana-Idealversion mit diensteifrig schmelzbereiten Melanzani, dem besten Mittel gegen Winterblues. Die Insalata con arance enthält einiges an Vogerlsalat, dabei wären Bittersalate die erquicklichere Winterwahl gewesen. Der Paradeissauce zu den Polpetti täten mehr Fruchtigkeit und dafür keine Käsehaube gut, hervorragend hingegen die gefüllten Zucchiniblüten: mit Ricotta aufgepumpte und in Backteig richtig knusprig frittierte Ballons (11,90 Euro). Bei der Pasta halte man sich (wobei, Empfehlungen sind womöglich heikel – siehe Küchendienstplan) an die Ziti spezzati alla genovese (14,90 Euro). Diese lange hohle Pastaform (spezzati heißt gebrochen, alla genovese meint ewig geschmortes Rinds-Zwiebel-Ragù) hatte auch ihre Auftritte bei den „Sopranos". Wenn auf der Karte Friarielli angekündigt werden, dieses in Kampanien und Apulien heimische Grüngemüse, sollte man allerdings wirklich zuschlagen, also etwa die Salsiccia mit Friarielli ordern.
Ansonsten: Dem Kellner, der alles im Alleingang schupft und anders als die Serviceleiterin nie die Augen verdreht, darf man Blumen streuen, die Tischvergabe wirft Fragen auf, in einer Ecke wird schon wegen Verschiedenem gemeutert. Und wer an diesem Abend Millefoglie bestellt, bekommt Panna cotta mit Blätterteigbruch darauf, der aussieht wie das, was einem beim Croissantverzehr unweigerlich in den Schoß plumpst (siehe Foto). „Der Koch macht Millefoglie so." Vielleicht hatte das Meutern Erfolg: Am nächsten Tag heißt dieses Dessert Panna cotta.

Info

Riva Officina, Neumanngasse 4, 1040 Wien, Tel.: +43/(0)1 353 40 50, Restaurant: Di-Sa 11:30–14:30, 18-22 Uhr.

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("Die Presse - Schaufenster", Print-Ausgabe, 31.01.2020)