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Pröll leidet "überhaupt nicht" an Scheinwerfer-Entzug

Erwin Pröll (ÖVP)
Erwin Pröll (ÖVP)APA/HERBERT PFARRHOFER
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Nach fast 25 Jahren trat Erwin Pröll 2017 als Landeshauptmann zurück - heute vermisst er "in Wahrheit nichts" aus dieser Zeit. Selbst in Zeitungen müsse er sich "über kein einziges Wort mehr ärgern".

Dass Erwin Pröll (ÖVP) einmal als niederösterreichischer Landeshauptmann zurücktreten könnte, schien lange Zeit geradezu undenkbar. Anfang 2017 gab er nach fast einem Vierteljahrhundert im Amt dann doch seinen Abschied bekannt. Wie der "Rücktritt von der Macht" vor sich gegangen ist, hat Barbara Stöckl in dem Buch "Außer Dienst" aufgezeichnet. Darin erfährt der Leser, dass Pröll "überhaupt nicht" an einem Scheinwerfer-Entzugssyndrom leidet, wie er auch bei der Vorstellung des Buches am Dienstagabend im Wiener Ringturm betonte. Er vermisse "in Wahrheit nichts", weil er im Laufe von 37 Jahren in der Politik alle Höhen und Tiefen "auskosten durfte". Selbst in Zeitungen müsse er sich "über kein einziges Wort mehr ärgern".

"Kritik ist nicht gleich Kritik", merkt Pröll in dem Buch an. "Eine kritische Betrachtung der Politik durch Medien muss es in einer Demokratie geben! Aber Kritik und Diffamierung ist nicht dasselbe ... Nach meiner Erfahrung gibt es einige Journalisten, denen ihre Aufgabe nicht ganz klar ist."

"Von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen"

Selbstverständlich ist auch der (seinerzeitigen) Frage der Nachfolge ein Kapitel gewidmet. Die Weichen waren gestellt, als Johanna Mikl-Leitner 2016 aus dem Innenministerium "nach Hause" ins Land kam. "Wenn man Abschied nimmt, muss man so Abschied nehmen, dass man die Dinge selbst noch bestimmen kann", meinte Pröll. "Ein Führungswechsel nach 25 Jahren wird noch besser signalisiert, wenn er durch einen Geschlechterwechsel unterstrichen wird. Es hat sich für mich sehr bald Hanni Mikl-Leitner herauskristallisiert", lässt der Alt-Landeshauptmann "hinter die Kulissen blicken".

Das persönliche Gespräch mit Barbara Stöckl ergänzen Passagen aus dem privatem Tagebuch Prölls. Die letzten 100 Tage der Amtszeit hat der (scheidende) Landeshauptmann aufgezeichnet. Unter "17. Jänner 2017, der Tage der Bekanntgabe" (des Rücktritts, Anm.) ist u.a. zu lesen: "07.00 Uhr: Nochmals ein sehr ruhiges, ausführliches Gespräch mit (Ehefrau, Anm.) Sissi über mein Vorhaben. Sie bestärkt mich wieder, diesen Schritt in Ruhe zu setzen ... Lass dich von nichts und niemandem aus der Ruhe bringen."

"Außer Dienst" kann durchaus als Leitfaden für den Rücktritt aus Spitzenpositionen gesehen werden. Pröll selbst ist noch als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Kulturregion Niederösterreich tätig.

Hinweis

Barbara Stöckl: "Erwin Pröll - Außer Dienst"
Amalthea Verlag, 224 Seiten,
25 Euro, ISBN 978-3-99050-167-2.

Buchpräsentation am 3. März, 19 Uhr, Buchhandlung Frick, Graben 27, 1010 Wien.

(APA)