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Börsesieger Klimatransparenz

„Haben den größten Elektrofuhrpark Österreichs“

Post-Generaldirektor Georg Pölzl hat sich vor zehn Jahren zum Ziel gesetzt, die Geschäfte CO2-neutral zu gestalten.(c) Clemens Fabry
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Die Post AG verfolgt seit zehn Jahren einen nachhaltigen Um-weltplan. Der Dienstleister ist mit seinem kräftigen CO2-freien Fußabdruck Vorreiter unter den Postgesellschaften Europas.

Durch den Klimawandel und seine Auswirkungen spielt das Thema Klimatransparenz für Unternehmen bei ihren Handlungen eine immer bedeutendere Rolle. Nachhaltiges Wirtschaften im Einklang mit der Umwelt sowie ressourcenschonende Maßnahmen bestimmen immer mehr den Geschäftsalltag von Unternehmen.

Wer unter den börsenotierten Gesellschaften sich auf diesen Wandel am besten vorbereitet, um so seinen langfristigen Erfolg zu sichern, wurde im Zuge von ALC untersucht. Die Österreichische Post AG wurde dabei als aktuell vorbildlichstes Unternehmen identifiziert und hat somit gewonnen.

„Wir haben uns zum Ziel gesetzt, alles, was wir tun, CO2-neutral zu machen“, betont Post-Generaldirektor Georg Pölzl – und das nicht seit Kurzem: Die Post sei schon vor zehn Jahren auf diesen nachhaltigen Weg eingeschwenkt. Den Anstoß haben die Post-Kunden gegeben. Als Logistikunternehmen trage man eine besondere Verantwortung gegenüber der Umwelt. Daher werden die Klimaziele nicht nur formuliert, sondern auch in Berichten dokumentiert.

 

Klare Umweltstrategie

Das gelaunchte CO2-Programm besteht im Wesentlichen aus drei aufeinander abgestimmten Schritten, erklärt Pölzl: Der erste Schritt ist die Reduktion des Energieverbrauchs durch Effizienzsteigerungen im Fuhrpark und in den Gebäuden. Zweitens geht es um den maximalen Einsatz von erneuerbaren Energien und E-Mobilität. „Für alles, was wir mit Punkt eins und Punkt zwei nicht wegbekommen, kaufen wir Zertifikate“, betont der Post-General.

Die Erfolge sind bereits messbar: In den ersten vier Jahren des Programms konnte laut Pölzl der Energieverbrauch um rund 30 Prozent reduziert werden. Voller Freude spricht Pölzl auch über seinen Fuhrpark: „Wir haben den größten Elektrofuhrpark Österreichs mit 1900 Fahrzeugen.“ Damit fährt schon jedes vierte Post-Auto elektrisch. Und die Umstellung auf Strom geht rapide weiter. Die Post hat vor Kurzem 249 neue E-Autos geordert.

Auch Fotovoltaik gehört zum Klimaprogramm. Und dort, wo es notwendig ist, wird ausschließlich grüner Strom zugekauft.

Das Kerngeschäft der Post ist nach wie vor das Briefgeschäft. Vor zehn Jahren hat es noch 90 Prozent ausgemacht, und auf das Paket fiel der kleine Rest. Jetzt macht der Brief nur noch 75 Prozent aus – und das Paket schon ein Viertel des Geschäfts.

Klar im Fokus ist für die Post, die Zustellung möglichst schnell CO2-neutral hinzubekommen. Beim Werbematerial habe man das schon erreicht. „Hier ist der CO2-Fußabdruck null“, freut sich Pölzl. Die Briefzustellung ist noch nicht CO2-frei, „aber in den Städten sind wir schon weit“, sagt Pölzl – wie in Wien, wo 99 Prozent der Briefe CO2-neutral zugestellt werden. Oder in Wiener Neustadt mit 96 Prozent, in St. Pölten mit 93 Prozent und in Innsbruck mit 90 Prozent. Eisenstadt ist die einzige Landeshauptstadt, in der 100 Prozent der Briefe schon schadstofffrei zugestellt werden.

Bei der Paketsparte ist die Bilanz noch verbesserungswürdig. Aber das ambitionierte Ziel der Post ist es, bei Brief und Paket – und somit in der gesamten Zustellung – bis zum Jahr 2030 CO2-frei zu sein.

Mit seinem nachhaltigen und umweltbewussten Tun gilt die Österreichische Post unter ihresgleichen als Vorreiter in Europa. „Wir waren die erste Gesellschaft international, die diese CO2-Freiheit verwirklichte.“

Neben dem Umweltschutz ist auch CSR ein wichtiges Thema für die Post. „Seit 2009 haben wir daher den CSR-Report in unseren Geschäftsbericht integriert.“ Transparenz in allen Bereichen ist dem teilstaatlichen Dienstleistungskonzern wichtig: „Ich bin der Überzeugung, dass man als staatstragendes Unternehmen nachvollziehbar und transparent sein muss“, betont Pölzl.

 

Offener Dialog

Natürlich kosteten Berichte Geld, meint der Post-Chef. Trotzdem müsse ein transparentes Berichtswesen Unternehmensphilosophie sein. Denn: „Intransparenz kostet noch mehr Geld“, sagt Pölzl. Außerdem habe Transparenz mit Voraussicht zu tun. Auch sei Offenheit gegenüber den rund 20.000 Post-Beschäftigten wichtig. „Wir können nur gute Leute bekommen oder halten, wenn wir diese Werte vermitteln“, sagt Pölzl. „Keiner will in einer intransparenten Schmuddelfirma arbeiten!“

Und noch etwas führt der CEO des Konzerns mit zwei Milliarden Euro Umsatz ins Treffen: „Wir sehen in der Börsenwelt ein hohes Interesse von Anlegern an nachhaltigen Investments oder Papieren, die einen Nachhaltigkeitsfaktor mitliefern.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2020)