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Börsesieger Wertsteigerung

Fabasoft AG: Börse-Highflyer und Technologievorreiter

Helmut Fallmann setzt auf den Standort Österreich. Der Großteil seiner Mitarbeiter arbeitet in Linz und Wien.(c) Fabasoft
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Die Fabasoft AG aus Linz schaffte im Vorjahr im Untersuchungszeitraum die größte Wertsteigerung – gemessen am Börsenwert – von allen heimischen Kapitalmarktgesellschaften.

Wenn von Digitalisierung die Rede ist, wird in Österreich gern ein Klagelied angestimmt. Das Land sei bestenfalls ein Mitläufer bei der digitalen Revolution, heißt es. Manche fürchten sogar, Österreich habe den Anschluss längst verloren. Das Linzer Softwareunternehmen Fabasoft ist der Beweis dafür, dass von Pauschalierungen tunlichst Abstand genommen werden muss. Denn seit vielen Jahren sind seine Softwareprodukte und Cloud-Dienste in einigen Bereichen tonangebend. Etwa auf dem Gebiet des E-Governments. „Große Teile der öffentlichen Verwaltung im deutschsprachigen Raum haben mithilfe von Fabasoft-Produkten die digitale Transformation von Papierakten auf elektronische Akten erfolgreich umgesetzt“, sagt Fabasoft-CEO Helmut Fallmann. Gemeinsam mit Leopold Bauernfeind hat er das Unternehmen gegründet, gemeinsam leiten sie den Konzern, der seit 1999 im Prime Standard der Frankfurter Börse gelistet ist. Im vergangenen Geschäftsjahr 2018/19 hat das Unternehmen den Umsatz um 26 Prozent auf 40,28 Millionen Euro gesteigert, der Betriebsgewinn legte gar um 70 Prozent auf 8,9 Millionen Euro zu. Das Nettoergebnis schnellte um zwei Drittel auf 6,49 Millionen Euro in die Höhe.

Die Kursentwicklung spiegelt den unternehmerischen Erfolg wider. Spätestens ab 2016 avancierte die Aktie zum Highflyer. Anfang 2016 lag der Kurs bei fünf Euro, Ende 2017 hatte er sich bereits mehr als verdoppelt, mittlerweile ist er das Fünffache wert. Anfang des Jahres notierte Fabasoft bei 27,80 Euro. Die Fabasoft AG aus Linz schaffte im Vorjahr im Untersuchungszeitraum die größte Wertsteigerung – gemessen am Börsenwert – von allen heimischen Kapitalmarktgesellschaften.

39,99 Prozent der Aktien befinden sich im Streubesitz. Die Fallmann& Bauernfeind Privatstiftung hält 53,80 Prozent. 6,21 Prozent sind im Besitz der Fondsgesellschaft Axxion.

 

Sicherheit hat Priorität

Immer wieder sorgten spektakuläre Spionagefälle für Schlagzeilen. Zuletzt wurde auch das österreichische Außenministerium Opfer einer Spionagesoftware. Datensicherheit ist für Regierungen, Organisationen und Unternehmen längst ein großes Thema. Zumal die gigantischen Datenmengen immer öfter auf eine Internet-Cloud ausgelagert werden. Fabasoft ist dort gefragt, wo die Daten besonders heikel sind. „Unsere Produkte findet man bei großen Organisationen: ob bei der US Food and Drug Administration, bei der Lufthansa oder bei der VIA Rail in Kanada“, berichtet Fallmann.

Begonnen hat das Ganze in einer Garage in Linz. Die beiden digitalen Pioniere haben das Software-Haus 1988 in Oberösterreich gegründet. Der Firmenname setzt sich aus den ersten Silben von Fallmann Bauernfeind Software zusammen.

Groß geworden ist die Firma durch spezielle Lösungen für öffentliche Auftraggeber. Wenn österreichische Ämter heute nicht mehr die Akten- und Tintenburgen von einst sind, ist das zu einem guten Teil Fabasoft zu verdanken. Das Programm eGov-Suite ist die Basis für den elektronischen Akt, der 2001 im Bund startete und mittlerweile auch von der Mehrheit der Länder und manchen Gemeinden eingesetzt wird.

Was ein Staat über seine Bürger weiß, was sich Politiker gegenseitig mitteilen: Das sind hochsensible Daten. Damit lag es nahe, dass Fallmann und Bauernfeind auch bei ihrem Cloud-Angebot den Wettbewerbsvorteil im Datenschutz suchten. Belohnt wurde dieses Bemühen 2016. Damals verlieh die europäische Zertifizierungsstelle EuroCloud Fabasoft als erstem Cloud-Anbieter das höchste Gütesiegel von fünf Sternen.

Das Engagement von Co-Vorstand Fallmann aber macht nicht an seinen Firmentoren halt. Mit seinem leidenschaftlichen Plädoyer für europaweite Standards und Datenschutz als Exportschlager ist er ein gern gesehener Gast in Brüssel und auf den Podien internationaler Konferenzen.

Fabasoft ist ein internationales Unternehmen und erzielt drei Viertel des Umsatzes im Ausland. „Tendenz stark steigend“, betont Fallmann. Dennoch arbeitet der Großteil der 290 Mitarbeiter im Headquarter in Linz und in der Wiener Niederlassung. Die gesamte Produktentwicklung findet in Österreich statt.

Um international auch mit den ganz großen Playern Schritt halten zu können, setzt Fabasoft auf ausgezeichnete Mitarbeiter und investiert sehr viel Geld in Forschung und Entwicklung. „Etwa ein Viertel unseres Umsatzes investieren wir jährlich in Forschung und Entwicklung“, sagt Fallmann. Fabasoft zähle zu jenen Unternehmen in Österreich mit der höchsten Forschungsintensität. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.01.2020)