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Fitness Company für digitale Revolution bereit

Fitness-Company-Chef Gottfried Wurpes erfindet sein Geschäftsmodell gerade neu und setzt voll auf digital.(c) The Fitness Company
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Im Zeitalter der Digitalisierung ist für The Fitness Company das Produkt „reine Vermietung von Fitnessgeräten“ ein Auslaufmodell. Künftig werden alle Dienstleistungen mit digitalen Services gestaltet.

Mit der Digitalisierung geht es um die Zukunftsfähigkeit der gesamten Fitnessbranche. „Alles wird komplexer, schneller, digitaler – das gilt auch für den Fitness-Club der Zukunft“, sagt Gottfried Wurpes, der vor 25 Jahren The Fitness Company in Oberösterreich gründete. Die Handels GmbH ist exklusiver Vertriebspartner von Technogym in Österreich, der Slowakei und Tschechien. Technogym ist einer der weltweit führenden Hersteller von Ausdauer-, Reha-, Fitness- und Krafttrainingsgeräten.

Mit dem Einzug von IT- und Computertechnik ist im Fitness-Club 4.0 alles intelligent, vernetzt und verbunden. Fitness-Geräte, Apps, Tracker und andere Tools produzieren gigantische Datenmengen, die man analysieren, auswerten und nutzbar machen muss, um mithilfe der Daten neue Produkte, Geschäftsmodelle und Lösungen zu etablieren.

„Wir arbeiten mit Hochdruck daran, mithilfe von Big Data und Real Time Analytics neue Geschäftsmodelle und Lösungen für die Fitnessindustrie zu etablieren“, sagt Wurpes. „Für uns ist das Produkt ,reine Vermietung von Fitness-Geräten‘ im Zeitalter der Digitalisierung ein Auslaufmodell. Künftig werden alle Dienstleistungen mit digitalen Services dargestellt werden. Durch Applikationen und Tools stehen Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung, die auf den gesamten Lebenszyklus eines Menschen ausgedehnt werden können.“

The Fitness Company arbeitet eng mit der Entwicklungsabteilung von Technogym im Headquarter in Italien zusammen. „Dadurch sind wir stets am Puls der Zeit und früh über die neuesten Entwicklungen informiert. Speziell im Bereich künstliche Intelligenz, Robotik und Virtual Reality denken wir Fitness, Wellness und Gesundheit schon heute neu, um auch in Zukunft die Lebensqualität der Menschen mit innovativen Lösungen nachhaltig zu verbessern.“

Ein Paradebeispiel für modernste Technologien und innovative Lösung ist Biocircuit – ein Gerätezirkel, der sich individuell an die Bedürfnisse des Trainierenden anpasst. „Es ist das einzige System auf dem Markt, das mit einem Steuergerät ausgestattet ist, das mit der nativen Trainingssoftware des Zirkels verbunden und synchronisiert ist.“

„Es gibt Studienergebnisse, die besagen, dass sich die Industrie rund um Fitness-Clubs durch die Umsetzung der digitalen Revolution 4.0 in den nächsten zehn Jahren mehr als verdoppelt.“ Jedes Equipment, sei es noch so klein, muss in einem digitalisierten Umfeld dem Kunden und seinen Zielen dienlich sein. „Sport und Fitness müssen Spaß machen – dann bleibt man motiviert und ist fitter, gesünder und belastbarer. Genau da setzen wir mit unseren Entwicklungen an.“

Ein großes Schlagwort ist in diesem Bereich „Fitness on Demand“, speziell für den Heimbereich. „Unabhängig davon, wo trainiert wird, kommt dem Entertainment-Faktor immer mehr Bedeutung zu.“ Stichwort Gamification: „Es reicht nicht mehr, nur auf dem Laufband Kilometer zu sammeln“, ist Wurpes überzeugt. „Der Kunde will unterhalten werden.“ Das gelingt zum Beispiel mit dem Fokus auf (virtuellem) Team-Training. Die einzelnen Kursteilnehmer und Trainer müssen nicht zwingend an demselben Ort trainieren, sondern sitzen jeweils auf ihren eigenen Ergometern und sind per Video verbunden.

Viel Potenzial sieht Wurpes auch im Bereich Digital Health, also bei der Vernetzung mit der gesamten Gesundheitsbranche. „Wir denken hier an Krankenkassen und Versicherungen, aber auch an Fitness und Gesundheit als Teil von Unternehmensstrategien. Wir sehen schon heute, dass Sport- und Fitnessangebote, Seminare oder das Thema Work-Life-Balance wichtige Differenzierungsmerkmale bei der Wahl des Arbeitgebers sind.“

 

Konkurrenz belebt

Aktuell erlebe die Fitnessbranche einen harten Verdrängungswettbewerb. Wurpes beobachtet bei den Fitness-Clubs einen Trend zur Spezialisierung, der immer höhere Ansprüche an die Dienstleistungsqualität stellt. „Hier haben wir mit unserem Leistungsprofil und Portfolio sicher ein Alleinstellungsmerkmal, das von unseren Kunden wahrgenommen und geschätzt wird.“ Der Trend zu Topqualität sei unübersehbar. „Unsere Kunden wünschen sich Premium-Service, Innovationen und neue Impulse.“

Mittlerweile hat Wurpes mehr als 50 Beschäftigte. Der Umsatz lag zuletzt bei 33,6 Millionen Euro. Zu den Kunden zählen Fitness- und Reha-Einrichtungen, Hotels, Ärzte, Physiotherapeuten, Verbände, Vereine und Sportler. Verbands-Partnerschaften mit dem ÖFB (Fußball) und dem ÖSV (Skiverband) wurden um das Österreichische Olympische Comité erweitert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2020)