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Amsterdam: Schutz für Juden durch "Lockvögel"

Symbolbild Polizei Amsterdam
(c) AP (EVERT ELZINGA)
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Die Zahl antisemitischer Angriffe in Amsterdam steigt. Die Behörden erwägen den Einsatz von "Lockvögeln". Polizisten sollen als orthodoxe Juden verkleidet Angreifer sofort festnehmen können.

Wegen einer deutlichen Zunahme antisemitischer Angriffe erwägen die Behörden in Amsterdam den Einsatz von "Lockvögeln": Als orthodoxe Juden verkleidete Polizisten sollen Tatverdächtige bei Pöbeleien oder gewalttätigen Angriffen sofort festnehmen und damit für Abschreckung sorgen. "Wir prüfen ernsthaft, wie uns unorthodoxe Maßnahmen wie der Einsatz sogenannter Lockvögel helfen können, Diskriminierung und Gewalt gegen Juden zu unterbinden", sagte der Sprecher des Amsterdamer Bürgermeisters Lodewijk Asscher am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Entschieden werde darüber voraussichtlich nach dem Sommer.

Das Vorhaben wird von der niederländischen Stiftung Information und Dokumentation Israel (CIDI) ausdrücklich unterstützt. Der Einsatz von "Lockvögeln" war kürzlich von dem sozialdemokratischen Amsterdamer Politiker Ahmed Marcouch vorgeschlagen worden. Der aus Marokko stammende Muslim reagierte damit auf eine TV-Sendung, in der heimlich gefilmte muslimische Jugendliche gezeigt wurden, die einen Rabbiner auf offener Straße mit dem Hitlergruß anpöbelten und bedrohten.

Attacken von marokkanisch-stämmigen Jugendlichen

Nach Angaben von CIDI haben derartige Angriffe in den Niederlanden deutlich zugenommen. Bei der Organisation "Meldpunt Discriminatie" gingen 2009 allein für Amsterdam 41 entsprechende Meldungen ein - gegenüber 17 im Vorjahr. In den meisten Fällen werden derartige Attacken von Gruppen marokkanisch-stämmiger Jugendlicher verübt.

Die Angst vor Attacken sei unter den etwa 40.000 in den Niederlanden lebenden Juden spürbar gewachsen, sagte die Antisemitismus-Expertin des CIDI, Elise Friedman. Um zu verhindern, dass sie auf der Straße "angepöbelt, bespuckt oder mit Steinen beworfen werden", sähen sich immer mehr Juden gezwungen, in der Öffentlichkeit auf Kippot oder andere Anzeichen für ihren Glauben zu verzichten.

(APA/dpa)