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Der Job mit „Sinn“

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Etwas „Sinn“-volles tun, Bedeutendes leisten, das wollen wir alle. So ist es nur legitim, künftige Arbeitgeber nach der „Sinn“-haftigkeit des Unternehmenszwecks zu fragen. Dass die eigene Tätigkeit aber Sinn ergibt, dafür ist jeder selbst verantwortlich.

Etwas Wichtiges tun. Etwas, das die Welt weiterbringt. Die Umwelt, die Menschheit. Wenigstens die Menschen der näheren Umgebung. Das sind keine Träume. Es sind reale Anforderungen, die junge Menschen an ihre Arbeitgeber stellen (nicht erst seit Greta Thunberg übrigens). So mancher Personalchef berichtet von bohrenden Fragen nach dem CO2-Fußabdruck des Unternehmens, nach sozialer Verantwortung und moralischer Integrität.

Solche Fragen sind wichtig. Sie bewegen viel. Ihretwegen haben sich Firmen durchgerungen, freie Freitage zu bieten, an denen ihre Leute Sozialprojekte vorantreiben. Oder Hilfesuchende pro bono (also kostenlos) zu beraten. Oder in der Arbeitszeit Innovationen auszutüfteln, die Umweltprobleme lösen. Oder Spenden aufzustellen. Oder, oder, oder.

Wem also das Sinnthema unter den Nägeln brennt, der soll ruhig danach fragen. Und wer denkt, dass das Unternehmen, bei dem man sich gerade beworben hat, Dreck am Stecken hat . . . wieso hat man sich dann eigentlich beworben? Um die Wahrheit herauszufinden? Um es besser zu machen?

Denken wir uns in die Wirtschaft hinein

Unternehmen sind nicht dafür da, Gewinn zu machen. Das ist nur die Konsequenz ihrer Tätigkeit, erläuterte kürzlich der Berater und Philosoph Harald Pichler. „Sinn“ von Unternehmen ist, Kundenbedürfnisse zu erfüllen – und damit Geld zu verdienen. Der Kunde muss überzeugt sein, dass die Leistung wichtig und damit Geld wert ist.

Der Sinn eines Unternehmens kann also ganz einfach sein, seine Kunden zufriedenzustellen, Mitarbeitern einen Job zu bieten und Lieferanten eine wirtschaftliche Existenzberechtigung. Durch moralisch vertretbare Tätigkeit und ethisch einwandfreies Wirtschaften, versteht sich.

Den Sinn seiner Arbeit muss jeder selbst finden

Es ist aber nicht die Aufgabe der Geschäftsführung – und auch nicht die des direkten Chefs –, jedem Mitarbeiter eine „erfüllende“ Tätigkeit zu bieten. Diesen „Sinn“ seiner Arbeit muss er selbst finden.

An dieser Stelle ist ein Exkurs nötig. Viktor Frankl (1905–1997) war ein anerkannter Wiener Psychiater und Neurologe, kongenialer Zeitgenosse von Sigmund Freud und Viktor Adler. Als Juden wurden er und seine Familie 1942 deportiert. Vater, Mutter, Bruder und seine schwangere Frau kamen in Konzentrationslagern um, er selbst wurde gefoltert und gequält.

Gab er auf? Natürlich nicht. Frankl erkannte, dass man selbst unter fürchterlichsten Bedingungen einen Sinn im Leben finden konnte. Leid sei manchmal unvermeidlich, schrieb er, wie wir aber damit umgehen, sei unsere Entscheidung. Statt sich aufzugeben stellte er sich genau vor, was er in künftigen Vorlesungen über die Auswirkungen des KZ auf die Psyche lehren würde. Genauso kam es.

Was das mit dem Job zu tun hat?

Die letzte Freiheit, die jeder hat, ist seine Einstellung zu seinem Leben, hier: zu seiner Arbeit. Leistet diese Arbeit einen Beitrag für die Gemeinschaft, ist sie sinnvoll. Im Zweifel hilft es, sich ihre positiven Aspekte vor Augen zu führen. Wir neigen dazu, Positives als selbstverständlich hinzunehmen und Negatives laut zu bejammern. Die Frage lautet: Was an meiner Arbeit würde mir fehlen, wenn ich es nicht mehr hätte? Dieses Gute wertzuschätzen hilft enorm.

Besonders erhellend ist die Frage, warum man jeden Morgen in die Arbeit geht. Wegen der Kollegen, antworten viele, weil ich zum Team gehöre. Weil ich etwas lerne. Weil ich wachse, mich weiterentwickle. Wenn nicht  – Job wechseln. Wobei viele erst nachträglich erkennen, wofür die vermeintliche Sackgasse gut war.